Die Kärntner Slowenen und „Immer noch Sturm“ von Peter Handke



Begleitet von  stürmischen Applaus und guten Kritiken ist das Peter Handke Stück „Immer noch Sturm“ von Dimiter Gotscheff bei den Salzburger Festspielen Uraufgeführt worden.  

Beinah zeitgleich wurde in Klagenfurt / Celovec im historischen Wappensaal des Landeshauses – unter anderem nahmen der österreichische Kanzler Werner Faymann und der slowenische Regierungschefs Borut Pahor teil - der „Ortstafelkompromiss“ gefeiert.

Thomas Assheuer schreibt in seiner Rezension in der Wochenzeitung „Die Zeit“: „Das Stück handelt, jedenfalls auf dem ersten Blick, vom vergessenen Freiheitskampf der Kärntner Slowenen gegen die deutschen Besatzer, vom Mut der Aufständischen, vom Kampf der Partisanen in den Wäldern, vom Leid der Hinterbliebenen, Väter und Geschwister – und von der Verbitterung, dass das Versprechen der Freiheit gebrochen wurde. Denn obwohl die Partisanen den Kampf gegen das Nazi-Regime gewonnen hatten, kehrte die alte Windstille nicht mehr ins Jaunfeld zurück. Nach dem Ende des Krieges, so klagt das Stück, beginnt ein neuer Krieg gegen die Slowenen. Sie fallen den Österreichern in die Hände, und Österreich, das vor aller Welt mit dem slowenischen Widerstand prahlt, ist nun devoter Teil des siegreichen Westens. Die „Westler zwingen die Slowenen das aufzugeben, wofür sie gekämpft hatten, ihr Heiligste ihrer „Mutter Sprache“, ihre Kultur und ihre Wurzeln.“

Die Kärntner Slowenen und der Ortstafelstreit
In Europa reibt man sich verwundert die Augen, wenn in regelmäßigen Abständen der Streit zwischen Minderheit und Mehrheit, zwischen „Deutsch-Kärntnern und Kärntner Slowenen“  über die Landesgrenzen schwappt und die Vertreter der jeweiligen Lager in gnadenlosen Wortgefechten aufeinandertreffen. Immer wieder entzündete sich der Streit um die sog. Ortstrafelfrage.

Der nun feierlich zelebrierte Ortstafel-Kompromiss besagt, dass in Kärnten 164 Ortsschilder auf Deutsch und Slowenisch errichtet werden. In allen Gemeinden mit einem Bevölkerungsanteil von mindestens 17,5% Kärntner Slowenen müssen diese Tafeln nun errichtet werden.

Hintergrund ist der Österreichische Staatsvertrag aus dem Jahr 1955. Im Artikel 7 wird festgelegt dass im mehrsprachigen Siedlungsgebiet der Kärntner Slowenen zweisprachige topographische Beschilderung errichtet werden muss. Der Staatsvertrag definiert jedoch nicht weiter, was das „Siedlungsgebiet“ genau ist. 1977 – 22 Jahre nach dem Unterzeichnen des Staatsvertrages - wurde in einer Verordnung festgeschrieben, dass in Gemeinden mit über 25-Prozent Slowenen-Anteil diese zweisprachigen Ortstafeln errichtet werden müssen.

1972 kam es noch zu einem „Ortstafelsturm“, weil die Regierung Kreisky entschieden hatte, dass in allen Ortschaften mit 20% Slowenen-Anteil zweisprachige Ortstafel zu errichten sind. Gegner („Deutsch-Kärntner“) dieser Regelung stürmten die Tafeln und montierten diese ab. Daraufhin wurde diese Initiative zur Lösung der Ortstafelfrage gestoppt.

Das Verfassungsgericht musste entscheiden und setzte die Quote auf (europataugliche) 10-Prozent fest.  Dieses Quorum wurde von Jörg Haider und seinem Nachfolger Dörfler nie akzeptiert und immer wieder populistisch instrumentalisiert.

56 Jahre nach dem unterzeichnen des Staatsvertrages wird der Kompromiss nun gefeiert aber ein schaler Beigeschmack bleibt, da man durchaus behaupten kann, dass durch den Kompromiss die verfassungswidrige Nichtanerkennung von höchstrichterlichen Entscheidungen politisch legalisiert werde.




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