Die Deutsche Minderheit in Polen feiert Jubiläum und tritt bei den Parlamentswahlen an



VDG-Vorsitzender Bernard Gaida (links) im Juni 2011 in Brüssel im Europäischen Parlament, neben ihm MdeP Raimer Böge (EVP) und Nanti Olip (Vizeobmann der Kärrner Slowenen, NSKS) 

Vor 20 Jahren erhielt die deutsche Minderheit in Polen nach der Unterzeichnung des Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrages am 17. Juni 1991 den Status als autochthone Minderheit in der Republik Polen. Bereits 1990 hatten sich nach dem Umsturz in den vormals kommunistischen Staaten zahlreiche deutsche Vereine in Polen gegründet. Am 15. September  1990 fand bei Opole / Oppeln eine Vollversammlung der deutschen Vereine statt und am 27. August 1991 wurde der Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften (VDG) gegründet. Der Dachverband mit seinen angeschlossenen Vereinen und Ortsvereinen (Freundeskreise) hat über 200.000 Mitglieder.

2008 vollzog sich in der deutschen Minderheit ein viel beachteter Generationswechsel. Den Dachverband führt seither Bernard Gaida und der größte Einzelverband in der Wojwodschaft Oppeln mit rund 130.000 Mitgliedern wird von Norbert Rasch geleitet. Eine verstärkte Zuwendung zur Sprach- und Kulturarbeit steht im Mittelpunkt der neuen Strategie und ein Bildungswesen für die deutsche Minderheit ganz oben auf der Agenda.

Beim letzten Zensus der 2001 in Polen durchgeführt wurde bekannten sich 152.897 Einwohner als Deutsche. Nach eigenen Schätzungen der deutschen Minderheit und Zahlen der deutschen Botschaft in Warschau wird von rund 300.000 Angehörigen der deutschen Minderheit ausgegangen. 


Die deutsche Minderheit engagiert sich auch auf europäischer Ebene und hat sich dort ein starkes Netzwerk erarbeitet. So ist der VDG-Vorsitzende Bernard Gaida Mitglied des Dialogforums der FUEV am Europäischen Parlament.

FUEV-Präsident Hans Heinrich Hansen übermittelte aus Anlass des 20-jährgen Jubiläums eine Grußadresse, in der es unter anderem heißt:

Wenn ich zurückschaue auf die Entwicklung der deutschen Minderheit in Polen in den letzten 20 Jahren, kann ich nur meine Anerkennung und meine Freude über das erreichte ausdrücken. Es ist euch in den Jahren gelungen euer eigenes Selbstverständnis als Deutsche in Polen zu entwickeln. 
Wohlgemerkt ein Selbstverständnis mit entsprechendem Selbstwertgefühl, das niemand besser verkörpert als der Vorsitzende  Bernard Gaida. 
Als Präsident der FUEV bedanke ich mich für langjährige gute Zusammenarbeit und wünsche der VDG und ihren Mitgliedern von Herzen alles Gute für die weitere Arbeit für eine friedliche und gute Zukunft in ihrem Heimatland.

Am 9. Oktober stehen in Polen Parlamentswahlen an. Die deutsche Minderheit geht mit einer eigenen Liste ins Rennen. Seit 1991 kandidiert die deutsche Minderheit bei den Sejm-Wahlen. Bei den Wahlen 2002 stimmten 32.463 Bürger für die Kandidaten der deutschen Minderheit, die von der 5%-Hürde befreit sind. 1991 betrug die Stimmenanzahl noch 132.000.

Bei den Regionalwahlen 2010 erzielte die deutsche Minderheit ein sehr gutes Ergebnis, das Hoffnungen für die bevorstehende Wahl macht. Bei den Regional- und Kommunalwahlen erzielte die Deutsche Minderheit 53.670 Stimmen, was einem Zuwachs von 4.539 Stimmen bedeutete.  Die deutsche Minderheit geht mit einem Trio an der Spitze ins Rennen – bestehend aus Amtsinhaber Ryszard Galla, VDG-Vorsitzender Bernard Gaida und Norbert Rasch vom VDG-Oppeln.

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