Die Europäische Kommission ruft und die „Stakeholder“ folgen



Vertreter von europäischen Organisationen, die im Bereich der Mehrsprachigkeit tätig sind, nahmen Anfang der Woche auf Einladung der EU-Kommission an einer Strategiesitzung teil. Dort diskutierten sie mit zentralen Mitarbeitern der Verwaltung, die zukünftige EU-Förderpolitik 2014 – 2020. Jonathan Hill, Mitglied im Kabinett von EU-Kommissarin Androulla Vassiliou und dort für Mehrsprachigkeit zuständig, nahm ebenfalls an der Sitzung teil.

Die Föderalistische Union Europäischer Volksgruppen (FUEV) ist durch die Förderung ihres Netzwerkes RML2future und eines im kommenden Jahr anlaufenden, zweijährigen Projektes zur Sichtbarmachung der positiven Auswirkungen von Mehrsprachigkeit in Europa „ProML“ in den Kreis der Förderer gelangt (Die FUEV hat in den letzten Jahren rund 800.000 Euro EU-Fördergelder bewilligt bekommen).

Beide Projekte wurden über das Programm „Lebenslanges Lernen“ gefördert. Dieses Programm wird ab 2014 nicht weiter geführt. Ab 2014 und bis 2020 heißt das neue Schlagwort: „Erasmus for all / Erasmus für alle“ 

„Erasmus für alle“ würde – das erhofft sich zumindest die EU-Kommission - alle derzeitigen EU-Programme für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport auf europäischer und internationaler Ebene in sich vereinen. Dies bedeutet, dass sieben laufende Programme durch ein einziges neues ersetzt werden, was mehr Effizienz, einfachere Antragsverfahren für Finanzhilfen und weniger Doppelarbeit und Zersplitterung mit sich bringen soll.

Nicht nur im Bereich der Bildung und Jugend werden die Programme und Schwerpunkte neu geordnet – auch in allen anderen Bereichen. Die Verhandlung des nächsten Finanzrahmens ab 2014 der EU ist derzeit das ganz heiße, politische Eisen. Die Verhandlungen werden sich noch zwei Jahre hinziehen. Es steht auch viel auf dem Spiel, nämlich die Einnahmen und Ausgaben der Europäischen Union: ca. 1.000 Milliarden Euro.

Wer sich in die Feinheiten bzw. Untiefen des bevorstehenden, neuen Finanzrahmens  der EU begeben möchte, der kann das hier tun.  

Wer sich über die strategischen Ziele der EU informieren möchte, die als Hintergrund des neuen Finanzrahmens dienen, der kann das unter der Strategie Europa 2020 hier tun. 

Ein Bruchstück dieser 1.000 Milliarden Euro – nämlich 19 Milliarden Euro - sollen über das neu zu schaffende Programm „Erasmus for all“ verteilt werden, was einem Zuwachs gegenüber dem laufenden Siebenjahreszeitraum um rund 70 % entspricht.

Im Zentrum des neuen Programms stehen der „Mehrwert auf EU-Ebene und die systemrelevante Wirkung“ (EU-Jargon, Anm. der Redaktion). Zu diesem Zweck werden drei Arten von Aktionen gefördert: Lernangebote – innerhalb und außerhalb der EU – für Einzelpersonen; institutionelle Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen, Jugendorganisationen, Unternehmen, lokalen und regionalen Behörden und Nichtregierungsorganisationen; Unterstützung von Reformen in den Mitgliedstaaten, um die Bildungs- und Berufsbildungssysteme zu modernisieren und Innovation, Unternehmergeist und Beschäftigungsfähigkeit zu fördern.

Der Vorschlag für einen Rechtsrahmen, der dieses neue Programm „Erasmus for all“ ermöglichen soll, liegt durch die EU-Kommission erarbeitet, vor. Nun sind die EU-Mitgliedsstaaten und das Parlament gefragt, die das endgültige Paket schnüren.

Die „Stakeholder“ wurden auf der Sitzung in Brüssel von der Kommission gebeten, sich für den vorliegenden Vorschlag bei den Mitgliedsstaaten und den EU-Abgeordneten einzusetzen.

Die FUEV prüft den Vorschlag und wird sich natürlich besonders dafür einsetzen, dass die Frage der Regional- und Minderheitensprachen und dabei die kleinen und kleinsten Sprachen Europas, die vom Aussterben bedroht sind, gesondert berücksichtigt werden.

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