Minorities in Europe keeping their fingers crossed: Sønderborg / Sonderburg – Capital of Culture 2017



Sønderborg wants to become the European Capital of Culture in 2017. The German name for Sønderborg is Sonderburg and the town is located in the Danish region of South Jutland / Sønderjylland, which is called Nordschleswig by the Germans. The town will not go it alone, but considers itself as the candidate on behalf of the whole German-Danish border region. Four autochthonous minorities are living in this border region, all of whom are also member of FUEN: the German minority in Denmark, the Danish minority in Germany, the Frisians and the Sinti & Roma.

Tomorrow, on 24 August 2012, the decision will be made. It will be shown live on several big screens in the region. The jury will have to decide between the German-Danish border region / Sønderborg 2017 and the second biggest Danish town of Arhus.

The application of Sønderborg and its motto “Countryside Metropolis” offers some insights into the ambitious goals. Arhus tries to convince the jury with its slogan “Rethink”.


“I keep my fingers crossed and I hope that the Sønderborg’s bid for 2017 will be accepted. The 94 member organisations of FUEN are supporting the application from the German-Danish border region. It would be very much in conformity with the basic idea of a European Capital of Culture if a successful minority region in Europe would be selected. In Europe we need good examples that show how national controversies can be resolved in a peaceful manner. The German-Danish border region is a good example. What could be better than showing within the framework of the European Capital of Culture 2017 the development from national antagonism in the past through a period of coexistence to the situation of harmony and understanding nowadays?”, explained FUEN-president Hans Heinrich Hansen, who has been the chairman of the German minority in Denmark for many years. He adds: “the minorities are the unique feature of the region. There is nothing like this anywhere else in Denmark or Germany.”

With 94 member organisations in 32 European countries FUEN is the umbrella organisation of the autochthonous minorities. About 100 million people are part of one of these autochthonous minorities or speak a regional or minority language. FUEN has its main seat in Flensburg.

Notwithstanding the euphoria and excitement it is worth mentioning how this all started. The idea was introduced years ago by a member from the German minority, who acquired his political skills in the youth umbrella organisation YEN-JEV: it was Stephan Kleinschmidt. And to be frank, most of us smirked when the idea was launched for the first time some years ago. It’s worth reading the first press release that explained the idea of SP-councillor Stephan Kleinschmidt to the general public for the first time. We should have all the more respect that a mere idea was transformed into reality with the help of a successful team. The fact that many people and organisations join in as supporters, shows only how successful the initiative is!

FUEN and its minorities will obviously use the platform of the Capital of Culture 2017. Hans Heinrich Hansen, FUEN-president explains: “Together with the minorities we will celebrate in Sønderborg in 2017. Already in 2014 we will start, at the 150th anniversary of the Battle of Dybbøl, when around 200 representatives of minorities from all over Europe will come to the German-Danish border region for the 65th jubilee of FUEN and the 30th jubilee of YEN. The FUEN Congress is the largest meeting of the autochthonous minorities of Europe.

For now however, we should keep our fingers crossed for Sønderborg / Sonderburg 2017.”

Europas Minderheiten drücken die Daumen: Sonderburg / Sønderborg - Kulturhauptstadt 2017



Sonderburg möchte 2017 Kulturhauptstadt werden. Sonderburg heißt dänisch Sønderborg und liegt im dänischen Sønderjylland / Nordschleswig. Die Stadt Sonderburg tritt aber nicht alleine an, sondern versteht sich als Kandidat der gesamten deutsch-dänischen Grenzregion. In der Grenzregion leben vier autochthone Minderheiten, die allesamt auch Mitglieder bei der FUEV sind. Die deutsche Minderheit in Dänemark, die dänische Minderheit in Deutschland, Friesen sowie Sinti und Roma.

Morgen, am 24. August 2012, fällt die Entscheidung, die auf mehreren Großleinwänden in der Region übertragen wird. Die Jury muss eine Entscheidung zwischen der deutsch-dänischen Grenzregion / Sonderburg 2017 und der zweitgrößten dänischen Stadt Aarhus treffen.

Die Bewerbung Sonderburgs unter dem Motto „CountrysideMetropolis“ bietet einen Einblick in die ambitionierte Zielsetzung.  Aarhus versucht unter der Hauptüberschrift „Rethink“ die Jury zu überzeugen.


„Ich drücke ganz fest die Daumen und hoffe, dass Sonderburg für 2017 den Zuschlag erhält. Die 94 Mitgliedsorganisationen der FUEV stehen hinter der Bewerbung aus dem deutsch-dänischen Grenzland. Es kommt der Leit-Idee einer europäischen Kulturhauptstadt sehr entgegen, wenn eine erfolgreiche Minderheitenregion in Europa gewählt wird. Wir brauchen in Europa gut Beispiele dafür, wie nationale Gegensätze friedlich gelöst werden können. Das deutsch-dänische Grenzland ist ein gutes Beispiel. Was könnte besseres geschehen, als diese Entwicklung im deutsch-dänischen Grenzland vom Gegeneinander, über dem Nebeneinander, zum Miteinander und dem heutigen Füreinander im Rahmen einer Kulturhauptstadt 2017 in Europa bekannt zu machen“, erläutert FUEV-Präsident Hans Heinrich Hansen, der viele Jahre auch Vorsitzender der deutschen Minderheit in Dänemark gewesen ist und hinzufügt: „Die Minderheiten sind das Alleinstellungsmerkmal der Region. Vergleichbares gibt es sonst nirgends in Dänemark oder Deutschland.“

Die FUEV ist mit 94 Mitgliedern in 32 europäischen Ländern der Dachverband der autochthonen Minderheiten. Rund 100 Millionen Menschen gehören einer solchen autochthonen Minderheit an oder sprechen eine Regional- oder Minderheitensprache. Die FUEV hat ihren Hauptsitz in Flensburg.

Es ist bei aller Euphorie und Spannung wert daran zu erinnern, wie alles begann. Die Idee wurde vor Jahren erdacht von einem Mitglied aus der deutschen Minderheit, der seine „politische Sozialisation“ im Dachverband der Jugend-Minderheitenorganisationen YEN-JEV erhalten hat – nämlich Stephan Kleinschmidt. Und seien wir doch ganz ehrlich, die meisten von uns haben bei der Idee gelächelt, als diese vor einigen Jahren erstmals lanciert wurde (es lohnt sich die erste Pressemitteilung nachzulesen, die die Idee vom Stadtratsmitglied der Schleswigschen Partei (SP), Stephan Kleinschmidt, erstmals in der Öffentlichkeit beschreibt.) Daher gilt es um so größeren Respekt vor der Leistung zu haben, die darin besteht, mit einem sehr erfolgreichen Team eine Idee in die Umsetzung gebracht zu haben. Dass sich nun sehr viele in die Phalanx der Unterstützer einreihen, bezeugt ja nur wie erfolgreich das Vorhaben ist!

Die FUEV und ihre Minderheiten-Mitglieder werden natürlich die Plattform einer Kulturhauptstadt 2017 nutzen. Hans Heinrich Hansen, FUEV-Präsident macht es deutlich: „Wir werden 2017 mit den Minderheiten Europas gemeinsam in Sonderburg, in der deutsch-dänischen Grenzregion, feiern. Wir fangen bereits 2014 zum 150-jährigen Jahrestag der Schlacht von Düppel an, wenn rund 200 Minderheitenvertreter aus ganz Europa zum 65-jährigen Jubiläum der FUEV und 30-jährigen Jubiläum der JEV ins deutsch-dänische Grenzland reisen. Der FUEV-Kongress ist das größte Treffen der Minderheiten Europas.

Doch nun gilt es aber erst einmal „Daumen Drücken für Sonderburg / Sønderborg 2017“. 

Erinnerungskultur der deutschen Minderheit – Gedenkstätte auf dem Knivsberg




Heute, am 18. August 2012, wurde in einer feierlichen Veranstaltung auf dem Knivsberg, dem kulturellen Sammelpunkt der deutschen Minderheit in Nordschleswig, der dortige Ehrenhain für die Gefallenen der deutschen Minderheit in die Gedenkstätte für die Opfer der beiden Weltkriege umbenannt. Ein einstimmiger Hauptvorstand des Bundes Deutscher Nordschleswiger, der Dachorganisation der deutschen Minderheit in Dänemark, war  dieser Umbenennung vorangegangen.

Die deutsche Minderheit in Nordschleswig beschäftigt sich in der letzten Zeit verstärkt mit der eigenen Geschichte. Die Thematisierung der Vergangenheit ist für die deutschen Nordschleswiger nicht unproblematisch. Während der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft in Europa waren die Institutionen der deutschen Minderheit in Dänemark „Gleichgeschaltet“. Wer die Publikationen aus den Jahren 1940-1945 liest – die sich in ihrer Brutalität am einprägsamsten in den Aufrufen zum freiwilligen Kriegsdienst „für das Vaterland“ manifestieren – erahnt unter welchem Druck die rund 2.000 jungen Nordschleswiger standen, die sich freiwillig für den Kriegsdienst meldeten. Rund ein Drittel der jungen Männer kehrte nie wieder zurück.

Die teilweise personelle Kontinuität in der Führung der deutschen Minderheit erlaubte auch nach 1945 keine ernsthafte Vergangenheitsbewältigung. Auch die Frage der Schuld der Funktionäre, die bis 1945 die jungen Männer auf ihre „vaterländischen Pflichten“ in aggressivsten Duktus verwiesen, wurde intern nicht diskutiert. Eine mit der in der Bundesrepublik vergleichbaren „Vergangenheitsbewältigung“ in den 60-70er Jahren hat es in der deutschen Minderheit auch später nie gegeben.

Es war nicht zuletzt das Buch des Historikers Henrik Skov Kristensen, „Straffelejren : Fårhus, landssvigerne og retsopgøret“ welches eine Diskussion in der deutschen Minderheit anregte. Henrik Skov Kristensen hinterfragt die von ihm postulierte „doppelte Opferrolle“ der deutschen Minderheit: Erst sei man von Hitler verraten worden und danach durch Dänemark, im Zuge der Internierung eines Großteiles der männlichen Bevölkerung, erneut (zu unrecht) bestraft worden. Henrik Skov Kristensen stellt die personelle Kontinuität der Führung der Minderheit und die nicht-Aufarbeitung der eigenen Geschichte in einem Abschnitt seines Buches in den Vordergrund.

Nicht zuletzt das Neujahrstreffen der Deutschen Minderheit in der Akademie Sankelmark im Januar 2012 belebte diese Diskussion. Der Autor stellte sich den Fragen der Anwesenden und drei Vertreter der Minderheit (Kurt Seifert, Claus Pørksen, Harro Hallmann) gaben in teilweise sehr persönlichen Beiträgen eindrucksvoll ihre Sichtweise und Erinnerungen in die Diskussion.

Man kann bzw. muss sich die Frage stellen, warum diese Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte erst so spät geschieht. Erst mit dem Hauptvorsitzenden Hans Heinrich Hansen, in einiger seiner Reden deutlich nachzulesen (1993 bis 2006), wurde dieses Tor zur eigenen Vergangenheitsbewältigung geöffnet. Trotz mehrerer Anstöße dauerte es lange, sozusagen bis heute, bevor sich in dem öffentlichen Diskurs eine Auseinandersetzung ergab. Hans Heinrich Hansen hatte bereits vor 10 Jahren in seiner Rede zum 40-jährigen Jubiläum des Ehrenhains 2002 auf dem Knivsberg eine Umbenennung in Gedenkstätte empfohlen.

Es ist dabei etwas unfair zu behaupten, dass niemand in der Minderheit die Fragen gestellt habe, die sich derzeit in aller Deutlichkeit auftun. In einer Gruppe um Kurt Seifert und Philip Iwersen wurde schon 1978 mit der Herausgabe einer Jahrespublikation „Nordschleswig – Berichte – Daten - Meinungen“ eine ernsthafte Initiativen gestartet, die aber von der eigenen, internen Öffentlichkeit und Presse weitgehend ignoriert wurden. Hier lohnt sich auch ein Nachlesen der Beiträge und man sollte ernsthaft über eine Veröffentlichung der damals gemachten Interviews mit Zeitzeugen (die heute nicht mehr am Leben sind) nachdenken!

Die nicht-Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit hat sicher dazu beigetragen, dass ein Leben in der Gemeinschaft der deutschen Minderheit viele junge Nordschleswigern eher abgeschreckt hat und diese sich abwandten, nach Deutschland zogen oder sich freiwillig „assimilieren“ ließen.

Diese Tatsache ist heute nicht mehr zu ändern – aber es sollte die Chance ergriffen werden und den neuen, offenen Umgang mit der eigenen Geschichte gilt es zu nutzen. Denn BDN-Hauptvorsitzender Hinrich Jürgensen hat recht, wenn er in seiner Rede bei der Umbenennung des Ehrenhains erklärt, die deutsche Minderheit sei 1920 eine andere gewesen als 1945, 1975 oder gar 2012.
Die zentrale Frage bleibt dabei doch, was will die deutsche Minderheit 2020 sein – 100 Jahre nach der Volksabstimmung und ihrer „Gründung“.

Quellen:






2013 neue Gesichter im Deutschen Bundestag



Die deutsche Minderheit in Nordschleswig, Dänemark, kann sich auf die Abgeordneten des Deutschen Bundestages mit Wahlkreis in Schleswig-Holstein als aktive Fürsprecher ihrer Anliegen verlassen – nicht zuletzt in Finanzfragen haben diese in den vergangenen Jahren "Schwerstarbeit" leisten müssen.

Bundestagsabgeordnete aus Schleswig Holstein

Dr. h.c. Jürgen Koppelin ist als Ehrenvorsitzender der FDP in Schleswig-Holstein und Obmann seiner Fraktion im wichtigen Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestag über viel Jahre hinweg ein zentraler Ansprechpartner der deutschen Nordschleswiger in Finanzfragen gewesen. Er hat zuletzt mit der Zusatzförderung für die Minderheiten über Mittel des Auswärtigen erfolgreich hinter den Kulissen gewirkt. Koppelin ist auch Mitglied seiner Partei im „Gremium für Fragen der Deutschen Minderheit in Nordschleswig („Nordschleswig-Gremium“), das als Kontaktausschuss für alle Fragen der deutschen Minderheit in Nordschleswig gegenüber Schleswig-Holstein und dem Bund wahrnimmt. Die nächste Sitzung des Gremiums findet morgen, am 13. August 2013, in Apenrade statt.


Wahlkreise in Schleswig-Holstein

Seit 1987  sitzt Wolfgang Börnsen für die CDU im Deutschen Bundestag. Der CDU-Abgeordnete hat den Wahlkreis Schleswig-Flensburg bei der letzten Wahl für sich entscheiden können. Über die Jahre hinweg hat es viele verschiedene Berührungspunkte mit dem Kultur- und Medienpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gegeben, der sich immer auch für die deutsche Minderheit stark gemacht hat. 


Jede Fraktion des Bundestages wählt einen Vertreter für das oben erwähnte „Gremium für Fragen der Deutschen Minderheit in Nordschleswig („Nordschleswig-Gremium“). Dieses sind für die CDU/CSU Ingbert Liebing, für die SPD Sönke Rix, für die FDP Jürgen Koppelin, für die Grünen Dr. Valerie Wilms und für die Linke Raju Sharma.

“Language dispute in Ukraine – and its exploitation by politicians”




“The new language act in Ukraine is based on European principles. We used the guidelines of OSCE as an example.” With these words Vadym Kolesnichenko, a member from the Ukrainian parliament, describes the language act of the government party that will have to provide protection for regional and minority languages.

When the act was adopted by the parliament, the Verkhovna Rada, at the end of the month, the reactions were strong: violent protests and hunger strikes. The protesters warned against “Russification” of Ukraine. The Russian-speaking minority accounts for about a third of the population.

At first sight it seems very positive for the 46 million people strong country with its multiethnic composition that the various minorities and regional languages will acquire more rights, given to them by the legislator. Especially in a country that is not foremost known for its human rights and minority rights record (see e.g. the discussion about the former prime-minister Yulia Tymoshenko).

Ukraine, a multiethnic state
       Ukrainian: 31,100,000 (1993)
       Russian: 11,300,000
       Polish: 1,140,000
       Eastern Yiddish: 634,000
       Rusyn: 560,000
       Belarusan: 440,000
       Crimean Tatar: 260,000
       Romanian: 250,000
       Bulgarian: 234,000
       Hungarian: 176,000
       Armenian: 99,900
       Urum: 95,000
       Tatar: 90,500
       North Azerbaijani: 45,200
       German: 38,000
       Jakati: 29,300
       Georgian: 24,000
       Czech: 21,000
       Erzya: 19,000
       Northern Uzbek: 10,600
       Kazakh: 7,560
       Greek: 7,210 (1970)
       Serbian: 5,000
       Tosk Albanian: 5,000
       Osetin: 4,550
       Bashkort: 3,670
       Latvian: 2,600
       Tajiki: 2,220
       Lezgi: 1,710
       Karaim: 1,010
       Abkhaz: 950
       Dargwa: 630
       Lak: 570

But what looks good at first sight, did not just cause violent protests in Kiev, but also made the High Commissioner on National Minorities of the OSCE, Knut Vollebaek, decide to visit Ukraine immediately. His words sound not very enthusiatic, rather cautionary instead:


But why is the exponent of “silent diplomacy” from The Hague warning about an act, which “actually” is based on principles (and which it also proclaims) that he himself advocates?

In Ukraine we see the perfect example of how quickly minorities and language communities can become a plaything of political powers and interests.

As many political and independent observers notice, the act should namely be considered as part of the upcoming election campaign in this politically divided country. The east is not only linguistically but also economically strongly oriented to Russia and is the power base of the current president, Viktor Yanukovich. In this region, people of course agree to the initiative to strengthen the Russian language. The president, who lost part of his popular appeal, not only wants to attend to his loyal voters in the east, but also to start a polarised election campaign, because he thinks that will give him the best chances at the elections in October.

The Ukrainian-speaking inhabitants of the country are especially worried about the potential linguistic and political dominance of the “Russians”. The conflict between east and west is an old controversy and the west is regarded as more leaning towards the European Union – although such categorical statements must be taken with caution.

The example of the language act in Kiev shows how fast minorities can become the playthings of politicians and that the whole discussion is no longer about their rights anymore. No one cares for the real problems and challenges of the regional and minority languages – everyone is focused on the Russian-Ukrainian antagonism. (also in the European news coverage).

In case those in power in Ukraine want to do something for their minorities and language diversity (as they happily say they want to do with their act and their reference to European standards) and not are instigating a polarised election instead, they should take the two latest monitoring reports of the Advisory Committee of the Framework Convention and the Expert Committee of the Language Charter from the Council of Europe to heart. Ukraine has a lot to work on:


Yesterday, 8 August 2008, Vadym Kolesnichenko announced that he thinks that the most important person in the state, president Viktor Yanukovich, will soon sign the act and make it come into force. What consequences this will have is contested amongst experts as well – but no one really thinks that the situation of the many minorities and languages will seriously improve.


Sources:

„Sprachenstreit“ in der Ukraine – Instrumentalisierungen durch die Politik



„Das neue Sprachengesetz in der Ukraine fußt auf europäischen Prinzipien. Wir haben uns die Vorgaben der OSZE als Vorbild genommen“, mit diesen Worten beschriebt der Abgeordnete aus dem Ukrainischen Parlament, Vadym Kolesnichenko, das Sprachengesetz der Regierungspartei, das den Schutz der Regional- und Minderheitensprachen vorsieht.

Als das Gesetz vom Parlament, Werchowna Rada, Ende des Monats akzeptiert wurde, waren die Reaktion heftig: Gewaltsame Proteste und Hungerstreiks. Die Demonstranten warnten vor eine „Russifizierung“  der Ukraine. Die russischsprachige Minderheit macht rund 1/3 der Bevölkerung aus.  

Es stimmt mit Blick auf das rund 46-Millionen-Einwohner Land mit seiner multiethnischen Zusammensetzung im ersten Moment sehr positiv, dass die verschiedenen Minderheiten und Regionalsprachen durch den Gesetzgeber verordnet, größere Rechte erhalten sollen. Vor allem in einem Land, dass nicht für Menschrechte und Minderheitenrechte bekannt ist (siehe u.a. Diskussion um die frühere Ministerpräsidentin Julia Timoschenko)

Ukraine ein multiethnisches Land
       Ukrainian: 31,100,000 (1993)
       Russian: 11,300,000
       Polish: 1,140,000
       Eastern Yiddish: 634,000
       Rusyn: 560,000
       Belarusan: 440,000
       Crimean Tatar: 260,000
       Romanian: 250,000
       Bulgarian: 234,000
       Hungarian: 176,000
       Armenian: 99,900
       Urum: 95,000
       Tatar: 90,500
       North Azerbaijani: 45,200
       German: 38,000
       Jakati: 29,300
       Georgian: 24,000
       Czech: 21,000
       Erzya: 19,000
       Northern Uzbek: 10,600
       Kazakh: 7,560
       Greek: 7,210 (1970)
       Serbian: 5,000
       Tosk Albanian: 5,000
       Osetin: 4,550
       Bashkort: 3,670
       Latvian: 2,600
       Tajiki: 2,220
       Lezgi: 1,710
       Karaim: 1,010
       Abkhaz: 950
       Dargwa: 630
       Lak: 570


Doch das Sprachengesetz, das auf den ersten Blick gut aussieht, hat nicht nur für gewaltsame Proteste in Kiew gesorgt, sondern auch den Hohen Kommissar für nationale Minderheiten von der OSZE, Knut Vollebæk, zu einem Blitzbesuch in der Ukraine veranlasst. Sein Fazit klingt wenig begeistert, eher warnend:

“In the present pre-election climate, tensions surrounding the language law could easily escalate,” said Vollebaek. “I therefore call on all parties to engage in a substantive dialogue on the issues raised by the law with a view to finding a suitable compromise.”

Doch warum warnt der Repräsentant, der „Stillen Diplomatie“ aus Den Haag vor einem Gesetz, das sich „eigentlich“ auf Prinzipien beruft (und diese auch proklamiert) die er selbst verficht?

Wir erleben in der Ukraine sozusagen ein Paradebeispiel dafür, wie schnell Minderheiten und Sprachgemeinschaften ein Spielball politischer Mächte und Interesse werden.

Das Gesetz ist nämlich – so analysieren es mehrere politische, unabhängige Beobachter – als Teil des bevorstehenden Wahlkampfes des politisch gespaltenen Landes zu sehen. Der Osten ist nicht nur sprachlich sondern auch wirtschaftlich stark an Russland orientiert und bildet die Hochburg des amtierenden Präsidenten Wiktor Janukowytsch. Hier ist man mit der Initiative zur Stärkung der russischen Sprache natürlich einverstanden. Der in der Wählergunst angeschlagene Präsident will mit dem Gesetzentwurf nicht nur seine Stammwähler im Osten bedienen, sondern einen polarisierten Wahlkampf einläuten, da er sich dadurch im Oktober die größten Wahlchancen errechnet.

Die ukrainisch-sprachigen Bewohner des Landes, treibt vor allem die potentielle, sprachliche und politischen Dominanz der „Russen“ um. Der Konflikt zwischen Ost und West ist in der Ukraine eine alte Auseinandersetzung und der Westen gilt dabei als eher der Europäischen Union zugewandt – wobei hier auch mit Pauschalaussagen vorsichtig umgegangen werden muss.

Das Beispiel des Sprachengesetzes in Kiew zeigt, wie schnell Minderheiten Spielbälle der Politik werden und es dann gar nicht im Kern mehr um ihre Rechte geht. Denn keiner kümmert sich um die wirklichen Probleme und Herausforderungen der vielen Regional- und Minderheitensprachen – es spitzt sich alles auf den russisch-ukrainischen Antagonismus zu. (auch in der europäischen Berichterstattung).

Falls die Machthaber in der Ukraine etwas für ihre Minderheiten und Sprachenvielfalt tun wollen (was sie genüsslich mit Verweis auf europäische Standards behaupten mit dem Gesetzesentwurf zu tun) und nicht vielmehr einen polarisierenden Wahlkampf einleiten, sollten sie sich die beiden letzten Prüfberichte des  Beratenden Ausschusses der Rahmenkonvention und des Expertenkomitees vom Europarat zu Herzen nehmen. Die Ukraine hat sehr viel zu tun:


Gestern, am 8. Juli 2012, hat Vadym Kolesnichenko mitgeteilt, dass er davon ausgehe, dass in Kürze die wichtigste Person des Staates, der Präsident Wiktor Janukowytsch, das Gesetz unterzeichnet und damit in Kraft treten lassen wird. Was das für Konsequenzen haben wird, ist derzeit auch unter Experten umstritten – dass sich die Lage der vielen Minderheiten und Sprachen dadurch signifikant verbessern sollte, damit rechnet eigentlich niemand.


Quelle:

Foto:
Wikipedia

Macedonia : Council of Europe concerned about “society polarised along ethnic lines”





The Council of Ministers of the Council of Europe (i.e. the foreign ministers of the 47 member states) are concerned about the situation of the minorities in the multiethnic country of Macedonia (because the name dispute with Greece that still has not been solved yet, Macedonia is not called by its proper constitutional name of Republic of Macedonia (Република Македонија) in international contexts, but as the Former Yugoslav Republic of Macedonia, in short: FYROM).


The Balkan state holds the status of accession candidate for membership of the European Union since 2005, but sofar no official negotiations have started. In this context we point to the latest progress report of the European Commission from 2011, which also deals with minority issues.

The Ohrid Framework Agreement

11 Years have passed by since Macedonia was making headlines around the world. This was because of the civil-war-like situation between the two largest ethnic groups in the country – the Macedonians and the Albanians. After pressure from the United States and the EU and after negotiations the Ohrid Framework Agreement was adopted, which forms the basis for the peaceful development of the country since then.

Current situation

Looking at the dramatic situation back then, which claimed many lives, the situation has considerably eased in recent years.

Nevertheless the country remains divided. According to the latest census from 2002, Macedonia consists of several ethnic groups:

  • 64 percent are ethnic Macedonians ( 1,297,981 persons), especially in the east. in the centre and in the south of the country. In the west and in the north they are regularly a minority.
  • 25 percent are Albanians (509,083 persons), especially in the western half of the country and also in the north.
  • 3.85% are Turks (77,959 persons). They live in the towns of west and central Macedonia and form the majority in two municipalities.
  • 2.66% Roma (53,879 persons) They live predominantly in the cities. In Šuto Orizari (a neighbourhood of Skopje) they are the majority.
  • 1.78% Serbs (35,939 persons),
  • 0.84 Bosniaks (17,018 persons),
  • 0.48 Aromanians/Vlachs (9,695 persons).


In 2011 another census should have taken place, but it was put on hold by the authorities until further notice.

The Council of Ministers of the Council of Europe states in its assessment that the country is still ethnically divided and even speaks of “parallel societies”.

“Society remains polarised along ethnic lines, with the principal national groups living without significant interaction with each other. Such a parallel co-existence is particularly evident in the education system, the media, the political parties and as regards living areas. There have been instances of interethnic tension caused by lack of dialogue, stereotyping and prejudice.”

An example for the difficult situation is the publication of the first national encyclopaedia. In this standard work of reference about the country the Albanian part of the population was mentioned as a “mountain people”. This led to furious protests – and the publication was cancelled.

How far apart the different parts of the population are, became clear when the government tried to make Macedonian obligatory for all – also for those people belonging to the minorities – in the first years of school. This objective failed because of fierce resistance on the part of the (Albanian) parents, who reject such education for their children.

Roma

A big, unsolved problem is the situation of the Roma in the country, who still face discrimination in all areas of society. The living conditions of the minority are sometimes a catastrophe. The report of the Council of Europe mentions the situation in the village of Brest as an example. There were violent clashes in the majority Roma Šuto Orizari neighbourhood of Skopje in April 2010.

The small minority groups

The two large ethnic groups – Albanians and Macedonians – dominate the discussions and often the smaller minority groups are “caught between two stools”. As part of the Framework Agreement Macedonia defined those minorities who are recognised by the state: Albanians, Turks, Vlachs/Aromanians, Serbs, Roma and Bosniaks. The Advisory Committee suggests promoting the Egyptians, who wants to be recognised as a separate national minority, to the status of such a minority. Thus far Skopje rejected this request on the basis that the Egyptians are a group of Roma.

EU and the Copenhagen Criteria

An important uniting element is the wish of the political elites of Macedonia – despite the crisis and regardless whether they are Albanian or ethnic Macedonian – to be admitted to the European Union. That is why much more even than the documents of the Council of Europe, the progress report of the European Commission plays a role in the government’s decision-making in Skopje. This is also a very effective lever (as can be seen in the cases of many former accession candidates) to strengthen the rights of the minorities in Macedonia. The European Commission ought to focus not only on the reforms of the financial system, justice or the fight against corruption, but do much more on the issue of the minorities and the integration of the Roma and define these issues as criteria for exclusion of membership. Unfortunately the European Commission does not refer consistently enough to these minority criteria, which are an integral part of the Copenhagen Criteria for membership of the EU, in its assessment of the situation in Macedonia (and other candidate countries).

Sources:

Mazedonien : Europarat besorgt über „ethnisch polarisierte Gesellschaft“




Das Ministerkomitee des Europarates (Außenminister der 47 Mitgliedsstaaten) zeigt sich besorgt über die Lage der Minderheiten in dem multiethnischen Land Mazedonien. (Da der Namenstreit mit Griechenland noch immer nicht geklärt ist, heißt Mazedonien in internationalen Zusammenhängen nicht wie in der Landesverfassung festgelegt Republik Mazedonien ((Република Македонија), sondern FormerYugoslav Republic of Macedonia, kurzum FYROM.


Der Balkanstaat hat seit 2005 den Status eines Beitrittskandidaten für eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union, ohne das bislang offizielle Verhandlungen aufgenommen worden sind. In diesem Zusammenhang liegt der letzte Fortschrittsbericht der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2011 vor, der sich auch mit Fragen der Minderheiten beschäftigt.

Abkommen von Ohrid

11 Jahre ist es her, dass Mazedonien weltweit für Schlagzeilen sorgte. Anlass waren die bürgerkriegsähnlichen Zustände zwischen den beiden großen Volksgruppen des Landes – den Mazedoniern und Albanern. Nach Druck der Vereinigten Staaten und der EU konnte nach Verhandlungen das Abkommen von Ohrid geschlossen werden, das die Grundlage für die seitdem friedliche Entwicklung des Landes gelegt hat.

Aktuelle Situation

Zieht man die damals dramatische Lage in Betracht, die  zu vielen Todesopfern führte, hat sich die Lage in den vergangenen Jahren merklich entspannt.

Dennoch bleibt das Land gespalten. Mazedonien besteht nach den letzten Zensus-Zahlen aus dem Jahr 2002 aus mehreren Volksgruppen:

  • 64 Prozent ethnische Mazedonier ( 1.297.981 Personen) vor allem im Osten, im Zentrum und im Süden des Landes. Im Westen und Norden bilden sie teilweise die Minderheit.
  • 25 Prozent Albaner (509.083 Personen) vor allem in der Westhälfte des Landes und auch im Norden.
  • 3,85% Türken (77.959 Personen). Leben in den Städten West- und Zentral-Mazedoniens und in zwei Gemeinden bilden sie die Mehrheit.
  • 2,66% Roma (53.879 Personen) Leben meist in Städten. Sie stellen in Šuto Orizari (Stadteil Skopjes) die Mehrheit.
  • 1,78% Serben (35.939 Personen),
  • 0,84 Bosniaken (17.018 Personen),
  • 0,48 Aromunen (9.695 Personen).


2011 hätte eine weitere Zensus-Befragung stattfinden sollen, diese wurde jedoch von den Behörden bis auf weiteres auf Eis gelegt.

Das Ministerkomitee des Europarates hält in seiner Bewertung fest, dass das Land immer noch ethnisch gespalten sei und man spricht gar von „Parallelgesellschaften“:

„Society remains polarised along ethnic lines, with the principal national groups living without significant interaction with each other. Such a parallel co-existence is particularly evident in the education system, the media, the political parties and as regards living areas. There have been instances of interethnic tension caused by lack of dialogue, stereotyping and prejudice.“

Ein Beispiel für die schwierige Lage ist der Herausgabe der ersten nationalen Enzyklopädie. In diesem Standardwerk des Landes wurde die albanische Bevölkerungsgruppe als „Bergvolk“ tituliert. Das führte zu wütenden Protesten – und die Ausgabe wurde zurückgezogen.

Wie weit die Bevölkerungsteile voneinander entfernt sind, wurde auch deutlich, als die Regierung versuchte, Mazedonisch obligatorisch für alle – auch für die Angehörigen der Minderheiten – in den ersten Schuljahren auf den Lehrplan zu setzen. Dieses Anliegen scheiterte an dem massiven Wiederstand der (albanischen) Eltern, die einen solchen Unterricht für ihre Kinder ablehnen.

Roma

Ein großes, ungelöstes Problem ist die Situation der Roma des Landes, die sich weiterhin in allen Bereichen der Gesellschaft teilweiser Diskriminierung ausgesetzt sehen. Die Lebensbedingung der Minderheit sind zum teil katastrophal. Als Beispiel nennt der Europaratsbericht, die Situation in dem Dorf Brest. Zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kam es im April 2010 in dem mehrheitlich von Roma bewohnten Stadtteil von Skopje, Suto Orizari.

Die kleinen Minderheitengruppen

Die beiden großen Volksgruppen – Albaner und Mazedonier - dominieren den Diskurs und häufig geraten die kleinen Minderheitengruppen „zwischen die Stühle“. Mazedonien hat im Zuge des Rahmenübereinkommens die Minderheiten definiert, die per Staatswegen anerkennt werden: Albaner, Türken, Wlachen (Aromunen), Serben, Roma und Bosniaken. Der Beratende Ausschuss regt an, die Ägypter, die als eigenständige nationale Minderheit anerkannt werden möchte, in den Status einer solchen Minderheit zu heben. Bislang lehnt Skopje dieses Ansinnen ab, mit der Begründung es handele sich um eine Roma-Gruppe.

EU und die Kopenhagener Kriterien

Ein wichtiges, verbindendes Element ist trotz der EU-Krise, der Wunsch der politischen Eliten Mazedoniens – egal ob Albaner oder ethnischer Mazedonier - in die Europäische Union aufgenommen zu werden. Daher spielt noch viel mehr als die Dokumente des Europarates, der Fortschrittsbericht der EU-Kommission eine Rolle bei der Entscheidungsfindung der Regierung in Skopje. Hier liegt auch ein sehr effektiver Hebel (wie im Fall vieler ehemaliger Beitrittskandidaten nachzuvollziehen ist), um die Rechte der Minderheiten in Mazedonien zu stärken. Die EU-Kommission müsste neben den Fragen der Reformen des Finanzwesens, der Justiz oder auch Korruptionsbekämpfung die Frage der Minderheiten und der Integration der Roma viel stärker in den Mittelpunkt stellen und als Ausschlusskriterium für eine Mitgliedschaft definieren. Leider greift die EU-Kommission bei ihrer Beurteilung der Lage in Mazedonien (und anderen EU-Beitrittskandidaten) nicht konsequent genug auf diese in den Kopenhagener Kriterien festgelegten Minderheitenkriterien zurück.

Quellen: