Nationalitäten in der Ukraine haben auf EU-Abkommen gesetzt und sind nun enttäuscht


Die Minderheiten und Nationalitäten in der Ukraine haben mit großer Hoffnung dem derzeit in Vilnius stattfindenden „Ost-Gipfel“ der Europäischen Union entgegengefiebert. In der litauischen Hauptstadt wollten die EU-Regierungschefs eine engere Partnerschaft mit den östlichen Nachbarstaaten schließen. Im Mittelpunkt die Ukraine, mit 45 Millionen Einwohner der größte Staat in der östlichen Peripherie der EU, der seit jeher zwischen Russland und einem engeren Schulterschluss mit der EU schwankt. 

Ein Vertrag zwischen der EU und der Ukraine über eine Partnerschaft war für eine Unterzeichnung vorbereitet; doch Putins Russland konnte mit Druck (und engen Kontakten zur ukrainischen Machthaberfamilie Janukowytsch) einen Vertrag kurz vor der Unterzeichnung verhindern. 

Für die Beziehungen der EU und Ukraine (sowie Russland) eine schwere Belastung und für die Ost-Strategie der EU eine herbe Schlappe. In der Ukraine formieren sich Proteste, während Julia Tymoschenko noch immer im Gefängnis sitzt. 

Unter den Demonstranten, die sich nun lautstark zu Wort melden, sind viele Angehörige der über 100 Minderheiten / Nationalitäten der Ukraine. Die Vielfalt ist überwältigend: Die kompakt siedelnde russische Minderheit mit rund 14% im Osten des Landes, die deportieren Völker, wie die Krim-Tataren aber auch Nationalitäten, wie die Russinen, die nicht als solche anerkannt werden. Die Ukraine sehen in den Russinen eine „Sub-Ethnie“, was diese wiederum vehement bestreiten. Summa summarum: Eine große Vielfalt, keine nachhaltige Politik und Strategie auf dem Gebiet führt zu Spannungen und Konflikten. 

Insgesamt hat die letzte Volkszählung von 2001 (immer mit Vorsicht zu genießen, da diese Referenden nicht wirklich die zahlenmäßige Zusammensetzung der Nationalitäten wiedergeben – Angst vor Bekenntnis, Manipulation etc.). Dennoch verbildlicht die Übersicht deutlich die Vielfalt dieses Staates:

Nach der offiziellen Volkszählung von 2001 leben in der Ukraine 17,3 % Russen, und über 100 weitere Nationalitäten. Neben den zehn größten Nationalitäten gibt es noch kleinere Minderheiten mit weniger als 100 000 Einwohnern, darunter hauptsächlich Griechen, Roma, Aserbaidschaner, Georgier und Deutsche.

Ukrainer: 37.541.700 (77,8 %) 
Russen: 8.334.100 (17,3 %) 
Weißrussen: 275.800 
Moldawier: 258.600 
Krimtataren: 248.200 
Bulgaren: 204.600 
Magyaren: 156.600 
Polen: 144.100 
Juden: 103.600 
Armenier: 99.900 

Quelle: Wikipedia
  
Die Nationalitäten der Ukraine erwarten von einer engeren Zusammenarbeit mit der Europäischen Union mehr Rechte und die Stärkung der kulturellen und sprachlichen Vielfalt des Landes. 

Ein (wenn auch auf viele Jahre in der Zukunft ausgelegtes) EU-Beitrittsverfahren hätte mit Blick auf die Kopenhagener Erklärungen die Ukraine dazu genötigt, für den Schutz und die Förderung ihrer Nationalitäten etwas zu tun. 

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