Zuschüsse für Nordfriisk Instituut und Kreistag hört Friesen: Richtige Schritte aber langer Weg


Neben den beiden nationalen Minderheiten im deutsch-dänischen Grenzland, der dänischen Minderheit in Südschleswig und der deutschen Minderheit in Nordschleswig, sind die Sinti und Roma sowie die Nordfriesen ebenfalls als autochthone (alteingesessene) Minderheiten in der Grenzregion zwischen Deutschland und Dänemark anerkannt. 

Während die deutsche und dänische Minderheit durch die bilateralen Beziehungen der beiden „Herbergsstaaten“ immer auf einen besonderen zwischenstaatlichen Bonus vertrauen können (siehe Verhandlungen zu den Bonn-Kopenhagener Erklärungen von 1955 oder den Streit über die Gleichberechtigung der dänischen Schulen in Südschleswig und die Gleichstellung der Zuschüsse für die deutschen Schulen in Nordschleswig) sind die Friesen als Minderheit ohne „Mutterland“ auf sich selbst verwiesen. 

Blog - "Modellregion Grenzland - Bei allen Feierlichkeiten dürfen wir die Vielfalt nicht vergessen

HINTERGRUND: Das Siedlungsgebiet der Nordfriesen liegt im Kreis Nordfriesland und auf der Insel Helgoland. Die friesische Sprache ist ein wichtiges Identifikationsmerkmal der Nordfriesen und als Minderheitensprache durch die Sprachencharta geschützt. Sie wird von etwa 10.000 Menschen in Nordfriesland aktiv gesprochen. Etwa 50.000 Menschen fühlen sich darüber hinaus als Nordfriesen.

Die Nordfriesen müssen – wie so viele andere kleine Minderheit und Regional- oder Minderheitensprachen in Europa - gegen die Assimilierung ankämpfen. Die Landesregierung in Schleswig-Holstein hat sich als Partner angeboten und will helfen. Im Koalitionsvertrag – der auch mit den Stimmen der Partei der dänischen Minderheit und der Friesen, SSW, verabschiedet wurde und deren Vertreterin Anke Spoorendonk als Ministerin für Justiz-, Kultur und Europa amtiert, ist unter anderem festgelegt, dass eine „Sprachpolitik“ für Schleswig-Holstein entwickelt werden soll. Diese soll unter anderem die Nordfriesischen Sprache und ihre verschiedenen Idiome gegen das Aussterben wappnen. 

In den vergangenen Tagen gab es zwei positive Meldungen, verschiedenster Art. Zum einen hat die Landesregierung mitgeteilt, dass das wichtige „Nordfriisk Instituut“ gestärkt wird. Die institutionelle Förderung des Landes wird von 230.000 Euro in 2013 in mehreren Schritten auf fast 440.000 Euro im Jahr 2017 angehoben. "Das Nordfriisk Instituut leistet einen wichtigen Beitrag, dass Schleswig-Holstein seine Verpflichtungen aus der Europäischen Sprachencharta und aus dem Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten erfüllen kann. Außerdem wollen wir, dass es enger mit den Universitäten in Kiel und Flensburg kooperiert und sein umfangreiches Archiv der Öffentlichkeit präsentiert. Um diesen Erwartungen gerecht werden zu können, benötigt es eine entsprechende finanzielle Ausstattung", sagte der Chef der Staatskanzlei in Kiel, Stefan Studt. 

Ein zweites Beispiel ist auf der politischen Bühne zu finden. Der Kreis Nordfriesland hat eine „Minderheitenanhörung“ für die Friesen, Dänen, Sinti eingeführt, im Rahmen des Kultur- und Bildungsausschusses. Vor allem die Nordfriesischen Vertreter können dort ihre Anliegen anbringen. Dass für die Bedeutung des Themas Minderheiten auch auf Kreisebene immer wieder gerungen werden muss, zeigt die Tatsache, dass es die Fraktion der Grünen nicht für nötig erachtet hat, an der Anhörung teilzunehmen. Dennoch ist die Minderheitenanhörung ein Schritt in die richtige Richtung und nachahmungswert für andere Kreise: unter Einbezug der Minderheiten aktiv deren Belange gestalten. 

Das sind zwei gute Beispiele, die in die richtige Richtung zeigen und vor allem auch unterstreichen, dass die Friesen selbst etwas tun wollen, um ihre Sprache und Kultur für die Zukunft zu sichern. Doch die Nordfriesen werden es nicht allein schaffen, sondern müssen dabei vom Land, den anderen Minderheiten, der Bundesregierung und aller anderen relevanten Akteure unterstützt werden. Es gibt neben der Sprachpolitik im gesamten Bildungsbereich, den Medien, der politischen Beteiligung und vielen anderen Einzelgebieten (der Ausverkauf des Siedlungsgebietes der Nordfriesen an den Tourismus) etc. akuten, dringenden Handlungsbedarf. 

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