Minderheiten wollen Weltkulturerbe werden - gleich drei Anträge liegen vor


Die Friesen wollen ihr traditionelles Biike-Brennen, das seit vorchristlichen Zeiten zum jährlich, weithin sichtbaren Symbol der friesischen Identität gewachsen ist, zum "immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe" machen.
Am Mittwoch  - so die dänische Zeitung Flensborg Avis - wurde der Antrag in Kiel eingereicht. Der Antrag wird von der Landesregierung an die UNESCO weiter gereicht. 

Ein paar Tage schneller am Abdrücker waren die Sorben, die mit einem Beschluss des Vorstandes der Domowina, dem Dachverband der Sorben, das Brauchtum der slawischen Minderheit ebenfalls auf die Liste der UNESCO zu setzen wünscht. Ostereiter, die kunstvollen Ostereier und die schönen Trachten sind weit über die Lausitz hinaus bekannte, sichtbare Charakteristika der lebendigen sorbischen Kultur.  

Es handelt sich bei beiden Anträgen, um Gesuche, als sog. "immatrielles Kulturerbe" anerkannt zu werden. Als immaterielles Kultuerbe werden kulturelle Ausdrucksformen bezeichnet, "die unmittelbar von menschlichem Wissen und Können getragen, von Generation zu Generation weitervermittelt und stetig neu geschaffen und verändert werden."

Das imaterielle Kultuerbe ist 2006 in Kraft getreten - viel länger schon verleiht die  UNESCO den Titel Welterbe (Weltkulturerbe und Weltnaturerbe an Stätten die  "aufgrund ihrer Einzigartigkeit, Authenzität und Intigrität weltbedeutend sind". Insgesamt sind 981 Denkmäler in 160 Länder auf der Liste. 

Seit 2006 liegt der Antrag vor  das Danewerk / Danevirke zum Weltkulturerbe zu erhöhen. Das Danewerk / Dannevirke ist eine Befestigungsanlage der Dänen gegen die Sachsen und slawischen Stämme gewesen und gilt als das größte archäologische Bodendenkmal Nordeuropas. In Dänemark ist es ein nationales Symbol mit beinah "mythischer" Bedeutung. Auch im Krieg 1864 spielte es als angeblich uneinnehmbare Festung gegen den Angriff der Preußen eine wichtige Rolle.

Sollte es Danevirke schaffen, in die vornehme Gesellschaft der UNESCO-Weltkultrerbe zu gelangen, dann wäre das eine sehr, sehr große Sache. Seit beinah zehn Jahren wird daran gearbeitet. Eine solche Entscheidung würde dem Tourismus und der Sichtbarkeit der gesamten Region einen Schub verleihen und die spannende Geschichte des Grenzgebietes zwischen dem "Norden" und "Mitteleuropa" weltweit in den Fokus setzen. 

Ob sich ein ähnlicher Effekt bei den "immateriellen Weltkulturerbe" einstellen wird, sollten die Anträge der Friesen und Sorben akzeptiert werden, mag man bezweifeln. Es ist jedoch nachvollziehbar, dass die Minderheiten "Brief und Siegel" darauf haben wollen, dass gerade ihre Kultur, ihre Bräuche im Sinne der UNESCO bemerkenswert sind. Eine gegenseitige Unterstützung der jeweiligen Anträge wäre sicher nicht schlecht, um einen "deutschlandweiten minderheiteninternen UNESCO-Wetbewerb" zu vermeiden. Es gilt nun Daumendrücken für alle drei Projekte. 

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