Anders Fogh auf Jobsuche - Helle Thorning ohne Chance


Der Artikel ist erstmals als Kolumne in "Bericht aus Kopenhagen" im "Der Nordschleswiger" erschienen.

Personalangelegenheiten sind in der Politik bekanntlich äußerst spannend, und die Gerüchteküche brodelt derzeit besonders heftig. Der Frage, ob Helle Thorning-Schmidt nach Brüssel wechselt, wurde in den vergangenen Wochen in der "dänischen Weltpresse" viel Spaltenplatz eingeräumt und ihr Vorgänger im Amt, Anders Fogh Rasmussen, ist nach seinen fünf Jahren als NATO-Generalsekretär auf Job-Suche. 

Doch trotz der scheinbar unstillbaren Sehnsucht der dänischen Presse einen Top-Posten, am besten für Helle Thorning-Schmidt herbei zu schreiben, ist ein solcher unwahrscheinlich bis unvorstellbar. Anders Fogh Rasmussen, der salomonisch erklärt hat, dass er sich mit seinen 60 Jahren noch nicht als (Polit)-Rentner sehe und ein politisches Comeback in Dänemark ausschließe, wird auf europäischer Ebene ebenfalls leer ausgehen. 

Dabei gebe es für Thorning und Fogh durchaus interessante Posten zu vergeben. 2014 wird nämlich das große Stühlerücken beginnen. Die Posten von EU-Präsident José Manuel Barroso, der Außenbeauftragten Catherine Ashton und des Präsidenten des Europäischen Rates Herman Van Rompuy sind allesamt neu zu besetzen. 

Keiner zieht die fachliche Kompetenz von Anders Fogh Rasmussen in Frage und auch Helle Thorning-Schmidt bringt sicher alle notwendigen Voraussetzungen mit, um einen solchen Posten auszufüllen. Doch bekanntlich kommt es nicht allein auf die fachliche Kompetenz an, schon gar nicht, wenn es darum geht, europäische Spitzenposten zu besetzen. 

Das ausklügeln (bzw. auskungeln) der Vergabe der europäischen Spitzenposten ist eine hoch-komplexe Angelegenheit, die viele Interessen mit einbeziehen muss. Vor allem weil alle Länder in Europa fein darauf achten, dass sie bei der Postenvergabe nicht übergangen werden. Summa summarum: Eine umfangreiche politische Kabale muss aufgehen. Dabei zählt neben den drei EU-Spitzenposten auch der NATO-Generalsekretärsposten in die "Verteilungsmasse" mit hinein, da dieser immer von einem Europäer zu besetzen ist.

Nach der Einigung auf den norwegischen Staatsminister Jens Stoltenberg zum designierten NATO-Generalsekretär sind alle dänischen Ambitionen für einen der europäischen Top-Posten vom Tisch. Denn mit Stoltenberg hat ein Vertreter eines Landes aus Skandinavien, das kein Euro-Mitglied ist, einen der begehrten Posten erhalten. Das bedeutet mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, dass kein Vertreter eines weiteren skandinavischen, nicht-Euro Staates einen der begehrten EU-Posten erhalten wird. Damit ist ein möglicher Jobwechsel von Helle Thorning-Schmidt auch theoretisch undenkbar, wobei ganz nebenbei vermerkt, bezweifelt werden darf, ob sie je konkret mit dem Gedanken gespielt haben wird, Dänemark und das Staatsministerium vorzeitig zu verlassen. 

Gegen Anders Fogh Rasmussen spricht neben dem "Skandinavien-Euro"-Nachtteil darüber hinaus seine Parteizugehörigkeit. Venstre gehört auf europäischer Ebene der liberalen "Familie" (ALDE) an. Im Gegensatz zur politischen Wirklichkeit in Dänemark, spielt die liberale Familie auf europäischer Ebene keine dominierende Rolle. Es wird vielmehr mit Spannung verfolgt, wie sich die beiden großen politischen Bewegungen - die Konservativen (EPP) und die Sozialdemokraten (PSE) - bei der Europawahl im Mai schlagen werden. Die verbleibenden Posten werden zwischen diesen beiden Parteien vergeben werden. Fogh wird nicht dabei sein. 

Wie dem auch sei, die dänische Presse wird sicher dennoch keine Ruhe geben und in den kommenden Monaten sich mit Genuss auf die politischen Ambitionen und Chancen ihrer beiden einzigen Politiker mit europäischen "Toppostenformat" - Fogh und Throning - stürzen und unterhaltsam ist die Gerüchteküche bekanntlich allemal. 

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