Krimtataren sprechen vor den Vereinten Nationen und fordern Autonomie


Die Lage auf der Krim bleibt nach der völkerrechtswidrigen Annexion durch die Russische Föderation weiterhin angespannt. Bis zu 5.000 Menschen haben die Krim bereits freiwillig verlassen, wie die Menschenrechtsorganisation Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in ihrer jüngsten Pressemitteilung berichtet. Die Angehörigen der Krimtataren, die mit  rund 14 Prozent die größte Minderheit ausmachen, sind verunsichert. Die Deportation durch Stalin 1944 und die schwierige Rückkehr, die erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion möglich wurde, prägt das kollektive Gedächtnis der muslimischen Minderheit. 

Der Abgeordnete der Krimtataren im Ukrainischen Parlament und ehemaliger Vorsitzender des Nationalrates, dem Mejlis, Mustafa Dzhemilev, hat in New York vor den Vereinten Nationen gesprochen (das Treffen wurde von Russland boykottiert). Vor seinem Auftritt wurde er von CNN interviewt

Mustafa Dzhemilev, den die größte Dachorganisation der autochthonen Minderheiten in Europa - FUEV - vor einigen Jahren für den Friedensnobelpreis vorschlug, weiss wovon er spricht. Er ist ein hoch respektiertes Mitglied der tatarischen Gesellschaft und hat als Dissident mehrere Jahre in Sowjetlagern verbracht.

Die Tataren erkennen die Annexion der Krim nicht an und bezweifeln auch den Ausgang des Referendums, das nach dem Einmarsch russischer Truppen auf der Krim abgehalten wurde. 

Der Nationalrat „Mejlis“, der die rund 300.000 Krimtataren vertritt, hat am 29. März 2014 in eine Sitzung von 212 Delegierten (eine Gegenstimme und vier Enthaltungen) die Etablierung einer „national-territorialen Autonomie“ der Krimtataren gefordert. 

Die Diskussion, ob die Krim „verloren“ sei oder ob Russland „in seinem guten Recht“ gehandelt habe, ist mit Blick auf die Situation der Krimtataren zweitrangig. Wichtig ist, dass die Weltöffentlichkeit den Fokus auf die konkrete Situation der Krimtataren behält. Dies gilt übrigens auch für die zahlreichen Nationalitäten und Minderheiten in der Ukraine. In geopolitischen Auseinandersetzung, wie wir sie derzeit im Osten Europas erleben, sind die Minderheiten / Nationalitäten die ersten die verlieren.   

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