Rehabilitierung der Russlanddeutsche auf der Krim kann nur der erste Schritt sein


Bundesarchiv Bild 146-1977-086-29A, Rußlanddeutsche Flüchtlinge


Für viel Aufregung hat das Dekret des russischen Präsidenten Vladimir Putin gesorgt, der am Anfang der Woche die „Rehabilitierung der Krimtataren, Russlanddeutsche, Bulgaren, Armenier und Griechen verkündete, die „rechtswidrig“ von der Schwarzmeerhalbinsel vertrieben worden waren. Die Russlanddeutschen (zum Schicksal der Krimtataren und der aktuellen Lage folgt ein eigener Artikel) sind bis heute noch nicht für die erlittenen Grausamkeiten unter dem Regime von Stalin, der Millionen Menschen ermorden ließ, rehabilitiert. 

„Der Erlass gilt nur für die Krim. (Auf der Krim leben heute rund 2.500 Deutschstämmige, Anmerkung) Wir haben in den vergangenen Wochen mit den Behörden kooperiert, Dokumente geliefert und viele Gespräche geführt. Eine Rehabilitierung ist uns sehr wichtig. Die Krim ist derzeit ein sehr heikles politisches Thema und das Dekret muss natürlich auch in diesem Zusammenhang betrachtet werden. Das ändert aber nichts daran, dass wir - wie schon so viele Jahre - die russische Regierung auffordern, die längst überfällig Rehabilitierung aller Russlanddeutschen zu erklären. Die Rehabilitierung auf der Krim war ein wichtiger, aber nur erster Schritt“, erklärt Olga Martens, FUEV-Vizepräsidentin und Vertreterin des Dachverbandes der Russlanddeutschen, IVDK.

Olga Martens

Es ist zwar vor allem ein symbolischer Akt, wenn sich Russland mit einer „Rehabilitierung“ der Russlanddeutschen für die Leidensgeschichte dieser deutschen Minderheit entschuldigen würde. Der Anlass für die Rehabilitierung liegt nämlich bereits ein Menschenleben zurück: Am 28. August 1941, mit dem Erlass von Stalin zur Deportation der Wolgadeutschen und der Auflösung der autonomen Wolgarepublik. Den deutschstämmigen Bürgern warf man vor, mit der vorrückenden Wehrmacht kollaborieren zu wollen. Am 22. Juni 1941 hatte Hitler-Deutschland die Sowjetunion überfallen. 

Die Leidensgeschichte der Russlanddeutschen ist - was ein Skandal gleichkommt - vielen Deutschen unbekannt. Innerhalb weniger Wochen wurden über eine Million Russlanddeutsche - aus dem gesamten Reich - überwiegend nach Sibirien vertrieben. Geschätzte 300.000 Menschen verloren während der Deportation und wegen der katastrophalen Bedingungen an ihren neuen Wohnorten ihr Leben. 


Neben der Unkenntnis über dieses dramatische Schicksal der Russlanddeutschen setzt sich die Tragödie noch fort. Seit der Möglichkeit der Ausreise nach Deutschland haben im Zeitraum von 1990 bis 2011 zweieinhalb Millionen Menschen Deutschland erreicht, um in der alten Heimat ein neues Leben zu beginnen. Diese sog. Spätaussiedler freuten sich endlich wieder „nach Hause“ zu kommen, nur um dort festzustellen, dass sie als „Russen“ mit nur schlechten Deutschkenntnissen „Willkommen“ geheißen wurden. Bis heute ist die Behandlung der Spätaussiedler in Deutschland - sowohl mit Blick auf die Behörden als auch der Gesellschaft - ein trauriges Kapitel der deutschen Geschichte.

„Wir werden weiter daran arbeiten, unsere Rehabilitierung zu erlangen. Wir wollen zwar nicht allein in der Geschichte festhängen, sondern die Russlanddeutschen weiter entwickeln, aber ohne Rehabilitierung für das erlittene Leid, bleibt dies ein leeres Gefühl“, so Olga Martens. 


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