Die Wiedervereinigung Nordschleswigs mit Deutschland


Der Artikel ist als Kolumne - Bericht aus Kopenhagen - im "Der Nordschleswiger" erschienen. 

Der dänische Erfolgsautor Erling Jepsen hatte im April – als die Gedenkfeierlichkeiten zur Entscheidungsschlacht des Deutsch-Dänischen Krieges von 1864 in Düppel kurz bevor standen – für einen kleinen, jedoch schnell verpufften „Medienskandal“ gesorgt. Der Autor der europaweit beachteten Romane „Frygtelig Lykkelig und Kunsten at græde i kor” hatte in der Tageszeitung Jyllands-Posten eine neue Volksabstimmung verlangt. Die Bürger in Nordschleswig (Sønderjylland, wie der Landesteil seit der Abstimmung 1920 offiziell in Dänemark heißt) hätten das Recht, über den Verbleib Nordschleswigs neu abzustimmen. Die Haltung des Autors: Es würde Nordschleswig als Teil Deutschlands besser gehen, ja es sei „eine Tragödie gewesen, als Sønderjylland 1920 erneut dänisch wurde“, so Jepsen im April.

Der Vorschlag wurde damals nur am Rande diskutiert und eher mit dänischem Humor aufgenommen (günstige Autos und Bier dann bitte aber für ganz Dänemark und nicht nur für Nordschleswig). Nun hat Jepsen am Wochenende jedoch in einer ausführlichen Chronik in der linksliberalen Tageszeitung Politiken nachgelegt. Eines ist in dieser Chronik, des in Gramm geborenen Autors, deutlich zu spüren: Eine grenzenlose Verärgerung, ja Verachtung, darüber, dass Dänemark den Landesteil, seine Heimat, de facto aufgegeben hat. Er beklagt – beschrieben anhand des Verfalls seines Heimatortes Gramm - das Verschwinden all dessen, was seine Jugend und ein rühriges Landleben ausgemacht hat. Diese etwas national-romantisch anmutende Sichtweise nimmt der 58-Jährige als Ausgangspunkt für eine generelle Kritik. Dänemark habe Nordschleswig aufgegeben und somit auch das nationale Recht auf den Landesteil verwirkt. Alles in Dänemark zentriere sich in Kopenhagen und man akzeptiert stillschweigend und ohne weitere Bedenken den Ausverkauf und das Aussterben des südlichen Landesteils.

Die Zeiten der Grenzziehungen in unserer Region –  wie der Chefredakteur des Nordschleswigers bereits im April geschrieben hat – sind vorbei. Recht hat er. Und es tut mir leid, die rosarote Sichtweise auf ein Gedeihen des dänischen Sønderjylland im deutschen Schleswig-Holstein / Deutschland trüben zu müssen. Denn bei allem Respekt vor Schleswig-Holstein, die Kassen sind leer, ja sehr, sehr leer und für den Kulturmenschen Jepsen wird in Kiel / Berlin nicht mehr zu erwarten sein, als in Kopenhagen. Leider.

Doch ganz abgesehen von der realitätsferne des Vorschlages, hat der Autor in seiner Chronik gleich mehrere sehr entscheidende Punkt thematisiert, ja sozusagen den Finger in die Wunde gelegt. Wie schaffen wir eine Belebung des deutsch-dänischen Grenzlandes, um den Status der Provinz nicht immer mehr ins provinzielle abgleiten zu lassen? Denn seine Analyse ist mit Blick auf das drohende Aussterben des wenig bevölkerten und wirtschaftlich schwächeren deutsch-dänischen Grenzlandes treffend.

Es ist ein weltweites Phänomen, dass die Metropol-Regionen immer stärker werden (es gibt Theorien, die besagen, dass die Machtzentren des 21. Jahrhunderts neben den globalisierten Unternehmen die “Megacities” sein werden und die Peripherien immer weiter verkümmern sowie die Nationalstaaten an Macht verlieren. Vielerorts in Europa brodelt es vor Unzufriedenheit in den Regionen. Viele wirtschaftlich schwache Regionen sehen sich von „ihren“ Staaten allein gelassen und begehren auf. Die wirtschaftlich (gefühlt) starken Regionen wiederum suchen wie Katalonien und Schottland nach Unabhängigkeit.

Nein, ein deutsches Nordschleswig oder gar ein in den alten Grenzen des Herzogtums vereinigter “Freistaat Schleswig” sind nicht die Lösung, denn die muss erst erarbeitet werden.  Doch Erling Jepsen hat das Problem des drohenden Aussterbens / Ausverkaufs  unserer gemeinsamen deutsch-dänischen Region in den Fokus gerückt, dafür sollte man ihm danken.


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