Die Welt spielt verrückt und wie geht man damit um?




Dieser Artikel ist erstmals im "Der Nordschleswiger" in der Kolumne "Bericht aus Kopenhagen" erschienen. 

Dänemark kann nicht die ganze Welt retten! Das wollten Søren Pind und Co. sicher mit ihrem Strategiepapier zur Ausländerpolitik aussagen, das mit einer Geschichte einleitet, die die Dramatik der Frage veranschaulichen soll: "Ob Dänemark nicht 10 Millionen Bürger aus Bangladesch aufnehmen könnte?", wird die Ministerpräsidentin des 150 Millionen-Staates in dem Pind-Papier zitiert. Der damalige dänische Botschafter in Bangladesch, der als Quelle für diese Aussage der muslimischen Politikerin herhalten muss, hat zwar bereits bestritten, dass diese Frage so je gestellt wurde, doch die Grundaussage bleib: Dänemark kann mit 5,6 Millionen Einwohnern natürlich nicht die gesamte Not der Welt lindern. Aber Dänemark kann auch nicht zuschauen, wie die Welt im Chaos versinkt.

Dänemark geht es sehr gut. Es boomt vor allem wegen des Binnenmarktes in der EU; nur Deutschland hat in den vergangenen 20 Jahren wirtschaftlich mehr von der europäischen Einigung profitiert. Doch während es Dänemark gut geht, spielt die Welt verrückt. In der Ukraine wird ein Passagierflugzeug abgeschossen. In Syrien sind mehr als 160.000 Menschen getötet. Im Gaza-Streifen eskaliert die Gewalt. Der Irak bricht auseinander. Die Taliban in Afghanistan warten auf ihre Stunde. Sudan, Libyen, .... Nachricht, über Nachricht, die einen schaudern lassen. 

Doch wir müssen gar nicht so weit in die Ferne schweifen: Lampedusa ist die kleine Insel im Mittelmeer, die zum tragischen Menetekel Europas geworden ist. Täglich (!) sterben Menschen, weil sie aus Not und Armut versuchen zu fliehen und nach Europa wollen. Tausende Menschen sind in den vergangenen Monaten bei dem Versuch jämmerlich in den Fluten ertrunken. 

Millionen von europäischen Binnenflüchtlingen sind unterwegs, die aus Armutsgründen ihre Heimat verlassen - vor allem Roma aus Südosteuropa sind in den Großstädte immer sichtbarer. 

Doch was tun, bei dem Elend, das natürlich nicht allein in Kopenhagen gelöst werden kann. In Dänemark herrscht seit Jahrzehnten in der sog. Ausländerdebatte ein sehr schriller Ton, der für Betrachter aus dem Ausland manchmal sehr schwer nachzuvollziehen ist. Damit nicht gesagt, dass Dänemark nicht solidarisch in der Not sein will. Man spendet und zeigt Mitleid und gehört zu den vorbildlichen Ländern (wenngleich rückläufig) bei der Entwicklungshilfe. 

Der Schleswigschen Partei ist es hoch anzurechnen, dass sie in der Debatte über ein Flüchtlingslager in der Sonderburger Kaserne - die zum Teil im Internet sehr unschön, ja gar rassistisch geführt wird - nicht in den Populismus verfällt, den viele Politiker als den Standardton ihrer Wähler vermuten. Die SP macht deutlich, dass man den syrischen Flüchtlingen natürlich helfen muss. Dänemark hat eine Verpflichtung, ergo haben auch die Kommunen eine Verpflichtung und somit auch Sonderburg. Bravo! Es ist auch völlig in Ordnung, dass man darauf verweist, dass man mit der Kaserne stadtplanerisch in Zukunft vieles vor hat - das müssen auch die Verantwortlichen in Kopenhagen wissen. Doch entscheidend ist, dass man sich nicht in Populismus ergeht und bereit ist zu helfen. 

Weder Sonderburg noch Dänemark kann alleine die Welt retten. Aber durch Empathie und Wortwahl kann ein jeder einen persönlichen Beitrag leisten - tagtäglich. Und auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Dänemark wird sich auch in diesem Punkt europäisch ausrichten müssen. Das Thema Armutsflüchtlinge, Asylsuchende, Bürgerkriegsflüchtlinge, Immigration (dazu gehört auch die Einwanderung, die wir wegen des bevorstehenden Fachkräftemangels / Demographie bereits jetzt brauchen) wird nur im europäischen Verbund zu lösen sein. 

Daher tut Dänemark gut daran, sich stärker in Europa einzubringen - denn nur wer stark vernetzt ist und sich durchzusetzen weiss, wird im 21. Jahrhundert die wichtigen Fragen für das eigene Land erfolgreich gestalten können.  

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