"It´s economy stupid" - Wirtschaft und Wahlkampf




Der Artikel ist erstmals in "Der Nordschleswiger" in der Kolumne "Bericht aus Kopenhagen" erschienen. 

Bill Clinton hat mal auf die Frage eines Journalisten geantwortet, was eine Wahl in den USA entscheiden würde: "It´s the economy, stupid" (Es ist die Wirtschaft, Dummerchen). In Dänemark ist die wirtschaftliche Entwicklung zwar nicht ganz so wahlentscheidend dominierend, wie in den USA. Doch auch Helle Thorning Schmidt und Lars Løkke Rasmussen wissen genau, dass sie vom Wähler daran gemessen werden, welche Zukunftsperspektiven sie für die heimische Wirtschaftsentwicklung aufzeichnen können und werden ihren Wahlkampf dementsprechend ausrichten. 

Dabei ist die wirtschaftliche Verflechtung Dänemarks mit der Welt natürlich eine entscheidende Komponente. Eine Meldungen aus dem Wirtschaftsteil hat es kürzlich auf die Titelseiten gebracht und belegt eindrucksvoll, wie eng - einige würden sicher eher meinen abhängig - Dänemark in dem System der Weltwirtschaft (Stichwort Globalisierung) durch die  Handelsbeziehungen mit dem Ausland verwoben ist: 

Der russische Präsident Putin hat auf die Sanktionen der Europäischen Union reagiert und vor einigen Tagen einen umfangreichen Importstopp von europäischen Lebensmittel verhängt. Anlass dieses Handelskrieges ist bekanntlich die Ukraine-Krise / Krieg. "Der Kreml schlägt zurück" und der Export Dänemarks - der rund 11,8 Milliarden Kronen ausmacht - sei in Gefahr. Einige Experten (das ist aber immer mit Vorsicht zu genießen) sprechen von drohenden 30% Verlust. Doch bei der medialen Dramatik tut man gut daran, etwas gedämpft aufzutreten, denn der Export nach Russland macht nur rund zwei Prozent des dänischen Export-Gesamtanteils aus.  

Dennoch, die zahlreichen Krisenherde auf der Welt, bereiten den Analysten durchaus Sorge. Einige Wirtschaftsexperten (erneut mit Vorsicht zu genießen) schätzen diese zunehmende Instabilität als eine akute Bedrohungen für die wirtschaftliche Erholung an, die nach der seit 2007 grassierenden Finanzkrise ins Stocken zu geraten droht. Einige Pessimisten der Zunft unken gar, dass eine neue Rezession drohe.

All dies hat bzw. hätte natürlich auch Auswirkungen auf Dänemark. Denn es sagt sich selbst, dass sich Dänemark einer globalen oder "nur" europäischen Rezension nicht verschließen könnte, man ist dann ebenfalls betroffen. Dies ist der Preis für die wirtschaftliche Verflechtung und die Globalisierung, die neben ihren Gefahren in der Krise auch maßgeblich für den Wohlstand ist, in dem wir derzeit leben. 

Damit sei nicht gesagt, dass sich keine positiven innländischen politischen Akzente setzen lassen und dass die politische Auseinandersetzung in Dänemark völlig egal wäre. Ganz im Gegenteil. Dänemark hat weiterhin gute Chancen sich als sehr erfolgreiche Ökonomie zu positionieren, weil man in den vergangenen Jahrzehnten hart um den richtigen Kurs gerungen und sich dabei gut aufgestellt hat.

Die Politik - egal welcher Couleur - kann durchaus stolz auf die dänische Entwicklung  der letzten Jahrzehnte blicken. Nur wenige Länder in Europa bzw. der Welt stehen wirtschaftlich so gesund da und sind auf den Zukunftsmärkten, wie zum Beispiel der alternativen Energiegewinnung, der Gesundheitswirtschaft und auch der Landwirtschaft (ja, auch die Landwirtschaft bleibt ein Zukunftsmarkt) gut aufgestellt. Das verdankt man unter anderem einer gelungenen Politikgestaltung über die vergangenen Jahrzehnte und einem klugen Ausgleich zwischen einer sozial stabilen sog. "Wohlfahrtsgesellschaft" und einem marktwirtschaftlich effizient ausgerichteten System. Daher ist es auch wichtig, den politischen Parteien, die nun in den Wahlkampf ziehen, mit Blick auf ihre Wirtschaftsprogramme und ihre Zukunftsperspektiven für Dänemark genau zu befragen. 

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