Sophie Gråbøl erobert Schottland


Der Artikel ist erstmals in "Der Nordschleswiger" in der Kolumne "Bericht aus Kopenhagen" erschienen

„Ich bin die Königin der Schotten. Ich habe das nicht immer gemocht, aber ich habe es immer geliebt. Die Wärme einer Gemeinschaft ist viel mehr wert, als Gold es je sein könnte. Ihr seid grimmige, mörderische Männer. Aber das Beste in euch kann dieses Parlament und dieses Land aufrechterhalten. Gemeinsam können wir Schottland regieren“. (Zitiert nach „Süddeutsche Zeitung“, 16. August 2014). Mit diesen Sätzen erwärmt derzeit die dänische Schauspielerin Sophie Gråbøl („Kommissarin Lund“) die Herzen all derjenigen Schotten, die in Scharen in das Theater Edinburghs pilgern, um dort den achtstündigen (sic!) Theatermarathon der Dramaturgin Rona Munro gebannt zu folgen, der die Geschichte dieser stolzen Nation nacherzählt. Die Emotionen kochen derzeit bei den Schotten hoch, die in knapp einem Monat - am 18. September - in einem Referendum über Loslösung von Großbritannien und staatlichen Unabhängigkeit abstimmt. Das Ergebnis des Referendums gilt derzeit als völlig offen.

Zugegeben, das mag auf dem ersten Blick nicht wirklich viel mit der heimischen Politik in Kopenhagen zu tun haben. Aber doch: Schottland und die regierende Schottische Nationale Partei (SNP) mit ihrem charismatischen Vorsitzenden Alex Salmond an der Spitze, hat einen umfassenden Plan veröffentlicht, in dem detailliert aufgelistet wird, wie man als relativ kleiner unabhängiger Staat zu überleben gedenke. In diesem Plan spielt Dänemark bzw. der Norden / Skandinavien eine wichtige, ja entscheidende Rolle. 

Salmond und seine Unterstützer nutzen Skandinavien und gerne auch Dänemark ausdrücklich als Beispiel, wie man sich eine Unabhängigkeit vorstellt; man sei im „Herzen und Verstand dem Norden zugehörig“, wie es Salmond ausgedrückt hat. Man werde nach einer Unabhängigkeit dem Zusammenschluss der skandinavischen Länder und Finland „Norden“ einen Beitrittsgesuch stellen, ist aus Edinburgh zu erfahren. 

Des weiteren setzt man große Hoffnungen in die Europäische Union. Die Unabhängigkeitsbewegung in Schottland ist nämlich äußert pro-europäisch eingestellt. UKIP und die anti-EU-Protestwelle in Großbritannien hat in Schottland wenig Zulauf. Die SNP ist der Auffassung, dass eine Mitgliedschaft in der EU keineswegs die eigene Souveränität untergrabe, sondern diese vielmehr stärke. Brüssel hält sich jedoch sehr bedeckt und hat sich eher kritisch-ablehnend geäußert.

In Dänemark und im restlichen Europa spielt die Unabhängigkeitsentwicklung auf der Insel im politischen Bewusstsein derzeit (noch) ein Nischendasein. Das mag zurecht verwundern. Denn sollte sich - wie gesagt ist das Ergebnis derzeit völlig offen - Schottland unabhängig erklären, dann würde das ein wahrlich historisches Ereignis darstellen, mit politischen Konsequenzen für Dänemark und ganz Europa. Denn es gibt viele Gebiete in Europa (Katalonien, Flandern, Südtirol, Szeklerland etc.) die diesem Weg lieber heute als morgen folgen würden.

Das politische Kopenhagen hat sich (zurecht) im Streit - personifiziert durch David Cameron und Alex Salmond -  bislang bedeckt gehalten. Man mischt sich nicht direkt in diese historisch und emotional hoch geladene Auseinandersetzung ein. Doch man sollte sich in Kopenhagen bereits wappnen, dass bei einem erfolgreichen Unabhängigkeitsreferendum starke Erwartungen aus Schottland Richtung Kopenhagen und Skandinavien im Allgemeinen laut werden: Denn Dänemark ist nicht erst seit Sophie Gråbøl bei den Schotten ein Paradebeispiel dafür, wie man sich eine erfolgreiche Unabhängigkeit vorstellten. 

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