Søren Krarup - Der Pastor aus Seem


Foto: Dansk Folkeparti

Dieser Artikel ist erstmals in "Der Nordschleswiger" in der Kolumne "Bericht aus Kopenhagen" erschienen. 

Er teilt die politischen Wasser. Søren Kraurp gilt einigen als die Personifizierung all dessen, was in Dänemark falsch läuft: Intoleranz, Borniertheit, Nationalismus sind einige Synonyme, die ihm häufig angeheftet werden. Wieder andere bewundern ihn für seinen intellektuellen (ein Wort was ihm nicht gefallen würde) Mut und für die Courage das auszusprechen, was viele denken und nur wenige Mutige sich getrauen zu artikulieren. Ich möchte hier kein Urteil über die Haltungen von Søren Krarup fällen, ein jeder sollte sich selbst seine Meinung bilden und das tut er am besten, indem er sich die erste Biographie über den Theologen, Politiker und Autor kauft, die von Mikael Jalving verfasst wurde.

Doch einige direkte Anmerkung zu Søren Krarup - an der ideologisch-politischen Wertung vorbei - sind dennoch angebracht. Er hat nämlich für die deutsche Minderheit einiges getan. Vor allem in der Regierungszeit von Anders Fogh Rasmussen, als Dansk Folkeparti das Nonplusultra der dänischen Innenpolitik war; es gab bekanntlich keine wirklich wichtige Entscheidung, die an Pia Kjaersgaard, Søren Krarup und Co vorbeiführte, waren sie doch die parlamentarische Basis der Minderheitsregierung. Dansk Folkeparti und namentlich Krarup wussten diese Macht durchaus geschickt einzusetzen. Ein Beispiel hierfür sind die Beförderungszuschüsse für unsere Schulen, die gestrichen wurden und durch das Engagement von Søren Krarup dann letztendlich sehr vorteilhaft für uns kompensiert wurden. Darüber hinaus ist das höfliche, angenehme Auftreten im persönlichen Gespräch ein Gedanke, der mir sofort in den Kopf kommt, wenn ich an Søren Krarup denke; ein Gentlemen alter Schule. 

Die nun erschienene Biografie machen den Zwiespalt, den viele Beobachter bei der Person Søren Krarup empfinden, deutlich. Noch aufschlussreicher sind die Rezensionen der Biographie in den beiden linken bzw. linksliberalen Tageszeitungen Information und Politiken. Der Rezensent in Politiken - die sich immer sehr kritisch mit Krarup auseinandergesetzt hat - lässt durchaus Bewunderung für Krarup aufblitzen. Er sei der beste Vertreter seiner politischen Weltrichtung mit einem geschlossen und durch Wissen fundamentierten (einseitigen - so die Einschränkung) Weltbild. Viele Debateure seines Kalibers gebe es heute weder im rechten noch im linken politischen Spektrum, so Politiken.

Krarup ist Jahrzehnte lang von der linksliberalen Intelligenzija (die er verachtet) als hoffnungsloser Reaktionär verlacht worden. Doch der politische Mainstream hat sich in Dänemark radikal gewandelt. Es sind nicht mehr die Ausläufer der Kulturraidkalen (Brandes und Co. lassen grüßen), die kombiniert mit intellektuellem Rüstzeug des Marxismus / Studentenbewegung, die den Diskurs bestimmen. Die Zeiten sind vorbei - Krarup und seine nationalen (einige würden behaupten nationalistischen) Standpunkte sind sozusagen beinah zum Mainstream geworden. Das ist laut Krarup nicht nur ein Zeichen dafür, dass die Gesellschaft in Dänemark zur Vernunft kommt, sondern es ist ihm auch eine persönliche, innere Genugtuung. 

Aber die späte Rehabilitierung im öffentlichen Diskurs hat den Mann des Wortes nicht milder gestimmt. Erst kürzlich setzte er zu einem Verteidigungsschlag für die Politik Putins an und griff den NATO-Generalsekretär, seinen ehemaligen politischen Freund Anders Fogh Rasmussen, von dem er politisch und menschlich stark enttäuscht ist, frontal und mit allen Geschützen an. 

Søren Krarup sieht sich in direkter Folge seines berühmten Vaters Vilhelm, der eine bedeutende Figur im dänischen Widerstand war. Er hat seinen Wechsel in die Politik als seinen „Wehrdienst für das Vaterland“ bezeichnet; gegen eine unmoralische Moral und eine Überfremdung seiner geliebten Heimat. 

Als Theologe steht er für einen besonders rigorosen Gotteszugang, der fundamental (einige würden behaupten, fundamentalistisch) dem Menschen das Recht abspricht, sich im Verhältnis zu Gott, über diesen zu stellen - eine Tendenz, die unsere moderne westliche Gesellschaft jedoch  zunehmend dominiert. Daher lehnt er die Konzepte von universell geltenden Menschenrechten, wie die UNO-Menschenrechtsdeklaration ab. Er spricht von einer scheinheiligen „Gutmenschentumsindustrie“ des linken Establishment, dem es gar nicht um Mitmenschlichkeit gehe, sondern vielmehr um die Beruhigung des eigenen schlechten Gewissens. 

Das ist eine verknappte Darstellung seines gefestigten (andere würden sagen festgefahrenen Welt- und Gedankenbildes). Wer den Pastor aus Seem - oder wie die Gegner sagen: „Schwarzer Søren“ tiefer verstehen und sich mit dem Menschen und seiner politischen aber auch theologischen Grundlagen beschäftigen möchte, sollte die Biographie kaufen, sie bietet viele interessante Einsichten.

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