Finnlandschweden auf der Frankfurter Buchmesse: Mehr als Mummietrolle

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Die Frankfurter Buchmesse hat 2014 Finnland als Gastland in den Mittelpunkt gerückt. (Ein Überblick über das Land und die Literatur in der Neuen Züricher Zeitung).

Eine gute Gelegenheit für die schwedischsprachige Minderheit des Landes (rund 300.000 Angehörige) sich vorzustellen. Die schwedischsprachigen Kulturschaffenden gehören zu produktivsten und angesehensten in Finnland. Der Medien-Star bei der Buchmesse war jedoch die finnisch-estnische Autorin Sofi Oksanen, die mit ihrem gesellschaftspolitischen Engagement und flamboyanten Auftreten für Aufsehen sorgte. Künstlerisch jedoch steht die derzeit mit „Asphalt-Engel“ buchaktuelle schwedischsprachige Autorin Johanna Holmström dem Buchmesse-Star in nichts nach. 




Wer sind die Finnlandschweden
Ein kurzer Blick auf die Finnlandschweden und ihre Hintergründe. Einen sehr lesenswerten Vortrag zum Thema findet sich auf der Seite der Deutschen Botschaft in Helsinki:

„Die Finnlandschweden sind schwedisch-sprachige Finnen. Viele kamen im 13. und 14. Jahrhundert aus westlicher Richtung nach Finnland. Schwedisch wurde in Finnland allerdings - zumindest auf den Åland-Inseln - bereits vorher gesprochen. Die Zuwanderer ließen sich in mehr oder weniger unbesiedelten Küstengebieten nieder. (…)  Die Zuwanderer aus Schweden im Mittelalter sind später Finnlandschweden geworden. Dies gilt auch für die Zuwanderer aus Deutschland, beispielsweise für die Familien Paulig, Fazer und Stockmann. Auch ein großer Teil derjenigen Menschen jüdischer Abstammung, die im 19. Jahrhundert als Teil der russischen Armee in Finnland stationiert waren und ihre Nachfahren begannen Schwedisch als ihre erste Sprache zu verwenden. (…) Etwas vereinfacht gesagt, könnte man behaupten, dass es die Mischung aus Nationalität und Sprache ist, die die Finnlandschweden ausmacht. 



Finnlandschweden Flagge
Im Grundgesetz Finnlands wird festgelegt, dass die Nationalsprachen Finnlands Finnisch und Schwedisch sind. Jeder hat das Recht, sich vor Gericht und bei anderen Behörden in seiner eigenen Sprache - entweder der finnischen oder der schwedischen - zu bedienen. Die öffentliche Hand hat für die kulturellen und gesellschaftlichen Bedürfnisse der finnisch- und schwedischsprachigen Bevölkerung des Landes nach gleichen Grundsätzen zu sorgen.“ 


Leuchttürme der Finnlandschweden
Durch die Geschichte haben die Finnlandschweden viele bekannte Autoren, Künstler und Geistesgrößen hervorgebracht:

Die wohl weltbekannten Mummitrolle ("Mumins") stammen aus der Feder der finnlandschwedischen Schriftstellerin und Malerin Tove Jansson.

Doch Finnlandschweden können mehr als „nur“ die Mummitrolle vorweisen: 

Jean Sibelius, finnlandschwedischer Komponist von u. a. Finlandia und sieben Sinfonien; 

Johan Ludvig Runeberg, Schriftsteller und Poet, gilt als Nationaldichter Finnlands.

Zacharias Topelius, Schriftsteller und romantischer Lyriker, der im 19. Jahrhundert lebte.

Edith Södergran, gehörte zu den ersten Modernisten der finnlandschwedischen Lyrik. Sie starb bereits im Alter von 31 Jahren an Tuberkulose. 

Finnland ein Modell mit Herausforderungen.
Der Ausgleich zwischen den zwei Sprachen Finnlands und ihrer Sprecher kann zu Recht exemplarisch genannt werden. Finnland ist sicher eher als Südtirol ein Modell, das man hinzuziehen sollte, wenn die Zukunft der Ukraine - hoffentlich nach einer baldigen Beendigung des Krieges - besprochen wird. Es gibt hier durchaus Standards, die zur Nachahmung mit Blick auf die russischsprachigen Ukrainer Anwendung finden sollten.   

Jedes Modell hat auch seine Herausforderungen /  Probleme. Dass Schwedisch nicht freiwillig, sondern im Gymnasium als „Zwang“ von allen Finnen erlernt werden muss und so manchen finnischen Jugendlichen das Abitur zerhauen hat, sorgt nicht für durchweg positive Assoziationen, wenn die Finnen an Schwedisch denken. In vielen Gebieten des Landes währe es wahrscheinlich angebrachter Russisch in den Mittelpunkt zu rücken, was zum Zeil kontrovers diskutiert wird. Die fehlende Anerkennung der großen russischsprachigen Bevölkerungsanteils (Mischung zwischen allochthone und autochthone) und die schwierige Situation der Samen im Norden, gilt es nicht außer Acht zu lassen.

Dies sind Herausforderungen für die Gesellschaft und Politik - die schwedischsprachige Partei ist in der Regierung vertreten - doch das Gesamtbild betrachtend, kann Finnland durchaus stolz auf sein finnisch-schwedischsprachiges „Modell“ sein. 


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