Sprachlos: Wie die Sprachenvielfalt an Gewicht verliert

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Der Artikel ist erstmals im "Der Nordschleswiger" als Kolumne "Bericht aus Kopenhagen" erschienen.


Vor einigen Wochen wurde der „Europäische Tag der Sprachen“ gefeiert; wobei es auf europäischer Ebene nur wenig zu feiern gibt. In Dänemark, im deutsch-dänischen Grenzland sowie in der deutschen Minderheit gilt es sorgsam auf die Sprache zu achten. 

Europa
Vor rund zehn Jahren, als das „Jahr der Europäischen Sprachen“ gemeinsam von der EU und dem Europarat durchgeführt wurde, fehlte es wie so oft nicht an den großangekündigten Plänen und Visionen:  Jeder Europäer sollte dem Leitfaden „1 plus 2“ folgen und eine Muttersprache und zwei weitere Sprache (Adoptivsprache) erlernen. Soviel zur Zielsetzung. Das Ergebnis heute ist vernichtend: Es gibt keine Strategie für den Erhalt der vielen Regional- und Minderheitensprachen in Europa, die wie das Sorbische, Ladinische, Friesische akut vom Aussterben bedroht sind. Sprache wird allein im Zuge der Nutzbarkeit für die wirtschaftliche Gesundung unseres Kontinentes betrachtet. Eine Verbesserung der Lage ist nicht in Sicht.  

Dänemark
Auch in Dänemark gilt es auf Missstände aufmerksam zu machen. Die Schulreformen der vergangenen Jahre haben einen schleichenden Einflussverlust der Sprachen mit sich geführt. Das hat die Prorektorin der Kopenhagener Universität, Lykke Friis, kürzlich zu einem „Hilfeschrei“ auf Facebook veranlasst, in dem sie Deutsch als Fach an der Uni in Kopenhagen in akuter Gefahr sieht. Es scheint als ob viele Entscheidungsträger, die öffentlich über die Bedeutung von Mehrsprachigkeit fabulieren, damit die Kompetenz von Englisch und Dänisch meinen. Doch Mehrsprachigkeit ist das nicht. Es ist vielmehr eine funktionale Einsprachigkeit, da Englisch heute als Kommunikationswerkzeug sozusagen als Grundvoraussetzung gelten kann. 

Der Übersetzungsdienst in Brüssel warnt, dass die Dänen sich auf europäischer Ebene dadurch auszeichnen, dass sie die eigene Muttersprache nicht mehr anwenden. Man spricht englisch, was dazu führt, dass die Ausbildung der dänischen Übersetzer in Frage gestellt wird. Das kommt einer Selbstaufgabe der eigenen Sprache gleich; was absurd anmutet, wenn man den doch sonst sehr nationalen dänischen Zugang zu EU-Fragen in Betracht zieht. 



Deutsch-Dänisches Grenzland
Weiterhin ist es nicht wirklich gelungen, das Dänische im Grenzland auf der deutschen Seite schmackhaft zu machen. Entweder wird deutsch gesprochen oder englisch, wenn man sich über die Grenze hinweg unterhalten will. Auf der deutsch-dänischen Konferenz „Fehmarn Belt Days 2014“ wurde das deutlich. Es war zwar eine Übersetzung zwischen den zwei Sprachen gegeben - doch es wurden die Diskussionen auf englisch geführt. Nicht jeder (ob nun Teilnehmer oder Minister) kam dabei gleich gut weg. Es ist unlogisch, dass man das Angebot der hoch kompetenten Übersetzer nicht nutzt. Vermutung bleibt, man möchte seine Weltläufigkeit damit unter Beweis stellen, dass man das Englische beherrscht. Da der Spracherhalt jedoch immer mit Sprachprestige zusammenhängt, ist es ein fatales Signal, wenn man die eigene Sprache nicht nutzt, wenn man die Möglichkeit hat. 

Wichtig ist es mit Blick auf die Situation im Grenzland, dass wir uns daran erinnern, dass das Friesische als Sprache vom Aussterben bedroht ist und es keine wirklich überzeugenden Konzepte zur Verhinderung dieses Trends gibt bzw. die finanziellen Rahmenbedingungen äußert dürftig ausfallen.

Deutsche Minderheit
Die Sichtbarkeit und Anwendung der deutschen Sprache ist für die deutsche Minderheit zentrales Anliegen. Wir müssen uns dank unseres selbstgestalteten Schulsystems um eine Grundversorgung in der Minderheitensprache keine Sorgen machen. Wir sind da im Vergleich zu vielen anderen Minderheiten im großen Vorteil. Doch wir sollten uns sehr bewusst für den offensiven Gebrauch unserer Minderheitensprache einsetzen. Denn ansonsten verlieren wir nicht nur an Glaubwürdigkeit, sondern auch an Sprachkompetenz. Schaut man nach Polen oder Russland, wo der Gebrauch der eigenen Minderheitensprache zum Teil über Jahrzehnte verboten war, ist es inspirierend zu verfolgen, wie dort daran gearbeitet wird, die eigene Sprache zu revitalisieren und das Image zu verbessern. Deutsch lebt natürlich bei uns in Nordschleswig aktiv als integraler Bestandteil unseres Minderheitendaseins, es muss aber stärker in den Vordergrund gestellt werden. Es ist schließlich unser (einziges) Alleinstellungsmerkmal als Minderheit. 

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