Dänische Minderheit diskutiert interne Organisationsstruktur

Zum Årsmøde dem Jahresfest wird der Dannebrog stolz hervorgeholt.

Wie soll sich eine Minderheit organisieren, um die eigenen Interessen am besten zu vertreten? Darauf gibt es viele unterschiedliche Antworten und Modelle. Die Vertretungsfrage wird seit Jahren in verschiedenen Minderheiten in Europa intensiv diskutiert und führt auch gerne zu handfesten Streit. 

Die Sorben streiten über die Sinnhaftigkeit einer parlamentarischen Vertretung aller Sorben – einem Serbski Sejmik, was jedoch von der Dachorganisation "Domowina" strikt abgelehnt wird. Die deutsche Minderheit in Dänemark rühmt sich einer „straff geführten“ Dachorganisationsstruktur (BDN). In Kärnten konkurrieren und streiten gleich drei Dachverbände, um die Gunst der Minderheitenangehörigen. 

Auch in der dänischen Minderheit in Südschleswig, Deutschland, wird die Effizienz und Zukunftsfähigkeit des eigenen Organisationsmodells in regelmäßigen  Abständen zu Diskussion gestellt. Derzeit ist die Vertretung durch konkurrierende bzw. sich ergänzende (abhängig von der eigenen Sichtweise) unabhängige Verbände geregelt; es gibt keine Dachorganisation im eigentliche Sinne. Mit dem „Gemeinsamen Rat“ (Sammenråd) haben sich die Vereine ein Gremium zur Absteckung übergeordneter Leitlinien gegeben – das aber ohne Entscheidungskompetenz bleibt. Die großen Verbände der dänischen Minderheit sind der Kulturverein (SSF), der dänische Schulverein (Skoleforeningen), der Jugendverband (SDU), die Zeitung Flensborg Avis und die Partei SSW

Es herrscht in einigen Kreisen der dänischen Minderheit Unzufriedenheit mit der internen Konkurrenzsituation der Verbände, sowohl strukturelle und personelle Auseinandersetzung und Antipartien in der Führungsebene werden kritisiert. 

Nun hat eine kleine Gruppe von dänischen Südschleswigern einen Plan – den Regionplan – entworfen, der die gesamte Struktur der dänischen Minderheit „revolutionieren“ will. 

Sie haben eine eigene Homepage ins Netz gestellt und eine nette prezi-Präsentation erarbeitet (dänisch). 

Ein Regionsrat mit 31 direkt gewählten Vertretern aus der Minderheit würde demnach die Lenkung als demokratisch gewähltes Gremium der Minderheit verantworten und eine einheitliche Verwaltungsstruktur einsetzen. In dem Parlament werden alle grundsätzlichen Entscheidungen getroffen, nach denen sich die großen Verbände zu richten haben. 

Die Initiatoren sind Realisten und haben bei der Vorstellung ihres Vorhabens, beim Landestreffen des Kulturverbandes SSF in der vergangenen Woche, eine Realisierung für „gegen 2020“ in Aussicht gestellt. 

Es wird interessant zu verfolgen, wie sich die Diskussion über mehr Demokratie und Mitbestimmung in der dänischen Minderheit entwickelt. Dabei handelt es sich nämlich um  kontroverse Themen, die in vielen Minderheiten Europas einen gewissen „Wiedererkennungswert“ hervorrufen dürften.  

(Der Bericht fußt auf einem Artikel in Flensborg Avis vom vergangenen Wochenende. Leider hat Flensborg Avis alle Artikel hinter eine paywall versteckt, daher ist kein direkter Link möglich.) 

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