Deutschland auf dem Weg zu einer Sprachenpolitik? - „Charta“-Konferenz in Berlin macht den ersten Schritt

Gemeinsam mit dem Bundesbeauftragten für Minderheitenfragen, Hartmut Koschyk und der Schleswig-Holsteinischen Europaministerin, Anke Spoorendonk, stellten die Minderheiten in Deutschland ihr neues "Grundsatzpapier" vor

In Deutschland gibt es vier anerkannte, autochthone (alteingesessene) Minderheiten - die Dänen in Schleswig-Holstein, die Friesen (im Saterland und in Nordfriesland), die Sinti und Roma und die Sorben aus der Lausitz. Die vier Minderheiten sind in einem Minderheitenrat zusammengeschlossen, der in Berlin ein Büro unterhält. Der Minderheitenrat hat Anfang der Woche zu einer Konferenz nach Berlin eingeladen; die Schirmherrschaft hatte der Präsident des Bundestages, Prof. Norbert Lammert, übernommen. Die Konferenz trug den Titel: „Charta-Sprachen in Deutschland – Ein Thema für alle!“

Es war Ziel der Veranstalter, die Vielfalt der Sprachen Deutschlands aufzuzeigen -  neben Deutsch eben just auch Romanes, Dänisch, Sorbisch und Friesisch als sog. autochthone Sprachen des Landes. Diese Sprachen stehen, bis auf das Dänische, in Gefahr von der sprachlich-kulturellen Landkarte zu verschwinden, wie eine Referentin vom Europarat in Berlin unterstrich. 

Deutschland ist gefragt - sozusagen im Sinne einer sprachlich-kulturellen Staatsräson, eine Sprachenpolitik zu entwickeln, die dem Assimilierungsdruck, unter dem die oben genannten Sprachen stehen, effektive Maßnahmen entgegen zu setzen weiss. Gemeinsam erarbeitet, mit den Vertretern der Minderheiten. 

Als Ergebnis der Konferenz, wurde ein „Grundsatzpapier“ verabschiedet, das als Zielrichtung die Erarbeitung einer ganzheitlichen Sprachenpolitik für Deutschland vorsieht. Schleswig-Holstein hat eine solche Sprachenpolitik in den Koalitionsvertrag geschrieben und erste Bemühungen unternommen, diese nicht einfache Aufgabe für das nördlichste deutsche Bundesland umzusetzen. 

Wenngleich die Minderheiten in Deutschland sehr unterschiedlich sind - sowohl in Größe und auch im konkreten Bedarf, macht eine Bündelung der Kräfte durchaus Sinn. Doch es ist zu hoffen, dass neben einer beschreibenden Sprachenpolitik mit gut klingenden politischen Absichtserklärungen auch konkrete Maßnahmen - vulgo Geld -  folgen. Die Minderheitensprachen in Deutschland haben dies verdient. 

Folgt man der Einschätzung der Tageszeitung der deutschen Minderheit in Dänemark, „Der Nordschleswiger“ scheint die Konferenz ein voller Erfolg gewesen zu sein:


40 Parlamentarier, der Bundestagspräsident, der Minderheitenbeauftragte der Bundesregierung und der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses machten sich gemeinsam mit Vertreter der Minderheiten in Deutschland sowie der deutschen Minderheit in Nordschleswig stark für eine Sprachenpolitik, die weg kommt vom "Gönnerhaften", wie Renate Schnack es heute bei einer Minderheitensprachenkonferenz in Berlin formulierte. 
Zu Beginn der Konferenz in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft, zu der der Minderheitenrat und der Minderheitenbeauftragte eingeladen hatten, forderte Dr. Andrea Willi eine "Imagekampagne" für die Minderheitensprachen, denn, abgesehen vom Dänischen, seien alle Minderheiten- und Regionalsprachen mittelfristig vom Aussterben bedroht. 
"Sie liegen auf der Intensivstation", so das Mitglied des Expertenkomitees der Europäischen Charta für Regional- und Minderheitensprachen. Dieses Komitee sorgt für die Überprüfung der Einhaltung der Charta in den Mitgliedsländern, die sie unterzeichnet haben. Deutschland und Dänemark gehören dazu.


Weiterführende Links:
Gemeinsame Erklärung im Wortlaut 
Pressemitteilung des Sekretariats des Minderheitenrates
Rede des Minderheitenbeauftragten Hartmut Koschyk
Pressemitteilung des Minderheitenbeauftragten Hartmut Koschyk 

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