Die Kaschuben

Flagge der Kaschuben. Quelle: Wikipedia

Die Kaschuben (auf kaschubisch: Kaszëbi) gehören der westslawischen Sprachgruppe an und sind ursprünglich in Pommern, Polen, ansässig. Kaschuben leben heute aber auch in ganz Polen und Europa / Übersee verstreut.  

Bei der Betrachtung der Kaschuben / der kaschubischen Sprache zeigt sich exemplarisch, die Schwierigkeiten, die einem bei der Beschäftigung mit „autochthonen Minderheiten“ und „Regional- und Minderheitensprachen“ in Europa begegnen können. Für die einen ist das Kaschubische eine eigene Sprache und Kultur, für die anderen, ein polnischer Dialekt. 

In diesem Zusammenhang passt das von Max Weinreich stammende Zitat aus dem Jahr 1945:


„Eine Sprache ist ein Dialekt mit einer Armee und einer Marine“ 

Wie viele Kaschuben es genau gibt, hängt auch hier von der Betrachtungsweise ab. Es gibt Schätzungen, die besagen, dass 300.000 Personen in Polen Kaschubischen Ursprunges sind (zu denen übrigens auch der Nobelpreisträger Günther Grass zählt, der in Danzig als Sohn einer Kaschubin geboren wurde und in der Blechtrommel seiner kaschubischen Großmutter ein Denkmal setzte, unter dessen Rock sich der kleine Oskar Matzerath verkriecht). 

Anderer Zahlen sprechen dahingegen von rund 50.000 Sprechern der kaschubischen Sprache. Einen Hinweis bieten der Zensus aus den Jahren 2002 und 2012. Gleichzeitig wird bei der Fragestellungen des Zensus in Polen deutlich, wie missweisend diese Zahlen ausfallen können bzw. für Deutungen offen stehen. 

Demnach haben sich 5.100 Personen der „Kaschubischen Nationalität“ zugehörig erklärt. Es haben 2002 aber auch 51.000 polnische Staatsbürger erklärt, dass ihre Muttersprache kaschubisch sei. Beim letzten 2012 in Polen durchgeführten Zensus, hat man die Fragestellung geändert - nun gaben 16.000 Personen an, dass Kaschubisch ihre „einzige Identität“ sei. 233.000 Personen gaben an, Kaschubisch sei ihre „erste oder zweite Identität.

Wie die meisten Regional- und Minderheitensprachen und autochthonen Minderheiten haben auch die Kaschuben mit dem wachsenden Assimilierungsdruck zu kämpfen. Daran ändert auch nichts, dass der Präsident des Europäischen Rats (gewählt 2014) Donald Tusk, ein „bekennender Kaschube“ ist.  

Weiterführendes:
Ein Porträt der Kaschuben; erschienen im Spiegel 1995

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