Die Wüste der Provinz oder der neue europäische Regionalismus, der keiner ist


„Zwischen Hamburg und Kolding ist nur Wüste und Dänemark besteht sozusagen aus einem Stadtstaat Kopenhagen, mit Aarhus als Vorstadt und den Rest des Landes als Zufahrtsstrecke oder Umland! Prof. Uffe Østergaard ist nicht nur ein europaweit anerkannter Nationalismus-Forscher und vielseitig belesen - er versteht es auch, ein Publikum von 200 Personen, 120 Gymnasiasten inklusive, zu unterhalten. 

Wenngleich Uffe Østergaard seine Pointen gekonnt-ironisch auf die Spitze trieb, ist hinter dem Heiteren ein bitter-ernster Kern enthalten. Die Peripherie wird zum Vorteil des Zentrums abgewickelt. Das, so Østergaard, sei jedoch - betrachtet man die Geschichte des Nationalstaates Dänemark eine „logische Konsequenz“. Dänemark sei seit 1864 zum Archetyp eines Nationalstaates gewachsen und somit auch passgenau für die derzeitige Konstruktionsweise der Europäischen Union, die just solche homogenen Nationalstaaten bevorzugt. (Er riet in diesem Zusammenhang Dänemark, sich Richtung Osten, Richtung Polen, umzuorientieren. Polen sei der beste Alliierte im Kampf für die Macht des Nationalstaates, sollte Großbritannien die EU verlassen. Wieder witzig formuliert aber politisch sicher nicht der schlechteste Rat für die dänische Sicherheits- und Europapolitik.) 

Es sei nur die „logische Konsequenz“, dass sich die Europäische Union ihrerseits weigere, eine stringente Minderheitenpolitik zu erarbeiten. Eine Tatsache, die von der Vorsitzenden des dänischen Europaausschusses, Eva Kjer Hansen massiv kritisiert wurde. „Europa entwickelt hat sich immer mehr zu einer Föderation der Nationalstaaten, und in diesem Konzept haben Minderheiten und Regionen keinen Platz. 

Die neuerlichen Bestrebungen in Schottland, Katalonien, Italien und anderenorts in Europa betrachtete Østergaard ebenfalls nicht per se als einen „neuen Regionalismus“, vergleichbar der Tendenzen in den 80er und Anfang der 90er Jahren. Die Regionen heute, wollen ihren eigenen Nationalstaat, um in dem Konzert der Föderation der Nationalstaaten mitspielen zu können. Daran haben wiederum die bereits in dem Konzert spielenden EU-Staaten kein Interesse, denn dann müssten sie ihren Einfluss mit den Neuankömmlingen teilen, so Østergaard.  

Østergaard ist skeptisch. Er sieht derzeit keine Lösungen für diese Dominanz der nationalstaatlichen Ebene. Die Europapolitik werde quasi re-nationalisiert und der Europaprotest europäisiert sich.

Ein inspirierender, kurzweiliger Vortrag mit einer konzisen Problemerfassung, leider ohne Lösungsvorschläge, aber die hat derzeit wohl niemand in Europa. 

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