Großes Kino in Nordfriesland: „Große Filme, kleine Völker“

Es ist eigentlich ein Unding, dass es mein erstes Minority Filmfestival gewesen ist, das sich nun im Zug, Richtung Kopenhagen, dem Ende entgegen neigt. Zum fünften Mal veranstaltet die „Friisk Foriining“, unter Federführung von Gary Funck, an der grauen Stadt am Meer, in Husum, in Nordfriesland, eines der kleinsten aber sicher auch eines der sympathischsten Filmfestivals Europas. 


Es ist schade, dass nicht mehr Besucher zu einem so tollen Festival erscheinen. Das Husumhus war bei der gestrigen Gala anständig besucht, und eine treue Scharr von Cineasten nutzt die Tage des Festivals, um sich Filme aus den verschiedensten Ecken Europas anzuschauen. Doch die professionelle Galashow, moderiert von Gary Funck und Antje Arftsen, sowie die tollen Filme, hätten weit mehr Besucher verdient gehabt.  

Wer dabei war, erlebte diese besondere Mischung aus Professionalität und familiärerer Stimmung, die einen ganz eigenen Reiz ausmacht. Wenn Basken mit Friesen im Husumer Brauhaus über eine Adaption der genialen Lillehammer-TV-Serie diskutieren (die mit dem Italienischen Mafia-Paten, den es in die norwegische Kleinstadt-Realität versetzt; Produzenten aller Länder meldet euch: wir brauchen nur eine Million Euro …). Oder wenn es zur vorgerückter Stunde zu einer deutsch-nordschleswigschen-friesisch-syrisch-kurdischen Verbrüderung und Verschwesterung kommt, alles im Zeichen des gegenseitigen  Grundverständnisses, für den tief empfundenen  Wunsch des anderen, für den Erhalt des eigenen Volkes, der eigenen Sprache und Kultur zu kämpfen, dann sind dies die Momente, die einem schlagartig vor Augen führen, warum es sich lohnt, für die Minderheiten in Europa zu kämpfen und die Vernetzung zu stärken. Wir sind es ganz einfach wert. 

Zum Filmischen: Sowohl der Publikumspreis als auch der Jurypreis gingen an die walisische Produktion "Y Syrcas" (The Circus) von Regisseur Kevin Allan.

Die Jury unter Leitung von Onno Falkena begründete ausführlich ihre Entscheidung. Der Siegerfilm aus Wales erzählt die die Geschichte eines Zirkus, der auf eine erz- protestantische Gemeinde im ländlichen Wales des 19. Jahrhundert trifft. Der Film mit Blogbuster-Potenzial konnten sich in einem sehr engen Rennen gegen den baskische Festivalbeitrag 80 Egunean (80 Stunden) durchsetzen. 80 Egunean erzählt die anrührende Liebesgeschichte  zweier alternder Frauen. 

Hier zur Übersicht aller Filme.

Ein rundum gelungenes Wochenende - Authentizität, intellektuelle Stimulation, tolle Filme, gute Gespräche - im Kreise von Gleichgesinnten; was will man mehr?  

Den Nordfriesen will man nur noch laut zurufen, bitte in zwei Jahren noch mal! Ich komme bestimmt!

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