Rumänien : Minderheiten-Rapport



In Rumänien gibt es nach Russland und der Ukraine die größte Anzahl an Minderheiten in einem Land. Rund jeder zehnte Bürger des Landes gehört einer Minderheit an. 

Es liegt immer eine Gefahr in der Bestimmung der Größe einer Minderheit. Im Fall Rumäniens können wir auf Volkszählungen zurückgreifen - wenngleich nicht alle Minderheiten in Rumänien anerkannt sind. Dennoch ist Vorsicht geboten, denn nicht jeder bekennt sich frei zur Minderheit. Daher betrachtet die Zahlen nur als Richtwert. Die Zahlen fußen auf der letzen Volkszählung 2011.

Ungarische Minderheit: Stellt in einigen Gebieten (Szeklerland) die Mehrheit. Insgesamt rund 6,5% der Gesamtbevölkerung (1,2 Millionen). Leben im Siebenbürgen und im Grenzgebiet zu Ungarn. 

Roma: Rund 620.000 (3,3%) - leben unter zum Teil katastrophalen Bedingungen und haben mit Diskriminierung und Ausgrenzung zu kämpfen. 

Deutsche Minderheit: Wird auf rund 50.000 Menschen geschätzt. Zwischen 1968 - 1989 wurden mehr als 200.000 Angehörige der deutschen Minderheit „frei gekauft“ und siedelten in die Bundesrepublik über. Die deutsche Minderheit setzt sich aus Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben zusammen. 

Alle Minderheiten in der Übersicht 




Geschichte
Rumänien ist ein relativ junger Staat. Entstanden aus einer Zusammenlegung der Fürstentümer Walachei und Moldau im Jahr 1861 unter dem Osmanischen Reich. Das Fürstentum Rumänien erklärte 1877 seine Unabhängigkeit und nahm am russisch-türkischen Krieg teil. Rumänien erhielt den nördlichen Teil der Dobrudscha zuerkannt. 1881 erklärte das Königreich Rumänien seine Unabhängigkeit. 

Im Zweiten Balkankrieg und nach dem 1. Weltkrieg erhielt Rumänien große Teile der Nachbarstaaten zuerkannt (südliche Teil der Dobrudscha, Bessarabien, Bukowina, Siebenbürgen). 

Im Zweiten Weltkrieg schlug Rumänien sich auf die Seite der Mittelmächte (Deutschland) - wodurch viele Gebiete wieder verloren gingen (südliche Teil der Dobrudscha an Bulgarien, die Bukowina und Bessarabien an die UdSSR, Nord- und Westsiebenbürger an Ungarn). 1944 wechselte Rumänien auf Seiten der Alliierten und erhielt nach 1944 das gesamte Siebenbürgen zugeteilt. 

Herkunft
Bis ins 19. Jahrhundert waren die Rumänen als Wlachen bekannt und sahen / sehen sich als Nachfahren der vorchristlichen Daker, die sich mit den römischen Eroberern vermischten. Ein rumänisches Nationalbewusstsein mit eigener Sprache und Kultur hat sich erst spät herausgebildet. 

Daher hat sich Rumänien auch immer von den sie umgebundenen "Germanen und Magyaren" bedroht gefühlt. 

Politik
Die Ungarn werden durch die Sammelbewegung Demokratische Allianz der Ungarn in Rumänien (RMDSZ) vertreten und waren an den meisten Regierungen seit der politischen Wende Anfang der 90er Jahre beteiligt. 


Seit 2014 ist der Rumäniendeutsche Klaus Johannis, der zuvor Vorsitzender der deutschen Minderheit und Bürgermeister in Sibiu war, neuer Präsident des Landes

Die Aromunen warten bis heute auf eine Anerkennung als Minderheit. 

Vor allem die Lebensbedingungen und die Diskriminierung sowie tätlichen Übergriffe auf die Roma und Flüchtlinge im Land, lassen Menschenrechtsorganisationen wie die Amnesty International und die Gesellschaft für bedrohte Völker ein ums andere Mal Alarm schlagen. 

Die Ungarn in Rumänien versuchen, mit Vorbild in der Lösung Südtirols, im Szeklerland einen Autonomiestatus zu erreichen. Dies wird von der Elite und Bevölkerung der Mehrheit abgelehnt. Des weiteren gibt es immer wieder harsche Auseinandersetzung über die Rückgabe von Besitztümern, (Kirchen und Schulen) die unter dem Kommunismus enteignet worden waren. 

Rumänien hat das Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten des Europarates unterzeichnet und ratifiziert. Der letzte Bericht wurde 2011 vorgelegt und seit Februar 2014 ist der fünfte Staatenbericht überfällig. 


Aktuelles:
Ein Blog zur Wahl des neuen „deutschen“ Präsidenten Rumäniens
Ein Blog zum Rücktritt der Ungarn aus der Regierung in Bukarest 
Ein Bericht der Deutschen Welle über die Rumäniendeutschen 



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