Sprachenpolitik in Europa: Das magische (Un)-Wort des „Mainstreaming“



Es gibt einige Wörter, die lösen bei mir einen negativen Grundreflex aus: Nachhaltigkeit, Projektförderung, Mainstreaming sind meine "Lieblinge". 

Nachhaltigkeit ist zu einem schwammigen Begriff verkommen. Projektförderung ist das Totschlagargument aller Geldgeber gegenüber der finanziellen Not der zivilgesellschaftlichen Akteuere. Mit Projekten erreicht man nämlich in den seltensten Fällen Nachhaltigkeit, denn normalerweise, wenn das Projektgeld ausläuft, löst sich auch die Nachhaltigkeit schnell in Luft auf. 

Doch mein derzeit absolutes “Lieblingswort“ ist "Mainstreaming". Es ist auch ein Lieblingswort der Europäischen Kommission, vor allem im Politik-Bereich der Sprachenvielfalt und der Mehrsprachigkeit. Die Kommission argumentiert, dass der Politikbereich Sprachenvielfalt und Mehrsprachigkeit, unter dem auch die Regional- und Minderheitensprachen in Europa fallen, in allen Bereichen eine bedeutende Rolle einnehmen, sozusagen eine mainstream-Rolle. 

Das hört sich vielleicht im ersten Moment gut an, ist jedoch ein technokratische Formulierung für die Abwicklung eines Politikbereiches, der bislang eine eigenständige Bedeutung inne hatte. Die Sprachenvielfalt und die Mehrsprachigkeit benötigen keine expliziten Maßnahmen, sie ist ja überall, so die Logik. 

Anfang des Monats findet in Berlin eine interessante Konferenz zur Sprachenpolitik auf europäischer Ebene statt, wo auch hohe Vertreter der Europäischen Kommission dabei sein werden. (Siehe Programm hier). 

Und wie betitelt man einen Beitrag aus der Kommission, natürlich mit "Mainstreaming"...

Doch was Europa braucht, ist kein "Mainstream" sondern eine knallharte Stärkung der Sprachenvielfalt und der Mehrsprachigkeit, unter Einbeziehung der Regional- und Minderheitensprachen in Europa.

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