Vejle und Kiel - ein Verhältnis: Normalität bedeutet auch Reiberei

Carl Holst, Torsten Albig und Anke Spoorendonk. Foto: Region Syddanmark
Die in den vergangenen Wochen und Monaten über die Presse (vor allem „Der Nordschleswiger“) geführte Kommunikation zwischen Vejle und Kiel, namentlich zwischen Carl Holst und Anke Spoorendonk,  war schon bemerkenswert. Dass da nicht alles reibungslos läuft, kann man aus der Berichterstattung erahnen. 

Als Mitten im Prozess der Haushaltplanung der Region Süddänemark ein Brief von Ministerin Anke Spoorendonk in Vejle bei Carl Holst eintraf, platzte dem Venstre-Politiker anscheinend der Kragen. Dabei hatte Anke Spoorendonk nur ihre Sorge zum Ausdruck gebracht, dass mit der angekündigten Streichung der Zuschüsse für den Rettungshubschrauber und die Reduzierung der Strahlenbehandlung dänischer Patienten in Flensburg und Kiel, wichtige Eckpfeiler der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Frage gestellt würden. Die SSW-Politikerin erhielt von Politikern und Bürgern - beiderseits der Grenze - nicht zuletzt auch in den sozialen Medien, für diese freundliche Warnung viel Zuspruch. 

Artikel im Nordschleswiger - über den Brief von Anke an Carl. 


Doch Carl Holst war nicht amused:

"Der Brief enthält ja gute Worte, aber ich frage mich, wieso tun die nicht mehr, um die Gegenseitigkeit in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu fördern und umzusetzen? Wenn es so wichtig ist für sie, sollten sie mehr dafür tun, dass diese Gegenseitigkeit kommt. Aber ich bin doch froh darüber, dass sie nun offen dafür sind, dass auch deutsche Patienten in Dänemark behandelt werden, dass die gemeinsame Gesundheitskarte überall gelten soll etc. etc.Es ist aber ein wenig heuchlerisch über andere zu reden und nicht darüber, was am selbst tun will oder bisher nicht getan hat. Politik ist  nicht nur Worte – Politik heißt handeln.Ich werde weiter für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit kämpfen, aber die muss - um es noch einmal klar zu sagen - Gegenseitigkeit beinhalten“

Das gesamte Interview mit Carl Holst vom 11. September im „Der Nordschleswiger“. 

Das war schon eine Antwort, die einer politischen Keule gleich kam. 

In den anschließenden Beratungen, gelang es die Einsparungen in der Region Süddänemark weitestgehend vom Tisch zu nehmen. Es darf vermutet werden, dass Carl Holst auch die Intention verfolgte,  Schleswig-Holstein deutlich zu signalisieren, dass die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mehr als schöne Wort bedarf und vor allem für beide Seiten einen Mehrwert bieten muss - ökonomisch versteht sich. 

Nun folgt sozusagen der zweite Teil in der Fernkommunikation. Carl Holst hat mit einer Mail an Anke Spoorendonk einen Federhandschuh in Richtung Kiel geworfen, wie der Nordschleswiger schriebt. Dieser Handschuh wurde auch prompt von Anke Spoorendonk aufgehoben. Hintergrund ist die Frage, wie die viel diskutierte „Gesundheitskarte“, die das „Leben“ der Patienten beiderseits der Grenze einfacher gestalten soll, realisiert werden kann. An Ankündigungen hat es nicht gefehlt. Doch das ist nicht so einfach - von Krankenkassen und Politiker wollen viele mitreden und es gilt zahlreiche gesetzliche und bürokratische Hürden zu überwinden. 

Es scheint Bewegung in die konkrete grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Kiel und Vejle zu kommen. Dass dies über die Presse kommuniziert wird, trägt durchaus zur Transparenz bei und freut die Journalisten. Es zeugt aber auch davon, dass in der neuen Normalität der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit auch Reibereien nicht unbekannt sind. Das muss ja nicht per se schlecht sein. Hauptsache die Ergebnisse stimmen. 

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