Dänemark und Schweden – eine Hassliebe


Der Artikel ist erstmals im "Der Nordschleswiger" in der Kolumne "Bericht aus Kopenhagen" erschienen

Deutschland und Dänemark –  das ist eine schwierige und konfliktvolle Beziehungsgeschichte. Nicht weniger kompliziert ist das Verhältnis zum Nachbarn im Norden: die legendäre „Hassliebe“ der beiden Brüdervölker – Dänen und Schweden. Beide Länder sind sich in Kultur und Sprache verbunden. Beide zeichnen sich durch ein Gesellschaftssystem aus, das stark auf Gleichheit beruht; das weltweit bekannte „skandinavische Modell“ bezieht sich auf beide Länder.

Seit geraumer Zeit ist vielen Dänen der „schwedische Staatshumanismus“ (ein Wort, das in der schwedischen Debatte geprägt wurde) ein Dorn im Auge. Wir haben mehrmals über den im europäischen Vergleich sehr harten Ton in der Diskussion über die steigende Anzahl an Asylsuchenden und Flüchtlingen in Dänemark berichtet. Die sog. Integrationsdebatte hat in Dänemark die letzten zwei bis drei Wahlen entschieden. Bis auf Ausnahmen wird in Dänemark eine restriktive Herangehensweise von sowohl von den Politikern aller Parteien als auch von der Bevölkerung befürwortet.  In Schweden wird eine andere Politik geführt – man sieht sich bewusst als Einwanderungsland. Kein Land nimmt derzeit pro Kopf mehr Flüchtlinge auf als Schweden. Man verweist mit Stolz auf die eigene Geschichte. In den 90er Jahren hatte man vom Balkan so viele Flüchtlinge aufgenommen, wie sonst nur Deutschland. Die Tradition geht bis zum Zweiten Weltkrieg zurück, als Schweden für viele Flüchtlinge ein sicherer Hafen wurde. 

Einwanderung ist in Schweden –  in der politischen Elite und im öffentlichen Diskurs – ganz anders besetzt, als in Dänemark. Der zurücktretende Chef der liberal-konservativen Partei (Moderata samlingspartiet) in Schweden, Fredrik Reinfeldt, hat in einem Interview kürzlich für Aufsehen gesorgt, weil er verkündete, dass die Einwanderung in Schweden und in den ganzen Norden verstärkt weiter gehen solle. 

Die schwedischen Medien haben ein ums andere Mal mit etwas (auf dänischer Seite als Arroganz ausgelegtem) Naserümpfen Richtung Kopenhagen geschaut. Die dänische Politik fokussiert auf Begrenzung der Einwanderung und die Parteien überbieten sich gerne darin, der Bevölkerung mitzuteilen, wie man dem „Problem“ begegnen wolle. Wenn dann der moralische Zeigefinger aus Stockholm kommt, reagiert man gerne irritiert bis verärgert.

Es war daher eine gewisse Schadenfreude in Dänemark zu registrieren, als die vor wenigen Monaten gegründete sozialdemokratische Regierung in Schweden scheiterte (im März kommt es zu Neuwahlen), weil ihr Finanzhaushalt nicht angenommen wurde. Keiner wollte mit den rechts-nationalen Schwedendemokraten sprechen – geschweige denn verhandeln. Es ist parteipolitische Staatsräson, die fremdenfeindliche Partei zu ignorieren.

Doch der „schwedische Weg“ ist mit zahlreichen Problemen behaftet. Die Akzeptanz der rechtslastigen Schwedendemokraten steigt trotz oder wegen der parteipolitischen „Ächtung“; wenngleich sie mit 13 Prozent noch weit von den rund 20 Prozent  (aktuelle Umfrage) der dänischen Volkspartei entfernt sind. Die Kriminalität und die sozialen Brennpunkte, die auch mit einer verfehlten Integrationspolitik zusammenhängen, werden in Schweden gerne verschwiegen oder verdrängt.

Der Staatshumanismus streichelt das schlechte Gewissen der reichen, schwedischen Kulturelite, aber verneint die realen Probleme – so die dänische Lesart. Die dänische Politik füttere den inneren Schweinehund der Bevölkerung und schüre die Ausländerfeindlichkeit, so die schwedische Lesart mit Blick gen Süden. Vielleicht können die beiden „Brüdervölker“ ja noch was voneinander lernen. 

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