Die Schleswigsche Partei und "der Untergang der Deutschen Minderheit"

Jes Schmidt

Nein, keine Angst, die Schleswigsche Partei ist natürlich eine erfolgreiche Regionalpartei und vertritt auf lokaler und regionaler Ebene politisch die Belange der deutschen Minderheit mit viel Erfolg. Sie ist natürlich nicht für den  Untergang der deutschen Minderheit verantwortlich ...

Doch, wie ein Blick ins Archiv der Wochenzeitung „Die Zeit“ belegt, war so mancher deutscher Nordschleswiger  im Jahr 1977 genau davon überzeugt - die SP führe die Minderheit in den "nationalen Abgrund". Der Journalist Rainer Burchardt berichtete aus einem Hansens Gasthof in Tingleff „der aus allen Nähten platzte“: 

Das große Thema war damals, ob der „Lokalmatador“ Jes Schmidt für die neu gegründeten „Centrumsdemokraten“ für das Folketing kandidieren solle. Die Stimmung während der Sitzung war gespannt:


… einigen besonders volksbewußten Delegierten platzte der Kragen: Die deutsche Minderheit zwischen Krusau und Königsau hatte sich zwischen nationaler oder rationaler Politik zu entscheiden. Die Vernunft siegte, und mit dem Mute der Selbstverleugnung setzte die „Slesvigst Parti“ ihren Regionalmatador Jes Schmidt auf den ersten Listenplatz der in Dänemark neu gegründeten „Centrumsdemokrater“.

Der Artikel ist wie aus einer anderen Zeit und doch nicht ganz ohne aktuellem Hintergrund. Erneut steht mit Stephan Kleinschmidt ein „Lokalmatador“ der Schleswigschen Partei auf der Liste einer dänischen Partei und kandidiert für das Folketing. Doch im Gegensatz zu 1977 wird die deutsche Minderheit / Schleswigsche Partei im 2015 bevorstehenden Wahlkampf keine offizielle Zusammenarbeit mit einer dänischen Partei eingehen. 

Seit der Errichtung des Sekretariats der deutschen Minderheit 1983 in Kopenhagen, gilt die Devise - die politische Vertretung läuft über das Sekretariat und allen Angehörigen der Minderheit, ist es ausdrücklich frei gestellt, nach ihrer parteipolitischen Überzeugung ihr Kreuz zu setzen - so kommt auch niemand in die Gewissensfalle, die der Journalist im Jahr 1977 wie folgt konstatierte:


„Vielen Deutschen mag der „Linksrutsch“ ihrer Schleswigschen Partei an die Seite der (nach rechts zur Mitte gerutschten) Zentrums-Demokraten unheimlich sein; … Jene traditionellen Rechtswähler, die bisher auf kommunaler Eben durch die „Slesvigsk Parti“ ihre Interessen gewahrt sahen, scheuen den Ruck in die „laue Mitte“. Zum anderen werden jene dänischen Wähler, die zwar für das Zentrum votiert hätten, nun von dem konservativen deutschen Appendix abgeschreckt.“

(09.12.2014)

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