Minderheiten: "Hier bin ich, nun fördere mich!"

Diese Graphik macht anschaulich, was mit vielen Worten auch in der Minderheitenpolitik gilt. Gleich ist nicht identisch mit Gerecht. Oft kann erst "positive Diskriminierung" oder das angenehmere Formulierung "affirmativ actions" für Gerechtigkeit und gleiche Ausgangslagen sorgen. 
Minderheiten zu fördern, sprachliche und kulturelle Vielfalt abzusichern - das alles kostet Geld. Manchmal scheint es mir jedoch, als machen es sich die Minderheiten und ihre Organisationen etwas zu einfach, wenn sie mit einem durch die Jahre hart erkämpften Selbstbewusstsein behaupten: "Hier sind wir, nun fördere uns". 

Es klafft ohne Zweifel eine Lücke zwischen den Bekundungen in den Sonntagsreden einerseits und der konkreten Förderung  andererseits. 

Doch so sehr wir - mit gutem Recht - unserer Bedeutung in Europa als Minderheiten bewusst sind, sollten wir uns nichts vormachen: Meist hinter vorgehaltener Hand wird darüber nachgedacht - in Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft -, dass die "enormen Summen", die in die Arbeit der Minderheiten fließen, vielleicht doch besser in zukunftsweisende Vorhaben gesteckt werden sollten. Dahinter steckt der Irrglaube, dass die Minderheiten in Europa ein Anachronismus der Geschichte und einem engeren Zusammenwachsen des Kontinentes eher hinderlich sind. 

 Meist wird das nicht offen gesagt, doch ich habe schon in angeregter Stunde des Nachts von einem sonst sehr minderheitenfreundlichen Zeitgenossen gehört: Wenn wir das Geld der deutschen und dänischen Minderheit zur Verfügung hätten, was könnten wir damit eine grandiose grenzüberschreitende Arbeit leisten. Nun bedeutet solide Förderung noch lange nicht, dass man damit auch gute und nachhaltige Arbeit leistet, aber der "Geldneid" ist in Zeiten knapper Kassen durchaus nachvollziehbar. 

Der Verteilungskampf wird härter. Die Minderheiten werden sich darauf einstellen müssen, dass ihre bloße Existenz nicht ausreichend ist, um ihre Förderung zu berechtigen. Doch sei vorsorglich angemerkt, dass natürlich genau so wenig, wie Kulturförderung, die Minderheitenförderung eine Profit-Analyse vorlegen muss. Minderheiten kosten Geld und aus einer cost-benefit-Ratio, werden sie immer ein "Zusatzgeschäft" bleiben. 

Doch den Minderheiten in Europa ist anzuraten, sich verstärkt darüber Gedanken zu machen, wie sie ihre Bedeutung noch besser zur Geltung bringen können. 

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