„Putin-Versteher“ gegen „Putin-Gegner“


Wie wird sich das Verhältnis zwischen Russland und der EU entwickeln und welche Auswirkungen hat dieses auf die zukünftige Friedensordnung in Europa? Wie Deutschland und die EU auf die russische Politik und die neuen sicherheitspolitischen Gefahren reagieren sollte, spaltet derzeit die Gemüter. 

Es gibt wohl keine (vernünftigen) Beobachter, die nicht mit großer Bekümmerung auf die Kreml-Politik blicken und die drohende Eskalation zwischen dem Westen und Russland mit wachsender Sorge betrachten.

Mit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim, der aktiven Unterstützung der Rebellen im Osten der Ukraine, um nicht die „frozen conflicts“ in Abchasien, Ossetien, Transnistrien oder die seit Jahrzehnten andauernden systematischen Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien zu nennen, hat die russische Politik die Friedensordnung in Europa in Frage gestellt. Sicher muss man auch der EU und der USA in der Ukraine-Politik Fehler vorwerfen. Doch kann wenig Zweifel daran herrschen, von welcher Seite derzeit die Hauptaggression ausgeht. 

Vor allem die Minderheiten sind alarmiert: In geopolitischen Konflikte geraten erfahrungsgemäß zumeist die Minderheiten bzw. die Menschenrechte als erste unter Beschuss. 

Doch wie gehen wir mit der Krise, dem Konflikt, mit Russland am besten um, damit eine weitere Eskalation vermieden werden kann? 

Putin-Gegner treffen auf sog. Putin-Versteher.  

Heribert Prantl - einer der geistreichsten Leitartikler in Deutschland hat diesen Antagonismus in der Süddeutschen Zeitung auf den Punkt gebracht und einen „Generationenkonflikt“ ausgemacht. Er kommentiert den offenen Brief von 64 Prominente die zum Frieden in Europa aufrufen. Sie warnen davor, angesichts der Ukraine-Krise Russland zu dämonisieren:


Zu konstatieren ist eine tiefe Meinungsspaltung in Deutschland: Auf der einen Seite stehen die, die als "Russland-Versteher" tituliert werden, auf der anderen Seite die Putin-Gegner. Auf der einen Seite stehen die, die an den Wandel durch Annäherung glauben; auf der anderen diejenigen, die davor warnen, auf einen Wandel durch Anbiederung zu vertrauen. Es gibt viel Entweder - Oder, es gibt wenig dazwischen. Die Positionierung ist offenbar auch eine Generationen-Frage. Das Durchschnittsalter der Unterzeichner des Aufrufs liegt weit jenseits der 65. Es sind Leute, die den Kalten Krieg erlebt und zum Teil an der Überwindung der Spaltung Europas selbst mitgewirkt haben. 

Eine jüngere Generation, weit weg vom 2. Weltkrieg aufgewachsen, urteilt über Russland viel schärfer, russlandkritischer, sanktionsfreundlicher und drohender. Diese Generation ist mit Gorbatschows Glasnost und Perestroika politisch sozialisiert worden, sie hat den Wert den Freiheits- und der Menschenrechte inhaliert - und sie ist vom Putin-Russland und der dortigen Regression bei den Freiheits- und Menschenrechten schrecklich enttäuscht. Aber auch in dieser Enttäuschung kann der Rat der Alten wichtig und richtig sein.

Das bietet zwar keinen Lösungsansatz für die verfahrene Sitatuation, fordert aber zurecht dazu auf, dass sich „Putin-Versteher“ und „Putin-Gegner“ in ihren Argumenten annähern. 

(06.12.2014)

Foto: Lizensfrei - www.123rf.com 

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