Der Euro, Griechenland, die EZB und die dänische Wirtschaft



Der Artikel ist in der Kolumne "Diese Woche in Kopenhagen" im "Der Nordschleswiger" erschienen.

Welch ein politischer Paukenschlag! Die mit der dänischen Einheitsliste oder der deutschen Linkspartei vergleichbare Syriza hat in Griechenland die Wahl gewonnen und schrammt – wegen des etwas seltsamen Wahlsystems, das der stärksten Partei 50 Zusatzmandate im Parlament sichert, nur knapp an der absoluten Mehrheit vorbei. 

Ganz Europa hält den Atem an. Der charismatische Chef der Linkssozialisten Alexis Tsipras hatte im Wahlkampf versprochen, die Vereinbarung mit den Gläubigern des restlos verschuldeten Staates, wenn nicht „zu zerreißen“, dann doch „neu zu verhandeln“. Die massiven Einsparungen der vergangenen Jahre haben zu einer Verarmung eines großen Teils der Bevölkerung geführt, die nun gegen das politische Establishment an den Wahlurnen aufbegehrt hat.

Ein zweiter Paukenschlag trug sich bereits Ende der vergangenen Woche zu. Der Chef der Europäischen Zentralbank, der Italiener, Mario Draghi, hat sich nach einem über Monate geführten Machtkampf mit Angela Merkel und Wolfgang Schäuble durchgesetzt. Die EZB kauft seit Donnerstag bis zum September 2016 für 60 Milliarden Euro (pro Monat!) Staatsanleihen (Schuldscheine) der tief verschuldeten Euro-Staaten. Dadurch wird neues Geld in den Markt gepumpt. Die Banken und Finanzanbieter, denen die Staatsanleihen abgekauft werden  – so die Hoffnung der Banker in Frankfurt – werden das „Frischgeld“ dazu nutzen, Kredite zu vergeben und somit der lahmenden Wirtschaft im Euro-Raum eine ökonomische Frischzellenkur verpassen. In Deutschland sieht man durch diesen Schuldenankauf einen finanzpolitischen Dammbruch, hin zu einer Vergemeinschaftung der Schulden. Nach dem Motto, in Griechenland hat man schlecht gewirtschaftet und nun werden wir gemeinschaftlich durch den Kauf der Staatsanleihen für diese Misswirtschaft haften. 

Doch, was hat das nun bitte mit Dänemark zu tun? Steht Dänemark nicht außen vor, wenn es um den Euro geht? Sind wir nicht in der komfortablen Situation, nicht mit in den Abgrund gezogen zu werden, sollte sich die Gemeinschaftswährung wirklich dorthin bewegen? Weit gefehlt! Die dänische Krone ist auf Gedeih und Verderb an den Euro gekoppelt. Wenn die Banker der EZB etwas
 entscheiden, dann zieht die Nationalbank in Kopenhagen nach. So war es bislang. Aber durch die neue Politik der EZB gerät der Euro stark unter Druck – er ist auf den niedrigsten Kurs seit Jahren gesunken. Die Schweiz hat sich zum Beispiel entschieden, den Franken nicht weiter an den Euro zu binden. Mit dem Ergebnis, dass sich der Schweizer Franken enorm verteuert hat. Das hat negative Auswirkungen: Die Exporte werden u. a. teurer (man muss für Schweizer Waren im Ausland viel mehr bezahlen) und auch der Tourismus leidet – für den Euro bekommt man weniger Franken. Ein BigMac (der berühmte BigMac Preisvergleich) kostet in Zürich derzeit umgerechnet über sieben Euro. 

In Dänemark sieht man bislang keine Gefahren und freut sich eher über heimisch gute Wirtschaftsdaten und philosophiert darüber, welche Stellschrauben gedreht werden müssen, um die dänische Wirtschaft weiter auf Touren zu bringen. Doch in Berlin sieht man durchaus Gefahren am Firmament.  

Das Magazin ’Der Spiegel‘ schreibt in seiner jüngsten Ausgabe, dass Fachleute des Bundesfinanzministeriums befürchten, dass sich als Folge der lockeren Geldpolitik schon bald neue Turbulenzen am Rand der Euro-Zone entwickeln. Ähnlich wie zuletzt die Schweiz könnten auch andere Länder, die ihre Währung an den Euro gekoppelt haben, in Schwierigkeiten geraten. Es sei gut möglich, dass die Länder – der Spiegel nennt Dänemark und Polen – einen neuen Wechselkurs zum Euro finden müssen oder ihre Bindung an die Gemeinschaftswährung gleich ganz aufgeben. 
Es besteht also kein Grund zur Schadenfreude. Die Auffassung, eine eigenständige Krone sichere gegenüber dem Euro auch eine finanzielle Unabhängigkeit, ist ein gefährlicher, finanzpolitisch romantisierender Trugschluss. 

Ob wir wollen oder nicht – die Wahl in Griechenland und die Entscheidung von der EZB zum Schuldenkauf hat wohl mehr Einfluss auf die heimische Wirtschaftsentwicklung, als ein neuer „Wachstumsplan“, der im Folketing verabschiedet werden sollte. 

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