Minderheitensprachen in Schweden – Ministerrat spricht Empfehlungen aus


Schweden zeigte lange Zeit kein politisches Interesse daran, sich mit den eigenen Minderheiten und den Regional- und Minderheitensprachen des Landes zu beschäftigen. Das hat sich erst in den 90iger Jahren geändert. Mittlerweile gibt es in dem skandinavischen Land ein Minderheitengesetz und eine positive Entwicklung zu verzeichnen. 

Die Finnenschweden und Meänkieli (Torndaler Finnen) werden auf rund 500.000 Angehörige, oder 6% der Bevölkerung geschätzt. Da es keine offizielle Statistik gibt, die über die nationale Zugehörigkeit Auskunft verleiht – sind die Zahlen Schätzungen. Demnach leben rund 30.000 Samen, 40.000 Roma und rund 25.000 Jiddisch-sprachige in Schweden. 

Interessant ist die Lage der Rund 3.000 Älvdalisch Sprechenden -  Älvdalisch  ist bislang noch nicht als Minderheitensprache anerkannt (Artikel hier).

Schweden ist im Jahr 2000 der völkerrechtlich bindenden Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen beigetreten.  Im Januar 2015 hat der Ministerrat des Europarates den fünften Staatenbericht für Schweden entgegen genommen und einige Empfehlungen ausgesprochen, wie Stockholm den Schutz der Regional- und Minderheitensprachen verbessern kann. Diese Empfehlungen basieren auf einen 70-seitigen „Monitoring-Bericht“ des Expertenkomitees. Die Fachleute hatten sich 2014 im Gespräch mit den Minderheitenvertretern und den staatlichen Stellen vor Ort in Schweden über die Situation informiert.

Der Ministerrat lobt die Fortschritte, die Schweden in den vergangenen Jahrzehnten gemacht hat. Das Minderheitengesetz gibt einen formalen Rahmen für den Schutz der Regionalsprachen vor. Doch in der konkreten Umsetzung hapert es im Detail und der Implementierung der Vorgaben. Die europäischen Experten vermissen unter anderem einen „strukturierten Ansatz einer Sprachenpolitik“ für alle Regional- und Minderheitensprachen, sowie ihren jeweiligen Varianten. Während es im Medienbereich wenig Beanstandung gibt, machen die Experten darauf aufmerksam, dass es vor allem im Bildungsbereich konkreter Verbesserungen bedarf. Die Möglichkeit, die Minderheitensprachen auf hinlänglichem Niveau zu erlernen, ist demnach in keiner Sprache möglich. Es fehlt demnach unter anderem Lehrmaterial und an qualifizierten Lehrkräften. 

Quellen: Bericht des Expertenkomitees und Emfehlungen des Ministerrates (2014-2015) und Christoph Pan, Minderheitenrechte in Europa. Handbuch der europäischen Volksgruppen; S. 439ff

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