Pegida und die bunten Minderheiten im Grenzland

Der BLOG ist als "Standpunkt" am 22. Januar in "Der Nordschleswiger" erschienen. 


In Flensburg demonstrierten am vergangenen Montag (19. Januar 2015) rund 3.000 Bürger der Stadt und der gesamten Region für ein „buntes Flensburg “ - gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Die Pegida-Aufmärsche (Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes) erhielten damit aus dem Norden Deutschlands eine deutliche Antwort. Die Veranstalter sind stolz auf ihre Stadt und die Region – denn es kamen weit mehr Demonstranten als erwartet. 

Als Hauptrednerin war Anke Spoorendonk (SSW) dabei, die sowohl als Vertreterin der Landesregierung als auch der dänischen Minderheit sprach. Die dänische Minderheit war bei dem Marsch für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit stark vertreten – auch zahlreiche Angehörige der deutschen Minderheit waren aus Nordschleswig angereist. 

Flensburg ist eben nicht nur die Hauptstadt der deutsch-dänischen Grenzregion, sondern vor allem auch eine „Minderheitenstadt“, die synonym für eine ganze Region, in ihrer Geschichte viel an Gegeneinander und Jahrzehnte des harten Grenzkampfes gekannt hat. Daraus ist  eine Region und Stadt gewachsen, die nun das sprichwörtliche Miteinander lebt, wie die Demonstranten eindrucksvoll unterstrichen. 

Diese besondere Rolle Flensburgs und der gesamten Region, hat im hohen Maße auch mit den historischen Lernprozessen der vergangenen Jahrzehnte zu tun. Die Minderheiten wissen, was es heißt, ausgegrenzt zu sein und sich gar verleugnen zu müssen. Dies ist sicher auch ein Grund für den großen Anschluss aus Minderheitenkreisen an dem Marsch durch Flensburg. 

Die autochthonen (alteingesessenen) Minderheiten im Grenzland - Dänen, Deutsche, Friesen und Sinti - haben wichtige Erfahrungswerte bei der gesellschaftlichen Integration (was nicht mit Assimilation zu verwechseln ist). Diese Erfahrungen könnten bei der manchmal schwierigen Integration sog. neuer Minderheiten besser genutzt werden. 

Die Minderheiten sind natürlich nicht sozusagen von Haus aus verpflichtet, die Integrationssorgen der Gesellschaft zu lösen – das können sie gar nicht. Doch sie können einen Beitrag leisten, um längerfristig der Pegida und ihren dumpfen Ressentiments den Wind aus den Segeln zu nehmen. Denn Minderheiten und Mehrheit können sehr wohl solidarisch und gleichberechtigt zusammenleben – das wurde in Flensburg ganz deutlich gemacht. 

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