Roma in Europa - Bezeichnung und ihre Hintergründe


Die Flagge der Roma wurde beim First World Romani Congress 1971 in London als allgemeines Symbol der internationalen Roma-Ethnie proklamiert. Das Blau in der oberen Hälfte und das Grün in der unteren Hälfte repräsentieren Himmel und Erde. Außerdem enthält die Flagge der Roma ein rotes Chakra, auch Speichenrad genannt, im Zentrum der Flagge. Das Chakra bezieht sich auf die indische Herkunft der Roma. Das Symbol ist umstritten. So verwendet der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma es nicht. Das Rad stehe für die Vorstellung von einer "nomadisierenden" Bevölkerungsgruppe, welches die meisten Roma und Sinti lange nicht mehr seien. (Quelle: wikipedia)





Dass es in Europa die Roma gibt, ist klar. Das weiss jeder - doch wer sind die Sinti, Gitano, Ägypter, Tsiganes, Ciganos, Traveller, Zigeuner etc.

In Europa leben schätzungsweise rund 14 Millionen Menschen, die sich zu den Minderheiten der Roma (hier genutzt als Oberbegriff der verschiedenen Gruppen) zählen.

Die Roma leben seit Jahrhunderten unterdrückt, verfolgt und erlebten im Porajmos den strukturierten Versuch der Ausrotung ihres Volkes, vergleichbar mit dem Schicksal der Juden in der Shoah. Rund 100.000 - 200.000 Roma wurden ermordet. 

Aktuell sorgt in den Medien eine Geschichte für Furore, die belegt, wie weit der Antiziganisums noch heute verbreitet ist:  Ein Bürgermeister in Frankreich weigert sich ein Roma-Kind auf dem Friedhof des Dorfes zu beerdigen

Ein sehr zu empfehlendes Buch hat Klaus-Michael Bogdal geschrieben - „Europa erfindet die Zigeuner: Eine Geschichte von Faszination und Verachtung“


Geborene Diebe und Lügner, Gefährten des Satans, Waldmenschen, unzähmbare Wilde, eine Bande von Asozialen … Dies sind nur einige der Zuschreibungen, mit denen die Romvölker Europas in den letzten 600 Jahren ausgegrenzt wurden. Wie es möglich wurde, dass jahrhundertealter Hass in einem Spannungsverhältnis von Faszination und Verachtung sich bis heute halten konnte zum ersten Mal im europäischen Vergleich. 

Viele Roma leben - vor allem in Mittel- und Osteuropa - unter völlig inakzeptablen Bedingungen. Viele machen sich auf den Weg und suchen in Westeuropa ein besseres Leben. Es herrscht große soziale Not und in einigen europäischen Städten, entwickeln sich ganze Stadteile zu sozialen Brennpunkten. 

Es ist wichtig zwischen der sozialen Bedrängnis und der latenten und offenen Diskriminierung unter denen die Roma größtenteils leben einerseits und der kulturelle Vielfalt, die diese verschiedenen Gruppen ebenfalls ausmachen andererseits zu unterscheiden. Abzulehnen sind Begründungen, die das soziale Elend der Roma mit „kultureller Akzeptanz“ zu begegnen versuchen. Kulturelle Akzeptanz ist wichtig und trägt zu Integration bei, aber löst nicht die soziale Misere. Sprüche wie: „So sind die Roma, das ist ihr Lebensstil, wir müssen ihnen auf Augenhöhe in ihrer Kultur begegnen“, sind im besten Fall paternalistisch-gut gemeinte Erklärungsmuster für komplexe Probleme, im schlimmsten Fall verbirgt sich dahinter ein (unbewusster) Rassismus.  

Für die deutschen Leser empfiehlt sich ein Besuch im Dokumentationszentrum der Sinti- und Roma, vom Dachverband der Sinti in Deutschland in Heidelberg.  

In Deutschland wird der „Oberbegriff“ „Sinti und Roma“ benutzt. Entstanden ist dieser in der Bürgerrechtsbewegung der 70er und 80er Jahre (vor allem durch die Gesellschaft für bedrohte Völker), die sich für eine Anerkennung der heute rund 60.000 Sinti und Roma in Deutschland eingesetzt hat. Die autochthonen Sinti (deutsche Staatsbürger) sind heute gut integriert und leben verstreut in ganz Deutschland. Eine wachsende Anzahl Roma zieht aus dem europäischen Ausland als Arbeitssuchende oder Flüchtlinge nach Deutschland.   

Die Sprachwissenschaftler haben kluge Bücher über die Bezeichnung und deren Herkunft der Roma geschrieben. Vereinfacht kann man sagen, dass die Hauptbezeichnungen auf zwei Richtungen abzuleiten sind. Einmal die „Ägypter“  (es wurde im Mittelalter vor allem verbreitet, dass die Roma ursprünglich aus Ägypten stammen, was nicht stimmt). Gypsy (Englisch), Gitano (Spanien), Gitans (Frankreich). Die zweite Bezeichnung soll auf das altgriechische Wort für „unberührbare“ „atsiganos“ zurückzuführen sein: Tigani (Rumänien), Cigány (Ungarn), Tsiganes (Frankreich), Ciganos (Portugal), Zigeuner (Deutschland, Niederlande), Zingari (Italien), cikany (Tschechien), cigani/cigane (in zahlreichen slawischen Sprachen).

Es ist wichtig festzuhalten, dass es sich bei vielen der oben benutzten Bezeichnungen um „Fremdbezeichnungen“ handelt, die von vielen Roma als diskriminierend empfunden werden. So gilt der Begriff Zigeuner unter den Sinti und Roma in Deutschland als pejorativ. 

Der Europarat rät zum Gebrauch der Sammelbezeichnung Roma. Die OSZE nutzt (meist) Roma und Sinti. Die EU nutzt ebenfalls den Begriff Roma. 

Rom bedeutet in der direkten Übersetzung „Mann von Roma-Herkunft oder auch Ehemann". Die weibliche Form ist Romni. Doch der Begriff Rom wird heute gängig als Bezeichnung für Mann und Frau genutzt. 


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