Langbehn und Oeversee - eine Frage der Identität


Die vergangene Woche stand für mich im Zeichen der (Minderheiten)-Geschichte. Mit dem traditionellen Oeverseemarsch, der seit 12 Jahren gemeinsam von Stammkomitee 1864 und dem Sydslesvig Forening (SSF), der dänischen Minderheit, veranstaltet wird und der lebhaften Diskussionsrunde über die (Um)-Benennung des „Langbehnhauses“ auf dem Knivsberg. 

Die Minderheiten im Grenzland, die ein Produkt der neueren europäischen Geschichte sind, beziehen sich immer wieder und das ist nicht weiter verwunderlich - auf ihre historischen Wurzeln. Daher ist auch der Oeverseemarsch, mit seinen etwas verstaubt wirkenden Traditionen, dennoch durchaus noch zeitgemäß. Damit lässt sich auch erklären, warum die Namensgebung des Hauses auf dem Knivsberg, die intern in der deutschen Minderheit für so viel Aufmerksamkeit und kritische Diskussion sorgt, so bedeutend ist. 

Dass die deutsche Minderheit sich so intensiv mit der eigenen, nicht nur rühmlichen Geschichte beschäftigt, ist positiv; einige mögen meinen, die Diskussion komme 10 - 20 Jahre oder gar mehr zu spät. Dennoch sollte dies nicht die Bemühungen in ihrer Bedeutung schmälern, heute sich der eigenen Vergangenheit kritisch zu stellen. Auch auf die Gefahr hin, dass Diskussionen von Langbehn auch zu anderen Personen, wie in Apenrade angesprochen, z.B. Schmidt-Gorsblock, führen können.

Die Diskussion im Haus Nordschleswig zeigte deutlich, dass es noch genügend Anlässe gibt, selbst initiativ zu werden. Nicht im Sinne eines sich selbst genügenden historischen Diskurs, sondern mit Blick auf die Zukunft der Minderheit. 

An geschichtlichen Bezügen und vor allem Jubiläen mangelt es uns derzeit nicht. Im vergangenen Jahr wurde fast schon zum Überdruss dem deutsch-dänischen Krieg von 1864 gedacht. 2015 mit den 60-jährigen Jubiläum der Bonner und Kopenhagener Erklärung steht erneut ein wichtiges Ereignis auf dem Programm. In fünf Jahren, 2020 - wird es „ernst“, wenn 100 Jahre seit der Grenzziehung vergangen sind. 

Diese Jubiläen sind auch ein Lakmustest für die Minderheiten selbst; denn eine alleinige historische Nabelschau als Daseinsberechtigung reicht nicht aus. Seitdem nationale Gegensätze keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen, sind andere Identitätsfaktoren notwendig. Die eigene Minderheitenidentität - will sie nicht zur Folklore ohne Zukunft verkommen - muss über historische Bezugspunkte hinausreichen.

Wir müssen uns ernsthaft damit auseinandersetzen - und da kommen die beiden Jubiläen 2015 und 2020 uns gelegen - mit welchen Themen und Bezugspunkten, wir uns als Minderheit, in einer immer globaleren Welt, in der Grenzen (Gottseidank) nur noch eine randständige Rolle spielen, definieren. Wo wollen wir 2020 stehen und als moderene Minderheiten im Grenzland wahrgenommen werden?

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