Politik ist keine Mathematik



Der Wähler ist ein flüchtiges und für unsere Politiker nur noch schwer zu packendes Geschöpf. 
Früher stimmte der Arbeiter und Angestellte mit ziemlicher Sicherheit für das „rote Lager“. Ferner konnte man sicher wissen, dass der Landwirt und Unternehmer den in Dänemark sogenannten „blauen Block“ bevorzugen würde. Doch die Zeiten, in denen sich das Parteibuch in der Familie und nach sozialer Schicht weiter vererbte, sind endgültig vorbei.

Ein Wähler, der 2011 noch den Sozialdemokraten sein Kreuz geliehen hatte, kann bei der nächsten Wahl ohne weiteres eine Stimme für die Dänische Volkspartei sein. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, wenn die Sozialisten von SF derzeit politische Vorschläge der Rechtspopulisten von DF im Sozialbereich loben; die Strategen von SF sehen in den DF-Sympathisanten potentielle SF-Wähler.

Diese Wechselstimmung lässt den Druck auf die Parteien anwachsen, medienwirksam ihre Konzepte zu verkaufen. Es geht dabei vor allem um smartes Marketing, gute Presse und schmissige Slogans. Je näher der Wahltag rückt, um so markiger versuchen die Wahlkämpfer die politischen Unterschiede herauszuarbeiten, um den zögernden und wechselbereiten Wähler zu umgarnen. Das nimmt zum Teil etwas „komische“ Züge an – vor allem im Bereich der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. 

Die Politiker und ihre Parteien präsentieren gerne Vorschläge für „Wachstumspakete“, „Arbeitsmarktimpulse“, „Steuersenkungsvorhaben“.  Venstre hat sich bekanntlich (bislang) mit dem „Null-Wachstum“ im öffentlichen Sektor profiliert. Auch die Sozialdemokraten halten sich nicht mit (natürlich immer positiven) Berechnungen ihrer Zukunftspläne zurück. Die (neo)-Liberalen von der Liberalen Allianz gehen jedoch am selbstsichersten und radikalsten zu Werk. Sie vertreten die These, man solle die Steuern nur drastisch genug senken, dann würde die derzeit durch den hohen Steuerdruck in Dänemark gefesselte Wirtschaft - befreit und stark - für ein nachhaltiges Wachstum sorgen, welches dann wiederum neue Jobs und Steuereinnahmen entstehen lassen.  Die Parteien lassen ihre Pläne gerne von Wirtschaftsexperten oder den Zahlenjongleuren aus dem Finanzministerium berechnen. Sozusagen bis auf das Komma eine genaue Berechnung der Auswirkungen der eigenen politischen Pläne.  Nun wusste bereits Brecht zu sagen:
 „Ja, mach nur einen Plan, sei nur ein großes Licht, und mach dann noch'nen zweiten Plan, gehn tun sie beide nicht.“ 
Auch unsere Politiker wissen natürlich, dass die in Prozent ausgedrückten Zukunftspläne nur Wunschvorstellungen sein können, die in der Realität nie eins zu eins eintreffen werden. Dass die Politiker trotzdem an diesen eher luftigen Vorhersagen festhalten, liegt im oben beschriebenen „Konkurrenzkampf um den Wechselwähler“ begründet. 

Man möchte überzeugen und darstellen, dass man einen Plan für die Zukunft des Landes hat, der sich sicher berechnen lässt. 

Es bleibt jedoch ein Irrglaube, zu meinen, dass Politik zu berechnen sei, wie eine mathematische Gleichung. Die Unbekannten und Variablen sind einfach zu vielfältig und die Berechnung zu komplex, um sichere Vorhersagen machen zu können. Daher sollte man als Wähler immer dann kritisch-skeptisch aufhorchen, wenn die wahlkämpfenden Politiker behaupten, die Finanzexperten hätten berechnet, dass just ihr politischer Vorschlag bei einer Umsetzung x % Wirtschaftswachstum oder x-tausend  neue Arbeitsplätze bringen würde. Politik ist halt keine mathematisch berechenbare Gleichung.  

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