Bonn-Kopenhagener Erklärungen – Es darf gefeiert werden



Der BLOG ist als Kolumne "Bericht aus Kopenhagen" in Der Nordschleswiger erschienen. 

Am Wochenende hat der Kieler Landtag, gemeinsam mit dem Kopenhagener Folketing, den Reigen der Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Bonn-Kopenhagener Erklärungen mit einer zweitägigen Veranstaltung in der Akademie Sankelmark eingeleitet.

Das Wochenende war eine angenehme und kurzweilige Feier der eigenen Erfolge. 

Die deutsche Minderheit in Nordschleswig hat sich in den vergangenen Monaten mit der eigenen Vergangenheit beschäftigt – sei es bei der Benennung des Langbehn-Hauses auf dem Knivsberg oder der Vergangenheitsbewältigung bzw. dem Mangel an selbiger. 

Dieser Diskurs ist im vollen Gange und das ist gut so. Eine jede Generation muss sich die Fragen der Geschichte neu stellen, alles andere käme einer Selbstaufgabe gleich. 

Doch sind Jubiläumsfeierlichkeiten, wie die am vergangenen Wochenende in Sankelmark, ein guter Anlass, um sich – neben aller berechtigter kritischer Beschäftigung mit der eigenen Situation – vor Augen zu führen, wie beeindruckend die Erfolge der Vergangenheit gewesen sind und darüber nachzudenken, was eigentlich ursächlich für das heute als „Modell“ titulierte Minderheitenzusammenleben im Grenzland gewesen ist.

Die beiden Generalsekretäre a. D. Peter Iver Johannsen (BDN) und Karl Kring (SSF) beantworteten eindrucksvoll, warum das deutsch-dänische Minderheitenmodell zu einem solchen Erfolg wachsen konnte. Es lag nämlich nicht (allein) an den „von oben bestimmten“ Bonn-Kopenhagener Erklärungen, in denen eigentlich gar nicht so viel drin steht, wie Jørgen Kühl in seiner gut strukturierten Festrede erläuterte. Es sind die Menschen, die nach 1955 diese Erklärungen immer wieder mit Leben gefüllt haben – unter anderem der dänische Staatsminister H. C. Hansen, der in Ton und Bild (Dank an den NDR) in einer wunderbaren deutschen Sprache, zehn Jahre nach dem Abzug der deutschen Besatzer, von „Versöhnung im europäischen Geist“ sprach.  Oder Bertel Haarder, Vizepräsident des dänischen Parlaments, der nur wenige Kilometer von Sankelmark entfernt aufgewachsen ist und mit persönlichen Erinnerungen in seiner Rede als Vertreter des dänischen Parlaments in Sankelmark beitrug. 

Doch zuvorderst eben Peter Iver Johannsen und Karl Kring, die mit einem sehr grenzlandtypischen Understatement über die schwere Zeit nach dem zweiten Weltkrieg und dem einsetzenden Grenzkampf berichteten. Nicht in Erklärungen oder formalisierten Prozessen, sondern durch Menschen, die mit viel Zeit und Geduld sich näher gekommen sind und Kompromisse eingegangen sind, wurde das Fundament für die heutigen Erfolge gelegt. 
Den Willen und die Wünsche des jeweils Anderen zu erkennen, anzuerkennen und zu befördern, das ist das „Geheimrezept“.

Es ist eine gute Idee, die Erfolge des Grenzlandes stärker in die europäischen Krisengebiete „transportieren“  zu wollen, wie auch am Wochenende erneut vorgetragen wurde. 

Natürlich ist einem jeden dabei bewusst, dass dies nicht während eines Wochenendseminars oder durch den Besuch unserer Institutionen im Grenzland gelingen kann. Es gibt bereits Ansätze – unter anderem durchaus erfolgreich veranstaltet vom ECMI – die versuchen, in Minderheitenregionen zu vermitteln. Die Idee eines „Camp David“ im Grenzland (der Name ist eher ungünstig gewählt, da im Camp David nicht unbedingt die erfolgreichsten Verhandlungen geführt wurden) und eines Vermitteln zwischen Konfliktparteien im Grenzland ist nicht neu, aber weiterhin ansprechend. Erfolgreich wird diese ambitionierte Idee nur dann sein, wenn es gelingt, diesen oben beschriebenen Effekt des Zusammenlebens über Zeit, der durch Personen wie Bertel Haarder, Peter Iver Johannsen und Karl Kring verkörpert wird, zu vermitteln. Erklärungen alleine reichen niemals aus. 

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