Karelisch stemmt sich gegen die sprachliche Assimilierung - Neuer Nachrichtendienst soll helfen

Karte Kareliens (Quelle:Wikipedia)

Karelisch ist als Sprache in Finnland vom Aussterben bedroht. Doch die geschätzten 25.000 Sprecher (5.000 Muttersprachler)  geben sich und ihre Sprache und Kultur nicht ohne weiteres auf. Ende Februar 2015 ging ein Nachrichtendienst in Karelischer Sprache auf Sendung. 

Der Dienst ist um eine Radionachrichtensetzung zentriet, doch der neue Service, Yle uudizet karjalakse, bietet auch Online-Nachrichten. (hier ein Bericht über den Radiosender in englischer Sprache)

Die karelischen Nachrichten werden von der Wissenschaftlerin Natalia Giloeva erstellt, die ihre finnischen Landsleute dazu auffordert, sich die Beiträge anzuhören:

"Die Finnen können die Nachrichten verfolgen, denn Karelisch ist der nächste Verwandte der finnischen Sprache und kann auch von Finnen ohne große Schwierigkeiten verstanden werden", erklärt Giloeva.

Giloeva weist außerdem darauf hin, dass die karelische Sprache in Gefahr steht auszusterben, und die bedrängte Sprache Unterstützer braucht, um eine Zukunft zu haben.

"Finnlands karelisch Sprecher sind eine nationale Minderheit und Karelisch wird als Minderheitensprache klassifiziert", sagt sie. "Auch wenn die Wiederbelebungsmaßnahmen gut funktionieren, ist die Sprache immer noch gefährdet."


Eine kompakte Übersicht über das Karelische in Finnland bietet das ELDIA (European Language Diversity for All) Projekt 

Karelisch in Finnland ist die Herkunftssprache der karelischstämmigen Finnen, die ihre Wurzeln in Viena-Karelien, in den wenigen karelischen Dörfern in der Ilomantsi-Region nahe der russischen Grenze oder, in den meisten Fällen, im historischen „Grenz-Karelien“ haben, d.h. in den östlichen Gemeinden Finnlands aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg: Salmi, Suistamo, Suojärvi und (Teile von) Suomussalmi. Die letztgenannten Gebiete gehörten zu jenen Teilen Finnlands, die nach dem Friedensvertrag von Paris 1947 an die Sowjetunion abgetreten wurden. Als die Bewohner der aufgegebenen Gebiete evakuiert und systematisch in verschiedenen Teilen Finnlands wiederangesiedelt wurden, bekam die karelischsprachige Bevölkerung, ein paar Tausend Menschen, neue Wohnsitze, hauptsächlich in der Region um  Kuopio. Infolge der Nachkriegsmobilität und der internen Migration leben sie nun verstreut über das ganze Land und Karelisch wird in Finnland nicht länger als Sprache lokaler Gemeinschaften gesprochen.

Heute gibt es Schätzungen zufolge noch 5.000 Muttersprachler in Finnland (es existiert keine offizielle Sprecherstatistik), die meisten von ihnen gehören der älteren Generation an. Sowohl lexikalisch als auch grammatikalisch unterscheidet sich das Karelische drastisch von den finnischen Varietäten, die in den neuen Wohngebieten der wieder angesiedelten Karelier gesprochen werden. Das bedeutet, dass die sprachliche Neuorientierung oder Assimilation der karelischsprachigen Bevölkerung in der Nachkriegszeit sehr rasch stattgefunden haben muss; allerdings wurde die sprachliche Adaptierung der Grenz-Karelier noch nicht systematisch erforscht, es existieren lediglich sporadische Informationen über die offensichtliche Finnisierung der karelischen Varietäten in Finnland.

Die Eckpfeiler der ethnischen Identität der heutigen Karelisch-Sprecher in Finnland sind der orthodoxe Glaube, karelische Traditionen und die karelische Sprache. Sie werden durch zahlreiche karelische Verbände und Vereine aufrechterhalten, während der finnische Staat den sprachlichen und kulturellen Rechten seiner karelischsprachigen Bürger bis jetzt kaum Beachtung geschenkt hat. Während der letzten Jahre wurden jedoch einige wichtige Initiativen gegründet. Im Jahr 2008 wurde eine Professur des Karelischen an der Universität in Joensuu gegründet, erste karelische „Sprachnester“ (Vorschul-Sprachgruppen) wurden eingerichtet, eine beachtliche Menge an literarischen Werken wurde in Karelien in den letzten Jahren herausgegeben und eine karelischsprachige Radiosendung hält Sprecher des Karelischen in Finnland über Themen, die die ihre Herkunftssprache in Finnland, aber auch in Russland betreffen, auf dem Laufenden.

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