Minderheitensprachen machen im Europäischen Parlament mobil

Treffen im EP. Foto: UNPO

Rund 100 Teilnehmer waren der Einladung der Abgeordneten Csaba Sogor (EVP) und Herbert Dorfmann (EVP) gefolgt, die gemeinsam mit der Organisation der nichtrepräsentierten Nationen und Völker (UNPO) und der Europäischen Freien Allianz (EFA), am 24. Februar 2015 zu einer Diskussionsveranstaltung ins Europäische Parlament geladen hatten. 

Hier ein umfassender Bericht, erschienen bei UNPO (englisch)

Im Zentrum stand die  Kritik an der fehlenden Sprachenpolitik der Europäischen Union und der Weigerung der Mitgliedsstaaten sowie der Europäischen Kommission etwas gegen das europaweite Sprachensterben zu tun. Die Konferenz sollte dazu beitragen, in Richtung der passiven Europäischen Kommission ein Zeichen zu setzen. 

Johan Häggman, Experte für Mehrsprachigkeit und ehemals bei der Generaldirektion Übersetzung der Europäischen Kommission tätig, konnte dies sozusagen als ehemalige Mitarbeiter der Kommission den schwindenden Einfluss des Politikbereiches nachzeichnen.  


Die Sorbische Zeitung aus Bautzen berichtet in ihrer deutschen Ausgabe:

Der Europaabgeordnete Herbert Dorfmann (EPP) aus Südtirol formulierte klar: „Alle Bürger der Europäischen Union haben das Recht, ihre Muttersprache zu sprechen. Das ist ein Menschenrecht, das in Europa garantiert werden muss.“ Er unterstrich, dass dafür in seiner Heimat gute Bedingungen herrschen. 

Sebahattin Abdurrahman, Vertreter der Förderation der West-Thrakier Türken (ABTTF), schilderte hingegen ein ganz anderes Bild. In Griechenland gibt es für seine Minderheit faktisch keine Sprachförderung. „In der Schule wird griechisch gelehrt und Vereine dürfen keinen türkischen Namen haben.“ 

Der Vorsitzende der Lausitzer Allianz Hannes Wilhelm-Kell erläuterte Maß- nahmen zur sorbischsprachigen Bildung. Die Vorsitzende des Sorbischen Schulvereins Ludmila Budar hatte ihm dazu Daten und Fakten zugearbeitet. „Ei- ne Maßnahme zur Sprachförderung aus dem Volk heraus, mit mittlerweile gewisser staatlicher Unterstützung, ist das Witaj-Projekt“, so Wilhelm-Kell. Dabei unterstrich er, dass es soziale, interaktive und kognitive Fähigkeiten der Kinder fördere. Er erläuterte auch den Wissensvorsprung mehrsprachiger Kinder in der Lausitz. Bei allen positiven Ergebnissen verleugnet er nicht: „Durch den derzeitigen Demographiewandel in der Lausitz nehmen die Teilnehmerzahlen beim Sorbischlernen ab.“ Dabei verwies er auf den akuten Lehrermangel für das Fach Sorbisch sowie den Fachunterricht in sorbischer Sprache. 

Prof. Paul Videsott von der Freien Universität Bozen und Direktor des Südtiroler Volksgruppen-Institutes erläuterte: „Zum Schutz der ladinische Sprachminderheit in Südtirol ist es sehr wichtig die mehrsprachige Schulen in den ladinischen Tälern zu erhalten.“ Damit reagierte er auf Worte von Wilhelm Kell, wonach zwei sorbische Schulen geschlossen werden mussten, da nach dem sächsischen Schulgesetz nicht genügend Schüler angemeldet waren. Videsott nannte einen weiteren Aspekt: „Wirtschaftliche Perspektiven für Angehörige von Minderheiten sind sehr wichtig und somit attraktive Arbeitsplätze vor Ort. Nur so kann eine Abwanderung und das Auseinanderbrechen der Sprachgruppe verhindert werden.“ 

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