Schilder-Stürmchen: Nordschleswig ist nicht Kärnten


Nein, bei uns in Dänemark ist die Diskussion über zweisprachige Ortschilder nicht mit Kärnten zu vergleichen. Gott sei Dank. Es ist nicht das allüberschattende Thema, das über Jahrzehnte für Zwist zwischen Minderheit und Mehrheit sorgt. 

Dennoch – es wird aktuell fleißig debattiert in den sozialen Medien, in den regionalen Zeitungen, und wir haben es sogar mal wieder in die landesweiten Medien geschafft. Anlass ist just eine Diskussion über zweisprachige Ortschilder im dänischen Nordschleswig / Sønderjylland, wo die deutsche Minderheit beheimatet ist. Der Europarat hat nach seinem jüngsten Besuch erneut kritisch festgehalten, dass es in Dänemark keine zweisprachigen Ortschilder gibt. 

Die deutsche Minderheit hat sich immer etwas schwer mit den mittlerweile in europäischen  Minderheitenregionen als „Standard“ anzusehenden zweisprachigen Ortsschildern getan: Man will sie, aber man will, dass die Mehrheit sie auch will, so die bislang etwas zögernde Haltung. Dahinter verbirgt sich die Befürchtung, es sich mit den dänischen Nachbarn zu verderben, falls man zu offensiv auf deutschsprachige Beschilderung pocht.

Ganz unbegründet sind diese Bedenken nicht. 2007, als der damals frisch gewählte und heute noch amtierende Vorsitzende der deutschen Minderheit, Hinrich Jürgensen, in seiner Antrittsrede zur Überlegung ansetzte, ob es nicht eine gute Idee sei – auch aus touristischen Gründen – die zweisprachige Beschilderung an ausgewählten, wenigen Ortschaften in Erwägung zu ziehen, erlebte er eine beachtliche Feuertaufe. Die größte dänische Zeitung (JyllandsPosten) hat es sich damals nicht nehmen lassen, vom „Herrenvolk“ im Leitartikel zu schwadronieren. Andere Medien zogen den Vorschlag ins Lächerliche. Es gab zwar auch positive Stimmen – aber man zog die Fühler seitens der deutschen Minderheit schnell wieder ein. 

In den vergangenen sieben Jahren ist viel geschehen. Der Dachverband der deutschen Minderheit (BDN) hat mitlerweile die Wünsche in Forderungen umformuliert und strebt nun für die vier Städte des Landesteils – Sønderborg / Sonderburg, Haderslev / Hadersleben, Tønder / Tondern und Aabenraa / Apenrade - zweisprachige Ortsschilder an. Ferner schlägt man entsprechende Schilder in den Ortschaften vor, in denen es deutsche Institutionen gibt. Auch mit dem Argument in der Hinterhand, dass im deutschen Flensburg, am Ortseingang nun schon seit geraumer Zeit auf dänisch auch Flensborg zu lesen steht.

Wenngleich die deutsche Minderheit keinen zeitlichen Masterplan für diese neuerliche Lancierung der „Schilderidee“ gelegt hat, passt der Vorschlag gut. Es wird nämlich seit zwei Jahren gefeiert. 2014 wurden in best-nachbarschaftlicher Harmonie 150 Jahre Gedenken an die Schlacht zu Düppel gefeiert. Die Bonn-Kopenhagener Erklärungen, die vielzitierten, werden in diesem Jahr 60 Jahre alt. 

Nun wird sozusagen das Sonntagsredenwohlgefühl einem Praxistest unterzogen. Wie weit ist es mit der Freundschaft, wenn die deutsche Minderheit nun zweisprachige Ortschilder einfordert?

Ein erstes Fazit der Diskussion lässt hoffen. Es hat sich vieles getan in den zurückliegenden sieben Jahren; vom Wirtschaftsverband bis Linkssozialisten haben sich Vertreter für die Idee ausgesprochen. Doch es gibt auch einige Enttäuschungen zu verzeichnen. Drei der vier Bürgermeister (es ist juristisch eine kommunale  Entscheidung) haben sich in einer ersten Stellungnahme negativ geäußert. 

Die Kommentare der Zeitungen sind ganz anders positiv, als noch vor sieben Jahren. Der Chefredakteur der dänischen Minderheitenzeitung, Flensborg Avis, Jørgen Møllekær, (sozusagen grenzüberschreitende Solidarität übend) kritisiert in deutlichen Worten die nordschleswigschen Bürgermeister. Auch die große – nicht immer durch die Geschichte unbedingt besonders „deutschfreundliche“ Regionalzeitung JydskeVestkysten unterstützt durch den Chefredakteur die Idee. In einer ersten telefonischen Umfrage durch unsere Zeitung „Der Nordschleswiger“  haben mehrere nationale Politiker das Vorhaben als Ausdruck der Normalität befürwortet. 

Doch – das ist auch zu unterstreichen – es gibt viele harsche Meldungen, die sich dagegen aussprechen und auch einige Minderheitenvertreter selbst sind nicht davon überzeugt, dass eine potentiell emotional geführte Diskussion wirklich „Not tut“ – nun wo das Verhältnis so gut sei im Grenzland. 

Es sind also bei allen Jubelfeierlichkeiten zum hervorragenden Minderheitenzusammenleben im deutsch-dänischen Grenzland (das in der Tat so und nicht ironisch zu verstehen!) auch nach 60 Jahren Aussöhnung, noch nicht alles lauter Sonnenschein. 

Es wird spannend sein, zu verfolgen, wie sich die Diskussion weiter entwickelt. 

Ich bin ganz sicher, im Zweifellfall versuchen wir es halt in sieben Jahren noch mal ... 

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