Sprachminderheiten in den Niederlanden: Offener Brief und Kritik an Regierung


Die Vertreter der Minderheitensprachen in den Niederlanden sind mit der Politik ihrer Regierung in Den Haag unzufrieden. In einem offenen Brief an die Europarat-Sekretariate der Europäischen Sprachencharta und des Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten, sowie an die Co-Vorsitzende der Intergruppe für nationale Minderheiten im Europäischen Parlament, Kinga Gál, listen die Sprachaktivisten einen Katalog an Kritikpunkten auf. (Siehe Brief im Wortlaut – englisch)

Zwar habe die Regierung 2014 eine Sprachenpolitik "Wet gebruik Friese taal" verabschiedet, doch bis heute hapere es an der Umsetzung. Es finde keine wirksame Implementierung statt, geschweige denn, seien die nötigen Geldmittel geflossen, um diese Sprachenpolitik auch umsetzen zu können, heißt es in dem „Brandbrief“.

Die Kritik kommt nicht von irgendwo her, sondern vom Europeeske Buro foar Lytse Talen (EBLT), der ein Zusammenschluss von 24 Sprachorganisationen ist, die sich für die vier in den Niederlanden anerkannten Minderheitensprachen Friesisch, Niederdeutsch, Papiamentu (eine Kreolsprache mit circa 263.000 Sprechern) und Bildts (holländische Mundart, 6000 geschätzte Sprecher) einsetzen.

Neben der allgemein fehlenden Umsetzung der Sprachenpolitik kritisiert EBLT auch den Verzug beim Berichtswesen des Europarates;  die Regierungsstellen seien bei der Abfassung des Länderberichtes bereits über ein Jahr im Rückstand

Mit Sorge wird auch die Restrukturierung des regionalen öffentlichen Rundfunks in den Niederlanden kommentiert. Sollten die Pläne der Regierung in Den Haag umgesetzt werden, ist der erfolgreich agierende friesischsprachige Sender Omrop Fryslân in seiner bisherigen Form akut bedroht. 

Der vom Europarat angemahnte „strukturierte Dialog“ zwischen der Regierung und den Organisationen der Minderheitensprachen steht bislang auch noch aus – kritisiert EBLT.

Der Brief, der als ein „Hilferuf“ nach Brüssel und Straßburg geschickt wurde, ist nachrichtlich auch an den zuständigen Minister und den Innenausschuss in Den Haag versandt worden. Vielleicht hilft dieser schriftliche „Wink mit dem Zaunpfahl“, um Fortschritte in der Sprachenpolitik in den Niederlanden zu erreichen, hoffen die Autoren. 
 

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