Universität Hamburg: Dänische Minderheit hat 104.000 Angehörige

Einmal im Jahr feiert die dänische Minderheit ihr "Årskmøde" und der Dannebrog ist immer dabei
Der BLOG ist leicht gekürzter Form auch als Artikel in "Der Nordschleswiger" erschienen.

„Das Bekenntnis zum dänischen Volkstum und zur dänischen  Kultur ist frei und darf von Amts wegen nicht bestritten oder nachgeprüft werden.“ So lautet ein Kernsatz der Bonner Erklärung, die 1955 für die dänische Minderheit unterzeichnet wurde und der heute gemeinsam mit der Kopenhagener Erklärung in Berlin, im Beisein der beiden Außenminister, feierlich gedacht wird. Doch eine Universität darf natürlich nachfragen und forschen. Genau das hat die Universität Hamburg an der Professur für Politikwissenschaften unter Prof. Dr. Kai-Uwe Schnapp gemacht und kommt zu ziemlich überraschenden Ergebnissen. 


Hier auf der Seite der Uni Hamburg

Nach der Untersuchung, die von Adrian Schaefer-Rolffs betreut wurde, ist die dänische Minderheit größer als bisher vermutet. Gängig und ohne eigentlichen empirischen Beleg, geht man derzeit davon aus, dass die dänische Minderheit rund 50.000 Menschen umfasst. Die Hamburger Wissenschaftler, die in einer repräsentativen Erhebung 2.500 Telefoninterviews in Schleswig-Holstein und Hamburg geführt haben, kommen auf ganz andere Zahlen: Den Ergebnissen aus Hamburg zufolge, ist die dänische Minderheit in Deutschland deutlich größer als bisher angenommen. Ging man bislang von rund 50.000 Angehörigen aus, so zeigt die Studie nun, dass rund 104.000 Menschen im Norden Deutschlands zur dänischen Minderheit gehören. Davon leben etwa 42.000 im Gebiet nördlich der Linie Tönning-Rendsburg-Kiel – also in der Region, die bislang als Hauptwohngebiet der Minderheit angesehen wurde. Doch auch südlich dieser Linie wohnen rund 37.000 Minderheitsangehörige, weitere rund 25.000 leben in der Freien und Hansestadt Hamburg, heißt es von der Universität Hamburg. 

Neben der Größe und der Verbreitung der Minderheit erhoben die Forscher auch Daten über die Dauer der Minderheitenzugehörigkeit und das Wahlverhalten. Dabei zeigte sich, dass je rund ein Drittel der Befragten in erster (32 Prozent), zweiter (30 Prozent) und dritter oder höherer Generation der Minderheit angehört (33 Prozent). 36 Prozent der befragten Minderheitenmitglieder gaben an, bei der letzten Landtagswahl in Schleswig-Holstein im Jahr 2012 die Partei der Minderheit, den Südschleswigschen Wählerverband (SSW), gewählt zu haben. 64 Prozent der Minderheitszugehörigen wählten eine andere Partei oder gar nicht. Darüber hinaus haben 21 Prozent der Befragten Angehörigen der dänischen Minderheit eine feste Parteibindung an den SSW, 51 Prozent neigen einer anderen Partei zu, 29 Prozent haben keine spezifische Parteibindung. Die Daten zeigen außerdem, dass Befragte vor allem dann den SSW wählen, wenn sie in einem Verein der dänischen Minderheit organisiert sind oder mindestens eines ihrer Kinder eine dänische Schule besucht. 

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