Angst vor der eigenen Ortschilder-Courage – gelingt der Durchbruch?


Das deutsch-dänische Grenzland gilt als gutes Beispiel dafür, dass Minderheitenfragen und nationale Gegensätze im Einklang zwischen Minderheit und Mehrheit gelöst werden können. Das wurde in den vergangenen Monaten auch wiederholt gefeiert (1864-Gedenken und 60-Jahre Bonn Kopenhagener Erklärungen).

Doch auch im deutsch-dänischen Grenzland sind nicht alle Fragen geklärt. Die von der deutschen Minderheit geforderte zweisprachige Beschilderung wird sich in den kommenden Tagen entscheiden. Bislang gibt es in Nordschleswig, Dänemark, keine zweisprachigen Ortschilder. An der Westküste Schleswig-Holsteins gibt es friesische Schilder und die größte Stadt der Region, Flensburg, begrüßt am Ortseingang ebenfalls zweisprachig.

Als die deutsche Minderheit 2007 den Vorschlag für zweisprachige Ortsschilder ins Spiel brachte, führte dies zu einem regionalen Mediensturm mit harten Kommentaren  - Herrenvolk zeigt Zähne, hieß es unter anderem in einem Leitartikel. Bestärkt durch den Europarat, der sich kürzlich auf Grundlage des Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten in Nordschleswig umgesehen hat und die Beschilderungswünsche der deutschen Minderheit unterstützt, wurde das Thema erneut aufgenommen. Anders als 2007 war die Stimmung in den Medien und unter dänischen Entscheidungsträgern positiv. Doch auch kritische Stimmen melden sich – gar eine „Volksabstimmung“ wurde vorgeschlagen, um das Thema der zweisprachigen Beschilderung zu bescheiden. Leider gibt es Anzeichen dafür, dass sich die bislang positive Kommune Tondern sich wieder zurückzieht. Das wäre sehr bedauerlich und für das Minderheitenimage der Region ein herber Rückschritt.

Natürlich geht es der deutschen Minderheit nicht darum, dass der deutsche Nordschleswiger nicht nach Tingleff findet, weil alleine Tinglev auf dem Ortsschild steht. Auch Verwirrungen mit GPS oder verzweifelten Touristen, die nun nicht mehr nach Tønder finden, weil ja nun Tønder / Tondern am Ortseingang zu lesen ist, sind natürlich als Begründung einer Ablehnung völliger Quatsch.

Nein, es geht um viel grundlegendere Fragen. Die deutsche Minderheit will, dass sie vorkommt und wahrgenommen wird. Nicht nur in Sonntagreden und bei Feierlichkeiten, wo sich alle gerne in dem „Minderheitenmodell“ sonnen. Man will als Bestandteil der Kulturlandschaft der eigenen Heimat sichtbar vorkommen.

Eine Minderheit, die ihre Sprache nicht mehr spricht, nur in der Folklore eigener Traditionen behaftet ist und keine politischen Ziele verfolgt, für die sie auch gegen Widerstand eintritt, die gibt ihre eigene Berechtigung auf und wird sich kurz über lang selbst assimilieren.



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