Brummende Wirtschaft und Frühlingsgefühle bei „Don Corydone“

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Der Artikel ist im "Der Nordschleswiger" als Kolumne "Bericht aus Kopenhagen" erschienen.

Der dänische Finanzminister Bjarne Corydon ist eine faszinierende und gleichermaßen zentrale Figur in der dänischen Politik. Sein Spitzname „Don Corydone“ kommt nicht von ungefähr. Der einflussreiche Sozialdemokrat wird wegen seiner, in Verhandlungen den Gegenpart zur Verzweiflung bringenden, Emotionslosigkeit und stoischer Gelassenheit gefürchtet. 

Ein kalter Zahlenakrobat, der sich weit von den  Grundwerten der Sozialdemokratie entfernt habe, heißt es auch im eigenen Lager kritisch. 

Vor vier Jahren war er einer der Architekten der mittlerweile als „Wahlkampf der gebrochenen Versprechungen“ bekannten Wahlkampfstrategie der Sozialdemokraten und Sozialisten. Die „rote-Allianz“ wollte nach der langen bürgerlichen Regierungszeit vieles anders und besser machen. Jeder Däne müsse nur sieben Minuten länger arbeiten, um die angekündigten Veränderungen zu finanzieren, so das damalige Versprechen. 

Doch es kam alles anders, als im Wahlkampf vorgegeben. Die Sozialdemokraten und Sozialisten erzielten nämlich nach dem Auszählen der Stimmen keine eigene linke Mehrheit. Die sozialliberale Radikale Venstre, die seit jeher eine „marktliberale“ Finanz- und Wirtschaftspolitik vertritt, musste notgedrungen in die Regierung aufgenommen werden. Das hatte zur Folge, dass vom offensiv im Wahlkampf vermittelten Umschwung in der Finanz- und Wirtschaftspolitik nicht viel übrig blieb. 

Corydon war auch hier der flexible Architekt dieser politischen Kehrtwende. Für diese wundersame politische Verwandlung hat sich Bjarne Corydon als Speerspitze der Regierung von Helle Thorning Schmidt heftigste Anfeindungen gefallen lassen müssen. Er würde die Interessen seiner Wähler verraten. Er sei gar kein Sozialdemokrat, sondern könne doch bitte bei Venstre oder Konservative anheuern, wo er hingehöre. Doch der Finanzminister wäre nicht Don Corydone, wenn ihn das – zumindest in der Öffentlichkeit – tangiert oder gar aus dem Konzept gebracht hätte. Er hat den Kurs konsequent weiter geführt. 

Bis vor wenigen Wochen sah es noch danach aus, dass er mit seiner Politik scheitern würde. Die Wahl schien verloren und Corydon und seine Chefin Helle Thorning-Schmidt – so dachte man – wären nur eine kurze vierjährige Episode in der Geschichte der dänischen Regierungspolitik. Doch die Sozialdemokraten müssen sich derzeit sehr zurückhalten, um nicht euphorisch aufzutreten. Die Umfragewerte für Helle Thorning Schmidt sind sehr gut (wer hätte dies vor einem halben Jahr noch gedacht) – und die Werte für Lars Løkke Rasmussen, ihrem Rivalen, katastrophal. Und man mag es Corydon nicht verdenken, wenn er derzeit nicht nur wegen dem sich anbahnenden Wetterumschwung Frühlingsgefühle verspürt. Die dänische Wirtschaft brummt. Die Wirtschaftspolitik wird von allen Seiten gelobt. 

In den öffentlichen Auftritten bleibt Corydon zwar cool – doch mit etwas Phantasie kann man sich durchaus vorstellen, wie er innerlich summt:
 „Sieht her, das habe ich euch doch immer schon gesagt.“
Erstmals, seit der Wahl vor vier Jahren, befindet sich die Regierung auf der Überholspur und die Zeit scheint für sie zu spielen. 

Sollte der Finanzminister nach der Wahl weiterhin im Finanzministerium Platz nehmen dürfen, dann wird er sich gegen alle Widerstände durchgesetzt haben und könnte einer der ganz erfolgreichen dänischen Minister werden. 

Wer hätte das gedacht…

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