Der Vertrag von Lissabon und die Minderheitenrechte



Wer nicht nur einen, sondern gleich mehrere Spatenstiche tiefer gehen und sich nicht mit der leicht dahingesagten Behauptung zufrieden geben möchte, die EU tue nicht genug oder gar überhaupt nichts für die Minderheiten in Europa, der sollte sich etwas Zeit nehmen und den von Ulrike Barten verfassten und im „Nordic Journal of Human Rights" erschienen Artikel „Minority Rights in the European Union after Lisbon“ lesen. Ulrike Barten ist Assistant Professor für Internationales Recht an der juristischen Fakultät der Universität Süddänemark. Sie hat ihr Abitur am Deutschen Gymnasium in Apenrade gemacht und unter anderem auch für das European Centre for Minority Issues (ECMI) gearbeitet. 

Auf 21 Seiten gibt sie einen konzisen Überblick über den "post-Lissabon-Status Quo" und analysiert dabei vor allem die mit vielen Hoffnungen verbundenen neuen Möglichkeiten im Minderheitenbereich nach dem Inkrafttreten des Lissabonvertrages. Es ist ein Blick auf einen nicht abgeschlossenen Prozess; noch ist keine endgültige Beurteilung darüber möglich, was der Vertrag von Lissabon an konkreten Auswirkungen auf die Minderheitenrechte in der EU haben wird. Doch die Autorin ist skeptisch-kritisch:
„The European Union did not have a focus on minorities before the Lisbon Treaty and the Treaty does not change this. There are, however, positive trends for minorities. Being mentioned in EU primary law (article 2, TEU) is an improvement, but one with little practical value in everyday life. It is doubtful whether this will lead to radically new thinking and recognition of so far unrecognized minorities. At best, we may, at least at the theoretical level, expect more on definitional issues regarding the term minorities.
 
What is missing is a coherent human rights policy. Minorities are faced with a number of building blocks on minority and human rights; however, there seems to have been a lack of communication, between the masons who created article 2, TEU and those responsible for article 21, CFR. While minorities must welcome the change of legal status of the Charter of Fundamental Rights and minorities should also benefit from EU accession to the ECHR, it is by no mean predetermined that we will see a coherent human rights regime in Europe.  
Hopes should not be too hight. Overall, the Lisbon Treats introduces changes that affect minorities in the European Union. However, most of these changes are not unique to minorities. Members of minorities have new and more chances to be heard. It is up to them to make themselves heard. However, it is also up to the EU institutions and member states to let minorities be heard. Minority rights, as with all other rights, are not of much use if they remain only empty promises on paper. Set standards must now be implemented.“
In ihrem Artikel untersucht Ulrike Barten vier Hauptbereiche, die seit dem Vertrag von Lissabon für die Minderheiten neu hinzu gekommen sind:
  1.  Minderheiten werden erstmals ausdrücklich im Primär der EU erwähnt
  2. Charta der Grundrechte erhält  den Status eines rechtlich bindenden Dokuments 
  3. Der anvisierte Beitritt der EU zur Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK)
  4. Die Europäische Bürgerinitiative (die Autorin orientiert sich an dem Beispiel der der Minderheiteninitiative „Minority SafePack) 
Erwähnung findet auch (Seite 76) die Initiative des Schleswig-Holsteinischen Landtages, der im Vorfeld der Ernennung der neuen Europäischen Kommission,  mit einem einstimmigen Landtagsbeschluss dazu aufforderte, einen EU-Kommissar für Minderheiten zu ernennen. Ein Ansinnen, dem bekanntlich nicht entsprochen wurde. 

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