Internationaler Tag der Roma - alles fordert mehr Engagement, doch wenig bewegt sich



Heute, am 8. April 2015, wird mit dem Internationalen Tag der Roma von Berlin bis Brüssel das Leben der größten europäischen Minderheitengruppe in den Mittelpunkt gerückt. Gegenseitig versichert sich die Politik ihren guten Willen und die Medien berichten am Rande. 

Die Europäische Kommission fordert aus gegebenen Anlass mehr Integration und das Europäische Parlament hat sich in der vergangenen Woche mit den rund 10-14 Millionen Roma in Europa beschäftig. 

Mehr zu den Roma hier 

In der Problemanalyse sind sich (beinah) alle einig. Die Lebensbedingungen der Roma sind unerträglich und für Europa eine kollektive Schande. 

Laut der Europäischen Grundrechteagentur in Wien, ist jeder dritte Roma arbeitslos, jeder fünfte hat keine Krankenversicherung und neun von zehn Roma leben unter der Armutsgrenze. Ein hoher Prozentanteil der Romakinder haben nicht einmal die Grundschule absolviert und werden weiterhin auf Basis ihrer Minderheitenzugehörigkeit in Schulen für geistig Behinderte gesteckt. Die Liste der Missstände reicht von Abneigung bis Hass und offenen Anti-Ziganismus.

Es gibt gute Beispiele, wie in Schleswig-Holstein, wo die Integration der Sinti zu einem Erfolgsmodell geworden ist. Doch in den zumeist mittelosteuropäischen Lebenswirklichkeiten der Roma dominieren Armut, Hunger und Erniedrigung. 

Martin Schulz, der Präsident des Europäischen Parlaments, hat recht, wenn er erklärt, dass die Lebenssituation der Roma auf lokaler Ebene zu regeln sei. Denn mit einer Binnenmigration intern in der EU werden Probleme nur verschoben, nicht gelöst (in einigen mittelosteuropäischen Ländern scheint dies jedoch just die Strategie zur Behebung der "nationalen Roma-Frage" zu sein). Doch wenn man nicht erklären kann, wie diese Lösung auf lokaler Ebene aussehen und finanziert werden soll, dann handelt es sich um reine Lippenbekenntnisse. 

Es gibt viele gute Idee und in Einzelfällen wird Großartiges geleistet, aber von einem Durchbruch  sind wir weit, weit entfernt. 

Eigentlich eher ein Anlass zum Trauern, denn zum Feiern. 


Foto: ECMI.de 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen