Russland zieht Stecker: Krimtatarische Medien senden nicht mehr

Quelle: de.euromaidanpress.com
Das Recht auf freie Meinungsäußerung und das Recht auf eigene Medien gehören zu den Menschen- bzw. Minderheitenrechten. Eine Minderheit, der das Recht entzogen wird, in ihrer eigenen Sprache frei und kritisch zu berichten, wird unterdrückt. 

Der einzige Fernsehsender der Krimtateren - ATR - hat nun den Stecker ziehen müssen; der Bildschirm bleibt seit dem 1. April schwarz. 

Die neuen russischen Machthaber haben eine Verlängerung der Sendelizenz, die nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim nötig geworden war, abgelehnt. 

Der Vorsitzende der Krimtataren, Refat Chubarov, der mittlerweile aus seiner Heimat verbannt wurde und nun im ukrainischen Exil lebt, hat kürzlich im Europäischen Parlament die verzweifelte Lage der Krimtataren geschilderte. Aktuell spricht er in einem BBC-Interview, von einem „gezielten Schlag der russischen Okkupationen, der die völlige Unterdrückung und Einschüchterung der Krimtataren zum Ziel hat“.   

Russland sieht das natürlich ganz anders. Von einer Annexion oder Okkupation könne keine Rede sein. Man habe die Halbinsel vor den ukrainischen Faschisten gerettet und heimgeholt. Das russische Staatsfernsehen hat gerade eine bemerkenswerte Dokumentation über die Ereignisse auf der Krim - aus Putin-Kreml-Sicht  - veröffentlicht. Eine entwaffnen ehrliche Allegorie des Putin-Großmachtstrebens. Die Deutsche Zeitung in Moskau gibt eine Zusammenfassung der Kernaussagen 

Verboten wurde neben ATR auch die Nachrichtenagentur QHA, Maidan Radio, und der russischsprachige Radiosender Lider FM sowie ein Kinderkanal in Krimtatarischer Sprache. 


FAKTEN
Die Krimtataren sind mit rund 250.000 Angehörigen die größte Minderheit auf der Krim. Tausende Angehörige sind nach der Annexion in die Ukraine oder die Türkei geflüchtet. Die Angst der mehrheitlich muslimischen Gruppe hat auch einen historischen Bezug. 1944 ließ Stalin die Krimtataren nach Zentralasien deportieren. Von den 300.000 Vertriebenen überlebte damals nur rund jeder zweite diese Vertreibung. Anfang der 90er Jahre konnten die Krimtataren in ihre nun zur Ukraine gehörende Heimat zurückkehren.  


Siehe auch:
Aufruf der Gesellschaft für bedrohte Völker an Bundesregierung und OSZE.
Das Ende der Durchsage - Bericht in der taz
Crimean Tatar media ´silenced by Russia´- BBC

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