Vor 70 Jahren: Die ermordeten Kinder vom Bullenhuser Damm - ein Täter aus Nordschleswig blieb unbehelligt



Die ermordeten Kinder vom Bullenhuser Damm sind ein grausames Beispiel der pervertierten Verbrechen der SS. 

Am 21. April 1945 (heute vor 70 Jahren) wurden 20 jüdische Kinder in Hamburg-Rothenburgsort, am Bullenhuser Damm, in den Kellern einer Schule ermordet (heute ein Museum). Der SS-Arzt Heißmeyer hatte die jüdischen Kinder aus Auschwitz ins KZ Neuengamme kommen lassen, um an ihnen medizinische Versuche durchzuführen. Wenige Tage vor der Befreiung Hamburgs wollte die SS die Spuren dieses Verbrechens beseitigen. In der Nacht zum 21. April 1945 wurden im Keller der Schule, die damals als Außenlager von Neuengamme diente, die Kinder gehängt. Mit ihnen starben ihre vier Betreuer aus den Niederlanden und Frankreich sowie 24 sowjetische Kriegsgefangene.

In dem sog Curiohaus-Prozess wurden die Haupttäter verurteilt und für ihre Verbrechen hingerichtet. Es gibt jedoch eine nie gerichtlich aufgearbeitete Verbindung nach Dänemark / Nordschleswig, zum aus Sonderburg stammenden Hans Friedrich Petersen. In dem Buch „Fortrœngt Grusomhed. Danske SS-vagter 1941-1945“ (Verdrängte Grausamkeit. Dänische SS-Wachen 1941-1945) von Dennis Larsen wird unter anderem der herzzerreißende Fall aus Hamburg geschildert und versucht die Rolle von Hans F. Petersen zu rekonstruieren.

Petersen (Jahrgang 1897) hatte sich 1942 zum deutschen Kriegsdienst (SS) - im Haus Adalbert in Sonderburg - werben lassen. Petersen war elfjährig mit seinen Eltern aus Stuttgart nach Sonderburg gezogen. Er nahm als Soldat am 1. Weltkrieg teil und entschied sich nach der Volksabstimmung 1920 die dänische Staatsbürgerschaft anzunehmen.

Er war als SS-Mann nach einer Ausbildung in Sachsenhausen in dem Konzentrationslager Neuengamme als Fahrer tätig. Petersen saß hinter dem Steuer, als die Kindern, ihre Betreuer sowie die Kriegsgefangenen am 21. April 1945 ihre letzte Reise antraten. Die Rolle von Petersen wurde in den sog Curiohaus Prozess nicht aufgerollt und es sollte 38 Jahre dauern, bis der Stern-Journalisten Günther Schwarberg die Verwickelungen Petersen in das grausame Verbrechen veröffentlichte. Hans F. Petersen war 1967 verstorben und wurde für seine Beteiligung an den Morden nie zur Rechenschaft gezogen. 

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