Wohlfühlbesuch von Angela Merkel in Kopenhagen - Minderheit mit dabei

Jan Diedrichsen, Sekretariatsleiter Kopenhagen, Angela Merkel, BDN-Vorsitzender Hinrich Jürgensen, Premierministerin Helle Thorning-Schmidt, BDN-Generalsekretär Uwe Jessen

Angela Merkel hat in Dänemark einen exzellenten Ruf. Sie gilt als Anker der Stabilität in einem umtobten Europa. Ihr ruhiger, abwartender Regierungsstil kommt in Dänemark gut an. Doch nicht nur „Über-Mutti“, wie sie in einer dänischen Zeitung ehrfurchtsvoll tituliert wurde, ist im Königreich beliebt - auch der deutsche Nachbar an sich, hat in Dänemark einen guten Stand. In einer Umfrage wurde jüngst festgehalten, dass nur 3 Prozent der Dänen ein schlechtes Bild von den Deutschen hätten; 77% dahingegen ein sehr gutes. 

Es war dementsprechend ein Heimspiel als Frau Merkel, am Dienstag, 28. April, einen Eintagesbesuch in Dänemark absolvierte. Eine Audienz bei der Königin, ein Gespräch mit Premierministerin Helle Thorning-Schmidt in ihrem Regierungspalais und dann ging es zur Diskussionsveranstaltung mit klugen, wohlerzogenen Studenten in die Kopenhagener Universität, die allesamt freundliche Fragen an die Politikerinnen richteten. 

Bevor es für die viel beschäftigte Kanzlerin wieder mit dem Flieger Richtung Berlin ging, fanden Helle Thorning-Schmidt und Angela Merkel die Zeit sich mit Vertretern der deutschen Minderheit in Dänemark zu unterhalten. Frau Merkel kam der wartenden Delegation raschen Schrittes entgegen, begleitet von ihrer dänischen Kollegin: „Ach, guten Tag, die Minderheit. Über sie haben wir heute schon gesprochen“, so Frau Merkel. Unser Hauptvorsitzender ist schlagfertig: „Hoffentlich nur Gutes“. Worauf Thorning auf dänisch antwortet: „Selvfølgeligt, godt at se jer“ (Natürlich, schön euch zu sehen). Ja, zugegeben, das wärmte das Minderheitenherz.

Die Gemüter im Grenzland kochen nämlich in einigen Kreisen derzeit über, weil die deutsche Minderheit den Wunsch nach zweisprachigen Ortsschildern erneut angemeldet hat. Doch dieser Streit spielte in dem Gespräch mit den beiden Regierungschefinnen keine Rolle. „Das Problem haben wir mit unseren Politikern in den Kommunen in Nordschleswig, nicht mit Frau Merkel oder Frau Thorning-Schmidt“, so der Kommentar der Vorsitzenden der deutschen Minderheit, Hinrich Jürgensen.

Der Regierungssprecher in einem tweet über die Minderheiten im Grenzland

In ihrer Rede an der Kopenhagener Universität erinnerte sich Thorning-Schmidt, in geschliffenem Englisch, an nicht weniger als 20 Krisensitzungen, die sie in Brüssel gemeinsam mit „der lieben Angela“ in den letzten Jahren verbracht hatte. Differenzen zwischen Berlin und Kopenhagen gibt es derzeit keine nennenswerten und so gab es viele gegenseitige Streicheleinheiten und Unterstützungserklärungen. Dänemark ist ein Anhänger der harten Haltung der Kanzlerin in der Euro- und Wirtschaftskrise. Frau Thorning-Schmidt erklärte, dass es die Aufgabe aller europäischer Partner sein müsse, das eigene Haus in Ordnung zu bringen. Ganz im Sinne von Frau Merkel. 

Das große Thema war die Fehmarn-Belt-Querung zwischen Dänemark und Deutschland.  Die nicht verstummen wollenden Proteste auf deutscher Seite werden in Dänemark mit Verwunderung registriert. Bis auf die linkssozialistische Einheitsliste sind alle Parteien im Parlament für das Bauvorhaben und auch in der Bevölkerung ist kein Protest zu hören. Ganz anders auf deutscher Seite, wo Proteste und Klagen nicht abreisen. Doch Frau Merkel hat - sehr zur Freude der dänischen Ministerpräsidentin - dem Vorhaben in Kopenhagen ausdrücklich ihren Segen erteilt.

Frau Merkel, die vor ihrer Rede mit tosendem Beifall von 300 jungen Studenten in der Kopenhagener Universität „gefeiert“ wurde - wirkte entspannt, aufmerksam, bescheiden - alles Charakteristika, die in Dänemark gut ankommen. Frau Merkel ist - das darf man mutig behaupten - derzeit die beliebteste Politikerin in Dänemark 

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