Jubiläumsjahr: Burgenländer Kroaten und Kärntner Slowenen fordern Kursänderung der Minderheitenpolitik in Österreich

Rudolf Vouk, Marjan Pipp und Stanko Horvath bei der Pressekonferenz

Es ist ein gutes Zeichen, wenn die Minderheiten eines Landes gemeinsam agieren. In Österreich ist das Volksgruppenzentrum / Center avstrijskih narodnosti (CAN) in Wien ein effektives Sprachrohr  auf nationaler Ebene. Österreich erkennt die Slowenen, Kroaten, Roma, Ungarn, Slowaken, Tschechen als nationale autochthone Minderheit an. (siehe Übersicht unten).

Am 12. Mai 2015 haben die beiden zahlenmäßig größten Minderheiten - die Burgenlandkroaten und die Kärntner Slowenen - vertreten durch den Rat der Kärntner Slowenen / Narodni svet koroških Slowencev (NSKS) und dem Kroatischen Kulturverein im Burgenland / Hrvatsko kulturno društvo u Gradišču die Feiern zum Weltkriegsende vor 70 Jahren und der Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrages vor 60 Jahren zum Anlass genommen, ein Dokument vorzustellen, das auf die Umsetzung der Minderheitenrechte in Österreich pocht. Man sei weit von einer Umsetzung des europäischen Minderheitenstandards in Europa entfernt  Eine geplante Novellierung des Volksgruppengesetzes war im Jahr 2011 zwischen Minderheiten und Regierung intensiv diskutiert worden, aber nun ganz eingeschlafen und spiele auf politischer Ebene keine Rolle mehr. 

„Um die Kärntner Slowenen ist es seit der sogenannten Ortstafellösung still geworden“, bemängelte der Anwalt Rudi Vouk: „Offenbar versucht man den Schein zu vermitteln, es ist alles in schönster Ordnung.“

Dass dem nicht so sei, machten die beiden Minderheiten in einer Pressekonferenz in Wien deutlich. Es standen dabei vor allem die Medien und Bildung sowie die Finanzierung der Minderheitenarbeit im Mittelpunkt. 

Nachholbedarf Medien, Bildung, Finanzierung

Die Sendezeit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und Radio sei zu kurz, die Presseförderung zu gering, kritisierte Stanko Horvath vom Kroatischen Kulturverein im Burgenland. Nächste Baustelle sei die Bildung: „Wir glauben, dass in der heutigen Zeit Elementarunterricht etwas anderes bedeutet“, so Vouk in Hinblick auf das Angebot an zweisprachigen Schulen. Zudem sei Slowenisch nach wie vor die einzige Sprache, die gegen den Willen der Eltern nicht unterrichtet werden darf.

Die finanzielle Unterstützung sei zudem seit 1995 nicht mehr der Inflation angepasst, sondern „einzementiert“ worden, bemerkte wiederum Horvath. Der reale Verlust belaufe sich auf bis zu 40 Prozent. „Wie so oft geht Österreich einen anderen Weg, als sich zur Verantwortung zu bekennen“, merkte auch Marjan Pipp, Präsident des Volksgruppenzentrums, an.


Bericht im "Standard"
Siehe Pressemitteilung (slowenisch)
Weitere Berichte ORF


Die sechs gesetzlich anerkannten Volksgruppen in Österreich:

Quelle

Slowenen/Slovenci
VZ 1991: 20.191 Personen
ES: 40.000 - 50.000 Personen

Burgenländische Kroaten/Gradišćanski Hrvati
VZ 1991: 29.596 Personen
ES: 30.000 - 40.000 Personen

Ungarn/Magyarok
VZ 1991: 19.638 Personen
ES: 25.000 Personen

Roma und Sinti/ Le Rom thaj le Sinti
VZ 1991: 122 Personen
ES: 10.000 - 40.000 Personen

Tschechen/Češi
VZ 1991: 9.822 Personen
ES: 30.000 Personen

Slowaken/Slováci
VZ 1991: 1.015 Personen
ES: 5.000 Personen

VZ...Volkszählung

ES...Eigenschätzung

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