Von Schottland nach Nordengland: Wahlergebnisse der Regionalisten im Vereinigten Königreich


In Brüssel und den Hauptstädten Kontinentaleuropas fragt man sich nach der historischen Wahl im Vereinigten Königreich, wie der Wahlgewinner David Cameron nun politisch agieren wird. Er wird nicht darum herumkommen, sein Versprechen hinsichtlich einer Neuverhandlung der Position seines Landes innerhalb der EU mit einem abschließenden Referendum zum Verbleib oder Austritt zügig durchzuführen. 

Dabei ist nicht nur die Zukunft des Vereinigten Königreiches in der EU ungewisse, auch der Zusammenhalt des "Countries of Countries"  ist offen (das Vereinigte Königreich besteht aus England, Wales, Schottland und Nordirland – dies ist übrigens nicht identisch mit Großbritannien  hier ein lehrreiches und kurzweiliges Youtube Video zu den verwirrenden Unterscheiden zwischen Vereinigten Königreich, Großbritannien etc).

Der große Wahlgewinner – neben den Konservativen Tories – ist nämlich die Schottische Nationalpartei (SNP), die 56 von 59 Wahlkreisen gewinnen konnte. Bei der Wahl vor vier Jahren waren es noch ganze 6 Wahlkreise gewesen. 


Quelle: http://i.imgur.com/pG1FTey.jpg

Die desaströse Niederlage der Labour Partei in Schottland – traditionell eine Hochburg der ehemaligen Arbeiterpartei Labour – hat den konservativen Tories einen komfortablen Wahlsieg beschert. Darüber hinaus beflügelt das deutliche Ergebnis für die SNP die Diskussion über die Unabhängigkeit Schottlands. Ein entsprechendes Referendum war 2014 noch knapp gescheitert. Nach dem deutlichen Sieg der SNP, die sich unzweideutig für die Unabhängigkeit Schottlands ausspricht, wird die Frage um ein erneuter Versuch unternommen werden soll, heftig diskutiert. 

Die SNP sieht sich der Tradition des skandinavischen Wohlfahrtsmodells verpflichtet und ist dabei eine ausgesprochen pro-europäische Partei.  Der Wahlsieger David Cameron wird spätesten 2017 die Bevölkerung über den Verbleib in der EU befragen müssen. Sollte sich dann eine Mehrheit für den Austritt entscheiden, könnte Schottland das zum Anlass nehmen und den Weg in die Unabhängigkeit wählen. 

David Cameron steht nach seinem Wahlsieg vom ersten Tag an  unter enormen Druck. Interessant wird sein, wie schnell er seinen groß angekündigten Plan zur „Maximalen Devolution“ umsetzen wird. Er hat nach dem schottischen Referendum 2014 versprochen, noch mehr Kompetenzen in die Regionen des Landes verlagern. 

Ganz so dramatisch, wie der erdrutschartige Sieg in Schottland, waren die Ergebnisse in Wales, Nordirland, Cornwall und Nordengland nicht:

In Wales kandidiert Plaid Cymru und gewann erneut drei Sitze im Londoner Unterhaus. Plaid Cymru setzt sich wie die Kollegen aus Schottland für eine Unabhängigkeit ein. Insgesamt erzielten Plaid Cymru 12,1% der Stimmen (+0,8%). In Wales siegte Labour vor den Konservativen und der UKIP.  

In Cornwall trat Mebyon Kernow (MK) an und konnte die Stimmenanzahl von vor fünf Jahren verteidigen. Mebyon Kernow, setzt sich für eine weitgehende Autonomie Cornwalls ein, ist aber weiterhin weit von einem der Abgeordnetenmandate entfernt. Mebyon Kernow erzielte in St Austrell & Newquay mit 4,1% ihr bestes Ergebnis.  

In Nordirland gewannen Vertreter von Unionistischen Parteien (für den Verbleib im Vereinigten Königreich) 11 der 18 Sitze. Sinn Féin erzielte 4 Sitze und verlor einen Wahlkreis im Vergleich zur letzten Wahl. Die Sozialdemokratische Partei erzielte 3 Mandate (tritt ebenfalls für eine Unabhängigkeit Nordirlands ein).

Auch in Nordengland stellten sich neue regionale Bewegungen den Wählern; drei Parteien gingen an den Start und erzielten gemeinsam rund 10.000 Stimmen. 

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